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Der Witwentröster
 
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Der Witwentröster [Englisch] [Gebundene Ausgabe]

Marc Wortmann
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Jan Oltrogge ist Zivildienstleistender in der Luisenstiftung, Hamburg-Altona. Aber seinen Namen brauchen wir uns nicht zu merken, denn er spricht von sich selbst nur als vom "Witwentröster". Er hat zwar von Tuten und Blasen keine Ahnung, doch eines begreift er schnell: Die alten Damen im Stift sind nur zu verstehen als "Witwen", das heißt (in der indogermanischen Urbedeutung des Wortes): als "Leer-Gewordene", "Mangel-Habende".

Die Konsequenzen daraus sind einfach, aber brutal: Erstens, Witwen wollen sich nicht erinnern, und zweitens: Witwen stinken. Und natürlich hängt Letzteres mit Ersterem zusammen. Und zwar ganz konkret: "Wenn sich die Witwe zu ihrem Mangel bekennt, geschieht das Unerwartete: Sie stinkt nicht mehr."

Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Denn "die Sprache der Witwen ist eine Fremdsprache, und wer Witwen trösten will, muss diese Sprache erlernen. Es ist ein Sprung über zwei Generationen. Es ist auch ein Sprung in eine andere Lebensform: in die Lebensform des Mangel-Habens. Mangel wird in den meisten Fällen nur indirekt ausgedrückt, und diese Ausdrucksweise muss man verstehen können".

Wir, die Leser, werden also Zeugen, wie Jan Oltrogge diese Fremdsprache -- anfangs zögerlich, später mit kühler Leidenschaft -- erlernt. Und wir lernen mit ihm, dass Witwentrösten eine Berufung ist -- aber auch "ein Beruf, in dem man immer ein Anfänger bleibt", weil jede Witwe den Witwentröster vor neue Anforderungen stellt. "Witwentrösten ist eine Sache fürs Leben, keine Arbeit auf Zeit."

Klingt nach schwerer Kost? Irrtum. Marc Wortmanns Debütroman ist mit äußerst leichter Hand und einem guten Gespür für erzählerischen Rhythmus geschrieben. Dass Jan Oltrogge als Person merkwürdig fahl bleibt und von ihm immer nur als dem "Witwentröster" die Rede ist, hat natürlich Methode. Je mehr Jan Oltrogge als Person ungreifbar wird, umso verständlicher wird die Unbedingtheit, mit der er seiner Berufung nachgeht, ja: ihr geradezu erliegt. Aber auch die Hybris, die seinem Unterfangen innewohnt. Dasselbe gilt für die fast manieriert wirkende Penetranz, mit der die Wörter "Witwe" und "Witwentröster" verwendet werden: Der Ernst des Lebens im Altenheim ist ein Spiel mit klar verteilten Rollen. Und Herr Oltrogge kein Idealist, sondern ein Spieler, der Ernst macht.

Auf dieses Buch habe ich beinahe 15 Jahre gewartet. Und ich behaupte mal: Für jeden, der als 19-Jähriger (mit den entsprechenden Begleiterscheinungen) 13, 15 oder gar 20 Monate Dienst an alten Menschen verrichtet hat, wird die Lektüre ein kathartisches, wenn nicht therapeutisches Erlebnis sein. Wir haben die Generation, die sich nicht erinnern wollte, zu knacken versucht. Gelegentlich haben wir darüber unsere eigentlichen Pflichten vernachlässigt (jeden Patienten höchstens fünf Minuten füttern!) oder uns generell doof angestellt. Aber wir haben etwas gelernt. Fürs Leben, wie man so sagt. Marc Wortmanns Roman ist eine späte Genugtuung für die Generation der Zuvieldienstleistenden der späten Achtziger, die sich damals noch Drückeberger nennen lassen mussten. --Axel Henrici

Pressestimmen

"Dantes Inferno in Altona: die Macht des Gestankes und die Schrecken des Trostes." (Annette Pehnt)

