So alt dieser Filmklassiker auch ist. Dieser Film "Der Wilde" mit Marlon Brando war tatsächlich eine Premiere für mich - unglaublich, aber wahr. Hatte ich etwas versäumt?
Eindeutig Ja. Was für ein toller Film. Aus heutiger Sicht mag die Geschichte um Johnny (Marlon Brando), den Anführer einer "bösartigen" Motorradgang, eher lachhaft zahm wirken. Aber anno 1950 wurde Aggressivität cineastisch eben noch verhältnismäßig "zivil" dargestellt, brutale Gewalt wurde aus Rücksicht auf das zarte Gemüt der Zuschauer rücksichtsvoll eher nur angedeutet. Sie ist dennoch spürbar, diese Auflehnung der jungen Leute gegen die feindselige Welt voller Vorurteile dieser etablierten Erwachsenen. Und vice versa - durchaus auch umgekehrt.
Das bedenkenlose Ausleben eigener Unsicherheiten und Unzufriedenheit manifestiert sich hier in dem "Schulterschluß" der jungen Männer und Frauen als Mitglied in Motorrad-Gangs, die durch Streit und Zerstörungswillen ihre Stärke und Unabhängigkeit beweisen wollen. Man übertrumpft einander in scheinbar mutigen Aktionen, die zuweilen eher übermütig wirken. Dennoch wird klar, daß Provokation um jeden Preis das Ziel ist, um sich abzusetzen von der Masse der verachteten "Spießerwelt". Man braucht dazu allerdings das Zugehörigkeitsgefühl, und den "Schutz" der Gleichgesinnten der eigenen Motorrad-Gang, um sich "stark" fühlen zu können.
Das muß auch Johnny erfahren, als ihn der Hauch eines Gefühls trifft, das nicht zu seiner Vorstellungswelt von Ablehnung allen Spießertums paßt. "Sie ist nichts Besonderes", redet er sich ein, als ihm widerwillig klar wird, daß ihn Kathie (Mary Murphy) weit mehr beeindruckt, als er es selbst wahrhaben möchte. Es habe nichts zu bedeuten - dieses unerklärliche Interesse an ihr. Auch nicht, daß er die skurrilen Späße seiner Kumpane ihretwegen nicht mehr mitspielt -- und damit in ernsthafte Schwierigkeiten gerät.
Es ist ein alter Film, wie wir wissen, und aus heutiger Sicht ist es geradezu rührend, wie selbst fatalste Situationen kurzerhand bereinigt werden -- da kann sich der heute Problemfilm-gestählte Zuschauer nur noch verlegen am Kopf kratzen.
Dennoch - man muß bewundernd feststellen, mit welch wenigen Mitteln selbst sozialkritische Aspekte durchklingen. Das dürfte zur Zeit der Entstehungsgeschichte dieses Films sehr mutig gewesen sein.
Mir hat dieser Film so gut gefallen, daß ich ihn - nachdem ich ihn mir, wie gewohnt, zuerst in der Originalfassung Englisch angesehen habe - gleich noch mal anschaute, diesmal in der deutschen Synchronisation. Beide Versionen sind absolut sehenswert (Marlon Brando's "deutsche Stimme" ist nach meinem feinen Gehör sogar verblüffend ähnlich).
Marlon Brando hat mir als Darsteller des Johnny sehr gut gefallen. Und obwohl ich gestehen muß, daß ich ein ... ähm ... eher ein James Dean-Fan bin (und deshalb vielleicht voreingenommen - sorry!), habe ich mir sogleich weitere Filme mit dem jungen Marlon Brando gekauft und bin nicht enttäuscht worden. Lee Marvin als Johnny's psychotischer Gegner Chino habe ich nicht erkannt - erst als ich es im Abspann las, wußte ich wieder, warum er mir bekannt vorkam. Alle anderen Darsteller fand ich - na ja ... ganz gut.
Aus der DVD selbst hat man wohl das Beste gemacht:
Nur Schwarz-weiß ist ja klar.
Aber immerhin:
Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel: dito, und viele weitere Sprachen
Die Extras sind eher kümmerlich: Ein Filmtrailer, der schon beendet ist, kaum daß er begonnen hat, ein paar dürftige schriftliche Details - nun ja.
P.S.. Ich bin zwar nur ein "gemäßigter" Motorrad-Freak, aber die Maschinen .... Woow!