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Seltsame Dinge werden über den Wilden Wald erzählt: von Räubern und vergessenen Städten, von Rittern mit roten Schildern, vor denen man auf der Hut sein muß, von geheimnisvollen grünen Wesen... Tiuri, ein junger Ritter, macht sich auf, diese Rätsel zu lösen. Freunde helfen ihm dabei, und doch ist er oft ratlos und verwirrt und weiß nicht, ob er seinem eigenen Urteil noch trauen kann.
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Tiuris zweite Abenteuergeschichte hat meine neunjährige Tochter und mich dermaßen gefesselt, dass wir das Buch innerhalb eines Wochenendes gelesen haben; es war fast unmöglich, zwischendrin aufzuhören.
Viel besser als im ersten Band gefällt mir die Sprache (was vielleicht an der Übersetzung liegt, Beltz, 1989). Auch sind die einzelnen Handlungsstränge und die Charaktäre der handelnden Personen im „Wilden Wald" wesentlich vielschichtiger als im „Brief für den König". Besonders gut finde ich, dass Tiuri dieses Mal nicht absolut tugendhaft und über jeden Zweifel erhalben ist. Sein Auftrag, sein Weg und seine Pflicht sind nicht mehr eindeutig: Er muss selbst entscheiden, wie er zu handeln hat und gerät mehr als einmal in Zweifel darüber, was das Richtige ist.
Was mir weniger gefällt, ist, dass die Kampfstrategien verschiedener Heere und Kriegergruppen für meinen Geschmack manchmal zu ausufernd und kompliziert beschrieben werden. Da wäre weniger besser gewesen.
Noch was zum Nachdenken. Weil ich es nicht lassen kann, ein bisschen zu philosophieren und weil ich offenbar noch moralisierender bin als die Autorin selber: Tiuri tötet zwei Gegner mit seinem Schwert. Wer bei dem Buch auf mehr aus ist als auf Abenteuer, der wird davon wahrscheinlich ebenso betroffen sein wie Tiuri selber, den diese Tat längere Zeit verfolgt. Dabei hätten wir es doch wissen müssen!: Tiuri ist ein Ritter, er ist im Krieg, er trägt ein Schwert ...!
Frage: Was wollen wir unsere Kinder lehren? Rechtfertigt der (in diesem Buch ganz bestimmt gute und edle Zweck) wirklich dieses letzte Mittel?
Ich weiß, dass ich mit diesen Fragen a) natürlich sämtliche Ritter-Geschichten in Frage stelle und dass es b) ziemlich ungerecht ist, das gerade anhand dieses Buches zu tun: Denn es ist ohne Zweifel ein sehr „harmloser" und „moralisch hochwertiger" Fantasy- und Ritterroman. Trotzdem - oder gerade deswegen - sei hier (vielleicht überspitzt) gefragt: Kann ein Schwert in der Hand tatsächlich ein Sinnbild für „das Gute" sein?!
Das muss wohl jeder für sich entscheiden.
Auf jeden Fall bietet die Frage die Möglichkeit zum Nachdenken und für ein Gespräch mit Kindern ...
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