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Trotzdem folgen Adam und Eva wie ferngesteuert folgender Choreographie: Sie will ihm schaden und bohrt heimlich auf seiner Seite den alten Kahn an, in dem sie beide sitzen, seit sie aus dem Garten Eden geschmissen wurden. Erst als klar wird, dass beide in Kürze gemeinsam absaufen, gibt sie ihm einen Tipp und sie verstopfen notgedrungen das Loch. Sei es aus Rache, aus Wut oder im guten Glauben, der bessere Mensch zu sein, bohrt der verbohrte Adam wenig später auf der anderen Seite selbst ein Loch. Wollen wir allen Ernstes so weitermachen bis zum jüngsten Tag? Ist es wirklich so rasend interessant, herauszufinden, wer den ersten Fauxpas beging? Wäre es stattdessen nicht höchste Zeit, das Kriegsbeil zu begraben und sich gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu stellen? Diese Fragen stellten uns auch einige der Leserinnen unseres Romans Mit den Frauen kamen die Tränen (erschienen bei Ullstein), einer augenzwinkernd bösen Persiflage auf die erfolgreichen Frauenromane von Hera Lind bis Gaby Hauptmann und unzählige Lebensratgeber für böse Mädchen und macchiavellische Fürstinnen. Viele Frauen bewiesen Kritikfähigkeit, sowie Talent zur Selbstironie und gaben zu, sich in etlichen Passagen wiedergefunden zu haben. Danke, für so viel Ehrlichkeit und natürlich auch für die Anregung zu diesem ernsthaften Buch. Und die Männer? Viele zeigten sich erleichtert, dass sich endlich ihresgleichen in der Geschlechterfrage wieder zu Wort meldete. Die Vielzahl überraschend positiver und versöhnlicher Reaktionen von Männern und Frauen hat uns überzeugt: Die Zeit ist reif für eine neue Allianz von Adam und Eva!
Doch bis dahin haben wir noch jede Menge Arbeit. Zuerst müssen wir den Kopf aus einer Wolke an Vorurteilen, ideologischen Besetzungen und historischen Schuldgefühlen ziehen, denn auf einem schlechten Fundament lässt sich schwer ein neues Haus bauen. Dieses Buch versteht sich also weder als neuer Ratgeber, noch als weiterer Versuch, endgültig zu klären, ob Mann oder Frau zum besseren Geschlecht taugen. Es ist vielmehr ein Plädoyer für mehr Distanz und Objektivität. Wir müssen wieder lernen, über die eigenen Schwächen zu lachen und gegenüber denen des anderen Toleranz zu üben. Deshalb rufen wir dazu auf, die Vergangenheit endlich abzuschließen und unsere Sache gemeinsam in die Hände zu nehmen. Wir können in der Zukunft auf die geistigen und emotionalen Ressourcen keines Geschlechts mehr verzichten selbst die rot-grüne Bundesregierung hat das begriffen: Es steht im gemeinsamen Koalitionsvertrag. Zu Beginn des neuen Jahrtausends bestimmen massive wirtschaftliche Zwänge unser Leben. Das Öffentliche wird das Private, denn gerade für die Generation der 25- bis 50jährigen schrumpft das Privatleben zum Hobby. Der Traum von weiteren Arbeitszeitverkürzungen ist für die Masse der Bevölkerung geplatzt. All die Angestellten und Arbeiter der Informations- und Dienstleistungsgesellschaft werden auf lange Sicht sehr viel arbeiten, viel mehr als ihnen lieb sein kann. Und das gilt für Männer und Frauen. In immer mehr Partnerschaften arbeiten beide. Die gemeinsame Freizeit wird knapp. Hält dieser Trend an, werden die großzügigen Wohnungen solcher Paare verwaisen, ihre Pflanzen vertrocknen, die edlen, multifunktionalen Einbauküchen verstauben und Kinder, wo vorhanden, von professionellen ErzieherInnen großgezogen. Wollen wir ein Minimum an Privatleben als Basis für unsere persönlichen Träume, unser Gefühlsleben und unsere Nachkommen erhalten, haben wir nur eine Alternative: Wir müssen uns verbünden! Denn in Binsenweisheiten steckt viel Wahrheit gemeinsam sind wir stärker. Und dazu müssen sich Mann und Frau keineswegs gleich werden. Es kommt nicht auf die Unterschiede an, sondern auf das, was wir aus ihnen machen!
Welches Handwerkszeug brauchen wir dazu? Wir wollen den Weg ebnen, indem wir erstarrte Ideologien erschüttern, den statistischen Finger in schmerzhafte Wunden legen, vertraute Gemeinheiten enttarnen und beliebte Vorurteile zerstören, deren Leidtragende heute, nach vielen Jahren Frauenbewegung, in erster Linie Männer sind. Dieses Buch mag auf den ersten Blick aussehen, als ginge es darum, den Frauen etwas heimzuzahlen. Wir können versichern, das ist nicht der Fall. Aber wir finden Gründe und Wege, den Prügelknaben Mann aus der Schusslinie zu nehmen, und das kann für Frauen nicht immer angenehm sein. Ein Beispiel: Wenn ein Männerforscher wie der Politologe Peter Döge über Geschlechterdemokratie diskutiert, kichern und lachen die Zuhörerinnen der Grünen-Stiftung, weil er von 20 Prozent neuen Männern spricht. Es geht ihm wie den Feministinnen der ersten Stunde, die mit ihrem Anliegen auf Befremden und Ablehnung stießen. Dabei haben Frauen doch immer gefordert, dass Männer sich stärker zu Geschlechterfragen äußern. Doch statt Neues zu hören, vertrauen viele Damen lieber auf Bewährtes: Wir kennen die Männer! Wie bequem es doch ist, weiter an die altbekannten tatsächlichen und vermeintlichen Defizite der Männer zu glauben. Gut dreißig Jahre ist es her, seit die Feministinnen der ersten Stunde das populäre Täter-Opfer-Modell kreierten und den Mann zum Unhold der Geschichte erklärten. Das war legitim und hat für viele Frauen den Weg frei gemacht, ihre Interessen jenseits von Kind und Küche zu entdecken, ihre individuellen Fähigkeiten zu entwickeln und ihre persönlichen Ziele zu verwirklichen. Ein wichtiger Schritt für uns alle. Die Folgen dieser feministischen Neuinterpretation der Geschlechterrollen sind vielfältig: Frauen in den Industrieländern haben das Joch der Unterdrückung weitgehend abgeschüttelt. In den Redaktionsstuben bestimmen mittlerweile Frauen nicht wenige zählen sich zum Lager des Feminismus , welche Themen die Gesellschaft diskutiert. Frauen schreiben nicht nur erfolgreiche Frauenromane, sondern auch forsche Karriereratgeber. Frauen führen Bundesministerien sowie Staatskanzleien und übernehmen sogar den Vorsitz in christlich-demokratischen Volksparteien. Dort machen sie genauso gerissen Politik, wie ihre männlichen Vorgänger ...
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Wenn ich "gut" sage, dann begründe ich das mit folgenden Eigenschaften: Ich finde, es wurde gediegen recherchiert argumentiert. Ich kann im gesamten Werk keine Übertreibungen finden, da ich die von den Autoren zitierten Zahlen alle selbst schon a.a.O. gelesen habe.
Die "Story" des Buches wird in drei unterschiedlichen Stilen präsentiert: um eine "wahre Geschichte" rankt sich er Kommentar der Autoren, im Text fettgedruckte Schlüsselwörter werden in gesonderten Kästen mit statistikem Zahlenmaterial untermauert. Das macht die Lektüre sehr unterhaltsam: der Leser bleibt am Ball.
Die "wahre Geschichte" ist in keinem Punkt übertrieben: ich selbst hätte sie so schreiben können, indem ich meine eigene Ehegeschichte auf Papier niedergelegt hätte. Insbesondere das Thema "Fremdgehen" von Seiten der Ehefrau hat einer meiner Freunde ganz genau so erlebt, wie sie in dem Buch geschildert ist - als hätten die Autoren davon gewußt.
Ich finde es erfrischend, das Tacheles geredet wird, aber dennoch stets in versöhnlichem Ton. Ich weiß zwar mittlerweile, daß viele Frauen immer meinen, sie hätten gewonnen und könnten sofort weitere Forderungen stellen, wenn Männer aus Überdruß einen versöhnlichen Ton anschlagen. Aber der versöhnliche Ton ist auf die Dauer das einzige, was helfen kann. Frauen müssen lernen, daß der versöhnliche Ton das Ende einer Auseinandersetzung ist, nicht der Beginn einer neuen.
