Guido Knopp versteht es wie kein zweiter in Deutschland mit seinen geschichtlichen Dokumentationen Millionen zu fesseln - sowohl im Fernsehen (ZDF) als auch mit seinen Büchern. Da sich 2011 die Eroberung des Südpols zum 100. Mal jährt, nimmt Knopp dieses legendäre Ereignis zum Anlass seiner jüngsten Dokumentation. Doch anders als bisher gewohnt, geht es diesmal nicht nur um die reine Aufarbeitung sämtlicher Fakten und Hintergründe des unfreiwilligen Wettrennens zwischen Scott und Amundsen, sondern als besonderes Schmankerl wird parallel eine moderne Version des Südpolwettkampfs zwischen einem österreichischen und einem deutschen Team dokumentiert.
Das Buch steht dem besten Thriller an Spannung in nichts nach. Chronologisch, beginnend mit der Planung, Rekrutierung der Expeditionsteams über die Vorbereitungen und schließlich dem eigentlichen Wettlauf so gestaltet sich sein penibler, gut nachvollziehbarer Aufbau. Dabei wechselt Knopp geschickt zwischen den Schauplätzen um Robert Falcon Scott, Roald Amundsen und den neuzeitlichen Teams um Markus Lanz und Hermann Maier hin und her. Gerade der direkte Vergleich der Voraussetzungen vor 100 Jahren und heute machte das Buch für mich besonders interessant. Es erwies sich nämlich, dass das modernste High-Tech-Equipment unter solch extremen Bedingungen bis Minus 40-50 Grad Celsius nur bedingt Erleichterung schafft, denn die eigentliche Herausforderung und übermenschliche Kraftanstrengung obliegt immer noch jedem Einzelnen - damals wie heute. Begleitet werden sämtliche textlichen Ausführungen mit zahlreichen Fotos in Schwarzweiss und Farbe.
Besonders gut gefiel mir Knopps neutrale und sachliche Herangehensweise bei der geschichtlichen Dokumentation. Er stellt die oft sehr widersprüchlichen persönlichen Aufzeichnungen der Expeditionsteilnehmer den Chroniken professioneller Historiker gegenüber und überlässt es schließlich dem Leser, sich ein eigenes Bild von den dramatischen Ereignissen mit teils tödlichem Ausgang zu machen.
Fazit: Pflichtlektüre für Historien- und Abenteuerliebhaber.