"Allein unter 60 Frauen: Marc Wortmann ist mit seinem so boshaften wie liebevollen Porträt eines Zivildienstleistenden ein Glanzstück gelungen. Racheengel, Verführer, Inquisitor und Liebhaber - der Witwentröster zieht alle Register. Ein großartiges Buch." (Karen Duve)

Kurzbeschreibung

Sie sind 80 Jahre alt und älter, sie stinken, sie treiben Unfug, und sie erinnern sich an nichts: die Witwen. Jan Oltrogge, der junge Zivildienstleistende, will sie zum Reden bringen. Er wäscht sie, er wirbt um sie, er erfüllt ihnen die ausgefallensten Wünsche. Doch als das alles nicht hilft, greift er zu anderen Methoden.

Kein Ort, an dem man Abenteuer erwartet: die Luisenstiftung, ein Frauen-Altersheim in Altona. Aber was Jan Oltrogge, der Witwentröster, zu erzählen hat, ist außergewöhnlich und spannend: seine besessene Suche nach dem Geheimnis der Witwen. Seine Diagnosen sind fragwürdig, seine Maßnahmen sind drastisch und stehen quer zu allen Pflegeplänen. Und natürlich stößt er auf Widerstand: Die Schwestern sitzen ihm im Nacken und pochen auf Erfüllung des Arbeitspensums, die Angehörigen benutzen ihn, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Ganz auf sich gestellt, verfolgt Jan sein geheimes Programm. Bald zeigen sich die ersten Erfolge: Die Witwen beginnen, sich zu erinnern - und wieder zu leben. Doch dann kommt das Sommerfest, und Jan verliert die Kontrolle über das Geschehen.

Marc Wortmanns eindrucksvolles Romandebüt erzählt drastisch und unterhaltsam von einer Generation, die nicht ohne Grund vergesslich geworden ist, und von einem Helden, der die Geister nicht mehr loswird, die er rief.

Der Verlag über das Buch

Allein unter 60 Frauen - der Witwentröster

Autorenportrait

Marc Wortmann, geboren 1966 in Hamburg, arbeitet als Redakteur im Hamburger Jahreszeiten-Verlag. Er übersetzte zwei Short-Story-Sammlungen der britischen Autorin Bridget O'Connor. "Der Witwentröster" ist sein erster Roman.

Auszug aus Der Witwentröster. von Marc Wortmann. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Ich brauchte einige Zeit, bis ich mir darüber Gedanken machte, was es bedeutet: eine Witwe zu sein. Dabei wurde ich schon am ersten Tag auf die Frage gestoßen. Die Witwe Piehl brachte mich darauf. Als mich Schwester Sabine von Zimmer zu Zimmer führte, um mich bekannt zu machen, sagte die Witwe Piehl zur Begrüßung zu mir: ›Ich habe mich schon sehr darauf gefreut, Sie kennen zu lernen, junger Mann! Ich heiße Anni Piehl, Witwe, Witwe.‹
Ich sagte dazu erst einmal nichts (ich weiß noch, ich nickte höflich mit dem Kopf und fühlte mich ein bisschen eingeschüchtert - auch später sollte es der Witwe Piehl immer wieder gelingen, mich einzuschüchtern), aber als wir weitergingen, sagte ich zu Schwester Sabine: ›Was meint die denn damit: ›Witwe, Witwe?‹ Sagt sie das immer?‹
Schwester Sabine sagte: ›Das ist doch ganz klar. Sie hat zwei Ehemänner überlebt, und deshalb ist sie jetzt zweifache Witwe.‹
Ich sagte: ›Ja, schön, das habe ich mir schon gedacht. Aber warum erwähnt sie es? Es klingt ja wie ein Doktortitel oder so.‹
›Sie ist wahrscheinlich stolz darauf‹, sagte Schwester Sabine. ›Das heißt doch, sie hat viel erlebt - oder sie hat ihre Männer eigenhändig um die Ecke gebracht.‹"
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