Also kurz: ich war begeistert, werde mir ein paar davon kaufen und sie weiterverschenken. Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, daß Frauen auf solche Bücher sehr gereizt reagieren und die dort veröffentlichten statistischen Zahlen rundweg als übertrieben ablehnen. Ich hingegen sehe die in unserem Land praktizierte Frauenförderung ebenfalls als völlig überzogen an: es wird Zeit, sich da etwas anzunähern.
Das Buch präsentiert sich auf drei Ebenen, einmal die Meinung der Autoren, die durch in - zum zweiten - mit Kästchen abgehobene Statistiken und Erklärungen untermauert werden soll und eine - drittens - begleitende »Story« von Adam und Eva.
Das Buch, das laut Klappentext den Anspruch erhebt, es räume »mit Vorurteilen auf, beendet alte Schuldzuweisungen, nennt Mißstände beim Namen und wirft ideologischen Ballast ab« vermochte mich vor allem damit zu überraschen, wie unterschiedlich Statistiken aus verschiedener Blickrichtung interpretiert werden können.
So erfahren wir z.B., dass eigentlich die Frau die Gewalt in der Beziehung initiiert und dass Männer keineswegs zu wenig Zeit im Haushalt verbringen.
(Dass die Autoren von der gewalttätigen Frau überzeugt sind, zeigt sich deutlich in der Figur der »Eva«, die von Anfang an als aggressiv dargestellt wird. »Adam« dagegen ist zahm wie ein Schaf und erwacht am Ende rechtzeitig, um die Beziehung zu retten. Was sonst!)
Übersehen wird hier wie auch im ganzen übrigen Buch, dass die unbezahlte Arbeit in allen Fällen hauptsächlich von der Frau geleistet wird, wobei es aus der aufgefhrten Statistik zwar hervorgeht, aber nicht interpretiert wird. - Warum wohl?! - Und unbezahlte Arbeit ist Arbeit ohne Anerkennungswert und genau dieses führt zur Unzufriedenheit der vielen Evas.
Dieses Buch unterscheidet sich nicht wirklich von ähnlichen, populär geschriebenen Frauenlektüren. Zahlen werden als feststehende Tatsachen interpretiert, ohne Hintergründe zu beleuchten, die vielleicht eine andere Sichtweise erschließen würden. Es wird z.B. gefragt: »Warum gelingt es alleinerziehenden Vätern, ohne Hilfe auszukommen, allein erziehenden Müttern dagegen weniger gut? Weil Männer einen Job haben, lautet die naheliegende Antwort.« Es gibt keine naheliegende Antwort, weil man auch diese Frage nur beantworten kann, wenn man betrachtet, in welcher persönlichen Lebenssituation sich Männer und Frauen befanden, als sie Eltern wurden, wie alt waren sie, hatten die Frauen im Gegensatz zum Partner einen Beruf, aus welcher gesellschaftlichen Schicht stammen sie, ...?
Fragen, die auch entsprechend in der Frauenliteratur gestellt werden sollten und ehrlich zu beantworten wären.
Immerhin traut sich das Autorenpaar die unpopuläre Tatsache zu verbreiten, dass Frauen nicht nur Opfer sind sondern auch Täterinnen, nicht nur Unterdrückte sondern auch Unterdrückerinnen. Mein ehrlicher Beifall zu diesem Mut!
Dennoch bin ich der Ansicht, es werden sich vor allem verunsicherte Männer durch dieses Buch angesprochen fühlen, Männer, die von ihren Frauen mit der Forderung nach mehr Unterstützung, an der Haustür, das Kind auf dem Arm, nach der Arbeit, empfangen werden. Diese Männer finden hier ihre Bestätigung, dass auch die Frau diesen Missstand mitträgt und ihn so der Möglichkeit beraubt, sich zum »neuen Mann« zu entwickeln.
Echte Hilfe bieten die gut ausgearbeiteten Tips nur in der Beziehung, in der von Anfang an gleiche Voraussetzungen bestanden, denn nur hier haben Frauen und Männer eine echte Wahlmöglichkeit, wer wieviel arbeitet.
In allen anderen Fällen verhilft das Buch zu vielen »Aha!«-Erlebnissen, kann aber das Dilemma zwischen dem Versorger-Mann und damit abwesendem Vater nicht wirklich lösen.
Am Ende bleibt nur den Anfang zu zitieren: »Wir wissen, dass wir nichts wissen! Außer: Adam und Eva sitzen im gleichen Boot.«
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