Menschen sollten ihre gemeinsamen Angelegenheiten, also das Politische, mittels Vernunft regeln - in klarem, sachlichem Diskurs und in einer angstfreien Atmosphäre können sie handeln, wie es für alle am Besten ist. Um für diese Haltung zu werben, bedarf es der Aufklärung.
Andreas Müller ist mein Lieblings-Aufklärer - schon lange habe ich seinen Blog http://www.terryrotter.de/feuerbringer/ abonniert. Seine Analysen sind meist hieb- und stichfest, und obendrein noch gewürzt mit jener Art von bissigem Humor, der die Dinge ein für allemal auf den Punkt bringt.
Sein Buch "Der Westen - ein Nachruf" habe ich mir kürzlich gekauft und auf mein Android-Handy heruntergeladen [übrigens auch mein erster "Kindle" - ich bin altmodisch: ein richtiges Buch aus Papier hätte ich besser gefunden]. Nun lese ich immer wieder mit Genuss darin. Seine Ansichten sind ein wohltuendes Gegengewicht zum Mainstream. Wenn man in dem Buch eines Abweichlers liest, merkt man erst, wie uniform sich der Meinungsbrei ausnimmt, der uns im übrigen in den Medien präsentiert wird. Wie viele falsche Ansichten über das Leben und die Welt wir wie selbstverständlich übernommen haben, nur weil sie um uns her immer wiederholt werden.
Wichtige Take-Aways:
- Philosophie ist kein Schwafelfach mit von Autor zu Autor variierenden "Ergebnissen", aber auch keine Naturwissenschaft. Geisteswissenschaften haben ihre eigene Methodik, und trotzdem kann man zu objektiven, allemeingültigen Erkenntnissen gelangen.
- Das Denken ist das Überlebensinstrument des Menschen, so wie die Flügel das Überlebensinstrument eines Vogels sind. Wenn er überhaupt leben will (was wohl auf die meisten zutrifft), kann er mit Vorteil seinen Verstand gebrauchen, um zu überleben.
- Ein gutes Leitmotiv für menschliches Handeln ist das rationale Eigeninteresse. Diejenigen, die das rationale Eigeninteresse als böse, als Egoismus brandmarken, können selbst keine vernünftige Alternative bieten. Die Assoziation des rationalen Eigeninteresses mit Begriffen wie "Ellenbogengesellschaft" und "Rücksichtslosigkeit", ja "Lieblosigkeit" ist falsch. Andere auszustechen, zu behumpsen, zu übervorteilen, ist *nicht* im rationalen Eigeninteresse.
- Der Kollektivismus ist die grösste Gefahr für die Menschheit. "Du bist nichts, dein Volk ist alles", sagten die Nazis. So geht Kollektivismus. Immer wenn die Opferbereitschaft im Namen eines grösseren Kollektivs beschworen wird, stehen grosse Katastrophen ins Haus. Es war und ist so bei den roten und braunen Sozialisten (allein die Projekte der roten Sozialisten forderten 100 Millionen Todesopfer), es ist auch so mit dem Islam (seit 622 rund 270 Millionen Todesopfer, ein Ende der weltweiten Islamisierung ist nicht abzusehen - im Gegenteil).
- Dagegen ist es umso besser um eine Gesellschaft bestellt, sie blüht umso mehr auf, je mehr sie die unveräusserlichen Grundrechte jedes einzelnen Menschen - "life, liberty and the pursuit of happiness" - garantiert und sich ansonsten nicht einmischt.
- Zwar lässt sich der freie Wille in einem strengen Sinne weder beweisen noch widerlegen: Unser individuelles Erleben spricht aber stark dafür, dass es ihn gibt. Es ist seltsam, dass praktisch jeder, der als Intellektueller gelten möchte, sich irgendeine Art von Verleugnung des freien Willens zueigen macht. Der Mensch sei nicht wirklich frei, sondern nur ein Produkt seiner Gene, oder der Umwelt in der er aufwächst, ein Spiel der Neuronen oder was auch immer. Hauptsache nicht frei. Das ist verdächtig. In einer Angelegenheit, die weder beweisbar noch widerlegbar ist, wäre zu erwarten, dass es 50% Gegner und 50% Anhänger des freien Willens gibt. Eigentlich müsste es sogar viel mehr Anhänger geben, angesichts der starken individuellen Erfahrung des freien Willens. Warum kommen in unserer Gesellschaft auf 99 Gegner ein Bejaher?
