"Room at the Top" - "Der Weg nach oben" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romanes von John Braine.
Joe Lampton, aus einfachen Verhältnissen stammend, hat schnell erkannt, daß ein Mann seiner Schicht im Nachkriegsengland trotz Intelligenz, Ehrgeiz, Fleiß und Kompetenz im Beruf nicht sehr weit kommen kann.
Ein geregeltes Einkommen reicht ihm nicht aus, nach oben, nach ganz oben will er, in die feine und reiche Gesellschaft der Kleinstadt, und dazu sieht er nur einen Weg, nämlich Susan, die Tochter seines Chefs, zu heiraten.
Natürlich wollen deren Eltern sie lieber mit einem "standesgemäßeren" Mann zusammensehen und versuchen, die sich anbahnende Romanze zu verhindern, aber der gutaussehende Joe, der seinen Charme ebenso gezielt wie manipulativ einzusetzen versteht, schafft es, daß Susan sich gegen alle Widerstände der Eltern in ihn verliebt.
Auf intellektueller und erotischer Ebene kann er mit dem zwar hübschen, aber etwas naiven jungen Mädchen allerdings nicht viel anfangen.
Menschliche Nähe und Verständnis findet er stattdessen bei der deutlich älteren, unglücklich verheirateten Alice.
Aus der Freundschaft wird schnell zunächst eine leidenschaftliche Affäre und dann eine echte, gegenseitige Liebe.
Joe ist hin- und hergerissen zwischen seinen gesellschaftlichen Ambitionen und der Liebe zu Alice.
Als Susan ungewollt schwanger wird, kommt es zur Katastrophe...
Die Hauptrolle ist mit "Oscarmacher" Laurence Harvey, dessen hiesige Partnerin Simone Signoret ebenso wie Elizabeth Taylor (Butterfield 8), Julie Christie (Darling) und Genevieve Page (Sommer und Rauch) an seiner Seite eine Oscarnominierung erspielte, perfekt besetzt.
Der Film ist meiner Meinung nach neben dem "Manchurian Kandidat", "Der Menschen Hörigkeit" und "Frühstück in der Todeszelle" einer der besten des leider viel zu jung verstorbenen, stark unterbewerteten Charakterdarstellers.
Für 1959 ist der Film bemerkenswert freizügig in seiner Darstellung sexueller Beziehungen, insbesondere in Bezug auf die Beziehung Joes mit der verheirateten und deutlich älteren Alice.
Ferner besticht der Film durch athmosphärische Dichte, die schöne Schwarzweiß-Kameraarbeit, stimmige, jazzige Musik und eine sehr pointierte Darstellung des Klassensystems im Nachkriegsengland.
Bei der Oscarverleihung 1960 stand der Film leider etwas im Schatten des übermächtigen "Ben Hur" und konnte bei sechs Nominierungen nur zwei der begehrten Akademiepreise (für Hauptdarstellerin Simone Signoret und das Drehbuch) gewinnen, während Laurence Harvey (einziger jemals nominierter litauischer Darsteller) und seine langjährige, über 20 Jahre ältere Lebensgefährtin Hermione Baddeley in einer Nebenrolle leider leer ausgingen.
1965 wurde ein nur wenig erfolgreiches Sequel unter dem Titel "Life at the Top" gedreht, ebenfalls mit Laurence Harvey als Joe, aber mit Jean Simmons als seine Ehefrau.