Manchmal wird durch das Internet auch ein vernünftiger Mensch berühmt. Das ist dann für alle, die ihn plötzlich kennen dürfen, ein großes Glück.
Seit Jahren bringt der Wildbach Toni seinem Publikum die Bergwelt näher. Auf dem Berg vor Ort. Aber ebenso in kurzen, erhellenden Lehrvideos. Da muss der geschundene, bucklige Stadtmensch noch nicht einmal von seinem Computerbildschirm weggehen, um einige nutzbringende Informationen abgreifen zu können. Auch für das peinvolle Leben in der Stadt weiß der Toni nämlich regelmäßig Rat. Kein Wunder, dass da die Verleger den Berg hoch gepilgert kommen und sagen: "Komm, Toni, schreib's in ein Buch!" Da wittern sie einen schnellen Euro. Ganz klar. Aber den sollen sie haben! Denn ein Wildbach-Toni-Buch ist beileibe mal ein Dienst an der Gemeinschaft. Drum hat sich der Wildbach Toni auch nicht lumpen lassen und eine Geschichte aufgeschrieben, die sich tatsächlich einmal so zugetragen hat.
Aber nicht irgendwo, sondern in Tonis eigener Heimat.
Der Frieden im Dorf war abhanden gekommen. Mit dunklen Augenringen und blassen Gesichtern liefen die sonst so kernigen Bergmenschen durch die Gegend. Die Bergtouristen blieben aus. Gerade einmal noch vier hockten um den Toni herum. Der Festsaal vom Schlemmerwirt war der maroden Gemeindekasse wegen an ein schmieriges Kaffeefahrtunternehmen vermietet worden. Unter den Dorfbewohnern herrschten Missklang und Zwietracht. Und das alles wegen des verschwundenen Zacherls - dem Bewahrer des Friedens. Einem kleinen Fähnchen am Marktplatz, das dort nicht mehr hing.
Logisch, dass das Zacherl wieder hermusste. Und wie's der Toni gedeichselt hat, welchen Widrigkeiten er dabei trotzen musste, das steht in diesem Buch. Es ist spannend und enthält viel Weisheit. Ich habe drei Tage darin gelesen und noch einmal drei Tage Heimweh nach den Bergen gehabt. Obwohl ich da gar nicht herkomme. So schön war's beim Wildbach Toni. Und das trotz der Aufregung. Einen besseren Heimatroman kann man vermutlich nicht schreiben.
Als ob es noch nicht genug wäre, so eine saubere Geschichte beschert zu bekommen, spendiert einem der Toni obendrein einen Anhang, der die Broschüre enthält, welche er sonst seinen Besuchern aushändigt. Sie trägt den Titel "Herausforderung Berg - und was ich dabei für mich mitnehmen kann" und enthält wertvolle Informationen und außerdem ein paar Rezepte.
Wer auf seinem Nachtkästchen die Heilige Schrift, den Katechismus und einen Groschenroman liegen hat, der kann sich da jetzt ruhig den "Wildbach Toni" dazutun. Und wer nicht, der auch.
Ich jedenfalls lese immer mal wieder ein bisschen im "Wildbach Toni" und freue mich längst riesig auf die Hörbuch-Edition, Teil II und "Wildbach Toni - Der Film". Das wird ein Vergnügen. Da nehme ich die ganze Familie mit ins Kino.
Auf den Gabentisch 2011 muss allerdings erst mal "Der Wildbach Toni. Ein Bergroman." Daran besteht kein Zweifel. Das ist überhaupt keine Frage.