- Es ist ungesund, sich als "Staubkorn im Universum" oder als Wurm, als Tier wie jedes andere zu empfinden. Es macht mehr Spass, ist gesünder und nicht weniger wahr, sich als Krone der Schöpfung bzw.Evolution zu fühlen! In der Tat haben Menschen Eigenschaften, die sie gegenüber allen Tieren weit überlegen machen. Nur ein selbstbewusster Mensch wird die Gaben, mit denen er als Mensch ausgestattet ist, optimal entfalten.
Andreas Müler hat nach längerem Suchen seine geistige Heimat im Objektivismus gefunden, einer Philosophie, die auf die russischstämmige Philosophin Ayn Rand zurückgeht. Auf ihr Hauptwerk "Atlas Shrugged", in dem sie ihre Philosophie in Romanform darlegt, bin ich durch ihn aufmerksam geworden und habe es mit Gewinn gelesen.
Was wir noch erfahren in "Der Westen - ein Nachruf": Warum Rousseau einer der grossen Antiaufklärer war und dass bereits Voltaire dies erkannt und seine Ideen der Lächerlichkeit preisgegeben hatte: "Man bekommt Lust, auf vier Pfoten zu laufen, wenn man Ihr Werk liest". Rousseaus Antirationalismus, seine Verkitschung des Urzustandes der Menschheit, die Mär vom "Edlen Wilden", haben bis heute ihre schädlichen Auswirkungen.
Wir schauen detaillierter in die Hintergründe der "Occupy Wall Street" Bewegung hinein und werden in dem bestätigt, was wir bereits vermuten mussten: dass die OWS-Bewegung aus gelangweilten Wohlstands-Kids besteht, die ein bisschen Rabatz machen wollen und den Kopf voller sozialistischer und anarchistischer Flausen haben. Sie kommen aus Haushalten mit 305'000 $ Einkommen, der Landesdurchschnitt sind 185'000 $ - *sie* sind das eine Prozent, das aus Scham, zu dem einen Prozent zu gehören, eine antikapitalistische Show abzieht. Sie sind das eine Prozent, das später selbst Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft besetzen wird.
Wir erfahren, dass Aktivisten immer irgendeine Zielgruppe brauchen, die sie zum Opfer hochstilisieren, um ihr heldenhaftes Robin-Hood-Dasein ausleben zu können. Im Feminismus sind das z.B. die Frauen; viele fahren aber auch heute noch auf Rousseaus "Edlen Wilden" ab, so dass archaische Kulte plötzlich unerwartete Fürsprecher bekommen, um ihre Hobbies weiter betreiben zu können (z.B. Steinigung vergewaltigter Frauen, Sexualverstümmlung von Kindern usw.). Wobei wir erkennen dürfen, dass der politische Islam für die Kommunisten nur ein Bundesgenosse für den Sturz des Kapitalismus ist, Moslems also nützliche Idioten für ihre Ziele sind. Wieder Andere haben sich die Tiere als Opfergruppe gewählt - eine insofern dankbare Gruppe, da diese niemals dagegen protestieren kann, zum blossen Opfer reduziert zu werden.
Wir erfahren, dass der Sinn von Bestrafung in der Vergeltung, im Kausalitätsprinzip liegt. Das heisst nicht "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (das wäre im einzelnen absurd), aber es heisst: "a) die Folgen eines Verbrechens in Hinblick auf das Opfer korrigieren, wo das möglich ist (wie die Auffindung von Eigentum und dessen Rückgabe an das Opfer), b) dem Täter Schranken setzen... c) die Strafe im Gesamtzusammenhang aller rechtlich strafbaren Verbrechen dem Verbrechen angemessen gestalten." (Ayn Rand)
Wir lernen auch von Gott persönlich - einem von Müllers Gast-Autoren - welche Teile der Bibel er heute eher nicht mehr so schreiben würde (das mit dem Aufruf zum Völkermord an den Kanaaniten und zur Steinigung von ungezogenen Kindern, Esoterikern und Homosexuellen ist ihm heute eher peinlich), dass man aber sein Werk trotzdem nicht in Bausch und Bogen verwerfen solle, denn es gäbe eine Reihe von Passagen darin, auf die er heute noch sehr stolz ist. Zu Recht!