Albert Lortzings Opern werden leider heute - im Gegensatz zu vor 30 Jahren - nur noch selten gespielt. Das ist schade, denn zum einen lassen sie sich mit relativ geringem Aufwand sehr effektvoll auf die Bühne bringen - Lortzing war selber Schauspieler und Spieltenor, wusste also, was er sich und seinen Kollegen zumuten durfte.
Zum anderen sind es musikalisch spritzige und im besten Sinne "komische Opern", insbesondere Zar und Zimmermann und eben Der Wildschütz: Eine typische Verwechslungsgeschichte mit einem erfrischenden Hang zur Albernheit und kleinen sozialkritischen Spitzen. Vor allem aber ein Stück voller wunderbarer Ensemble-Szenen, die hier wirklich perfekt eingefangen sind:
Hermann Prey war in diesen volkstümlich komischen Opern ganz in seinem Element und singt den Grafen mit unübertrefflichem Schwung. Mindestens ebenbürtig, aber schwärmerischer, jugendlicher und damit perfekt für die Rolle des Barons der junge Fritz Wunderlich - ihm würde man hier noch eine Soloarie wünschen!
Großartig auch Anneliese Rothenbergers Baronin: Mit klarer Stimme, voller Charme und Witz und noch ohne das harte, metallische Scheppern ihrer späten Aufnahmen. Eine echte komische Glanzleistung bietet schließlich Fritz Ollendorfs Schulmeister, ohne ihn - wie leider viele Kollegen - zum Deppen zu stempeln.
Einzig Gisela Litz als Gräfin klingt ältlich und hat ihre Stimme nicht ganz im Griff, was aber den Gesamteindruck nicht wirklich stört, zumal ja auch die Rolle ruhig etwas altjüngferlich klingen darf.
Das restliche Ensemble, Chor und Orchester werden von Robert Heger mit großem Gespür für diese Musik und genügend Temperament zusammengehalten.
Alles in allem also eine wunderbare Aufnahme einer viel zu selten gespielten Oper.
Kleine Zusatzempfehlung:
Zar und Zimmermann, auch unter Heger, mit Prey, Frick, Köth, Schreier und - leider nicht Wunderlich, sondern - Nicolai Gedda.