Der uralte Rhythmus einer indischen Tabla-Trommel, ein Menschenmeer, der Geruch von Henna und faulem Fisch -- tausend Eindrücke schwappen dem Neuankömmling entgegen. Als Kundschafter der englischen Krone soll Richard Francis Burton in der Kolonie Britisch-Indien dienen. Für den wissensdurstigen Burton ist dies eine verlockende Aufgabe. Doch aus Neugierde erwächst bald eine regelrechte Obsession, das Fremde zu enträtseln und darin aufzugehen.
So spannend Ilija Trojanows Roman Der Weltensammler beginnt, so spannend geht es weiter: Einen Brahmanen fleht Burton an, sein Lehrer zu sein. Binnen kurzem ist er in der Lage, Tradition und Sprache wie Kleider an- und abzulegen. Als ein englischer General Burtons Wandlungsfähigkeit erkennt, schickt er ihn als Spion unter die Einheimischen. Burton jedoch geht eigene Wege: Von Indien aus reist er nach Arabien, wo er sich als Moslem ausgibt und die Hadsch, die Pilgerreise beginnt. Vom Strudel der Pilger lässt sich Burton treiben, sucht die heiligen Orte Medinas auf und erreicht völlig ausgezehrt Mekka. Wunderbares und Schreckliches gräbt sich tief in sein Gedächtnis ein. Aber auch dieser Fleck Erde kann den Rastlosen nicht halten, der längst ein neues Ziel vor Augen hat -- die Suche nach der Quelle des Nils in Ostafrika.
In drei Etappen und aus der Perspektive vieler Figuren erzählt, nähert sich Trojanow einem außergewöhnlichen Menschen. Dabei spielt er mit Fiktion und Realität, denn Der Weltensammler Burton lebte tatsächlich zwischen 1821 und 1890. Trojanow selbst hat eine Vita, die ihn von Bulgarien nach Deutschland, Kenia, Indien, Arabien bis nach Südafrika führte. In den Reisereportagen An den inneren Ufern Indiens und Zu den heiligen Quellen des Islam verarbeitete er als scharfer Beobachter eigene Erfahrungen. Kein Wunder also, dass Der Weltensammler ein so gelungener historischer Roman geworden ist. --Fenja Wambold
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
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»Der Roman wurde zum Kultbuch und Bestseller: 400.000 Exemplare der deutschen Ausgabe sind verkauft, Übersetzungen gibt es bisher in 20 Sprachen.«
Kurier 17.06.2008»… ein historischer Roman, der so spannend und intelligent, so farbenprächtig und reflexiv zugleich ist, dass er seinesgleichen sucht.«
Karl-Markus Gauss, Süddeutschen Zeitung »Eines der interessantesten Bücher der letzten Jahre.«
Hans-Peter Kunisch, Literaturen »Die deutsche Literatur ist zu dünnblütig? Es fehlen ihr farbige Figuren? Ach was. Wofür haben wir Autoren mit Migrationshintergrund? Damit sie von Ländern jenseits unserer Fußgängerzonen und von anderen Bräuchen als unserer Kehrwoche künden. Trojanow ist genau der Richtige für den Job: Geboren in Sofia, nach Deutschland geflüchtet, in Kenia aufgewachsen, hat er einen etwas weiteren Horizont als der durchschnittliche Absolvent unserer Literaturinstitute. Dieser Weltenbummler hat seine ganze Rastlosigkeit in das pralle Porträt des englischen Abenteurers Richard Burton gepackt. Hoffentlich widersteht der Weltensammler Trojanow allen Integrationsbeauftragten und schreibt weiterhin deutsche Prosa wie aus einer anderen Welt.«
stern 23.08.2007»Iljia Trojanows Roman ist daher manches: ein Fest für die Sinne zuallererst, ein Abenteuerroman sodann, eine Sehnsuchtsreise ins 19. Jahrhundert und also in eine Zeit, als das Fremde vielleicht für den Bruchteil eines historischen Augenblicks für einige wenige alles Bedrohliche abzustreifen vermocht hatte, und es ist – nicht zuletzt, aber vor allem – eine kluge, sensible, betörende, ja hinreißende Darstellung des ebenso beglückenden wie manchmal bestürzenden Zusammenpralls der Kulturen.«
Roman Bucheli, Neuen Zürcher Zeitung»Er hat Burton mit allen Sinnen erforscht wie einen fremden, schönen Kontinent, und ihm sein Geheimnis doch belassen. Bei aller Identifikation des Weltenbummlers – so unser gängiges, harmloses Wort für den Neologismus des Titels – aber bleibt die Figur Burtons ein Rätsel, eine Welt für sich, deren Karte immer wieder umschrieben werden muß.«
Richard Kämmerlings, Frankfurter Allgemeinen Zeitung»Durch das Raffinement dieses perspektivistischen Erzählens gelingt es Trojanow, sowohl ein schillerndes Bild Indiens, Arabiens und Ostafrikas zu geben, gesehen mit den Augen des getriebenen Europäers, als auch den Charakter, das Streben dieses exzentrischen Engländers aus der Perspektive von Indern, Arabern, Afrikanern zu deuten.«
Karl-Markus Gauß, Süddeutschen Zeitung »Denn bei aller Abenteuerlichkeit und Weltensammlerei geht es im Kern um jenen unendlichen und gerade heute höchst aktuellen Dialog über Fremdheit und Fremde. Dem hat Ilija Trojanow in seinem großartigen, Epochen und Kulturen umspannenden Roman eine authentische, moderne und polyfone Stimme gegeben.«
Tobias Gohlis, Die Zeit»Und trotz dieser, wie man meinen könnte, denkbar anschaulichen Kulisse stehen im Mittelpunkt des ›Weltensammlers‹ eben nicht Lust und Leid eines großen Reisenden, sondern wird an dessen Beispiel ein ungleich abstrakteres, sozusagen ein Meta-Thema durchgeführt: die Frage nach dem Fremdsein und den Möglichkeiten der Annäherung an eine zunächst fremde Welt, zumal in imperialistischen Zeiten.«
Hilal Sezgin, Frankfurter Rundschau»Ein Abenteuerbuch, das einen mitnimmt und seine Faszination für den Mann großzügig mit dem Leser teilt. Was es so besonders macht, das ist allerdings nicht bloß sein Held, es ist vor allem Trojanows raffinierte Porträttechnik. Er schlüpft nicht einfach in Burtons Haut. Er inszeniert drei Teile des Romans … als einen unmittelbaren Dialog zweier Perspektiven.«
Peter Körte, Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung