Im Jahre 1967 noch einen Western zu drehen, in dem der Treck einer Gruppe Siedler nach Oregon in epischer Breit glorifiziert wird, ist definitiv keine Pionierleistung, sondern eher ein routiniertes Abfahren einer bereits stark befestigten Strecke – die zudem einen Gutteil ihrer ursprünglichen Anziehungskraft verloren hat. Gegen Ende der 60er Jahre hatte der italienische Western, ob nun in der bewundernd-augenzwinkernden Manier eines Sergio Leone oder im Gewande des seelenlosen Fließbandzynismus geringerer Regisseure, die Werte und Normen des klassischen amerikanischen Westerns gehörig durchlöchert, und auch in Amerika begann nun die Zeit des Spätwesterns, die, etwa bei Peckinpah, eine wehmütig stimmende Mischung aus Pessimismus und Nostalgie, gewürzt mit einer an neuen Sehgewohnheiten und Erwartungen orientierten gehörigen Portion Brutalität, im Genre etablierte. Hier mußte nun der Versuch Andrew V. McLaglens, mit „The Way West“ einen Edelwestern alten Stils zu drehen, zumindest anachronistisch, wenn nicht gar befremdlich auf die Zeitgenossen wirken.
Der Film spielt im Jahre 1843 und beginnt in Missouri, wo der verwitwete Ex-Senator Tadlock (Kirk Douglas) Vorkehrungen trifft, einen Siedlertreck nach Oregon zu organisieren. Zu diesem Zweck heuert er den mittlerweile gealterten und von Trauer um seine Frau gebeugten Scout Dick Summers (Robert Mitchum) an, da dieser als einer der besten Männer seines Schlages gilt. Im Verlaufe der Reise allerdings werden sich Summers und Tadlock wegen des rücksichtslosen Verhaltens, mit dem Letzterer die Siedler gen Oregon treibt, wobei er auch nicht davor zurückschreckt, Menschenleben zu opfern, mehr und mehr entzweien. Auch der Farmer Lije Evans (Richard Widmark) mag sich der Tyrannei des fühllosen Tadlock schließlich nicht mehr beugen, doch bald schon müssen die Siedler erkennen, daß ihre Überlebenschancen einzig und allein davon abhängen, daß sie sich zuammenraufen. Wie man unschwer erkennen kann, ein eher konservatives Denkmuster: Der Herrschaftsanspruch eines harten Mannes ist anzuerkennen, auch wenn es für den Einzelnen unbequem werden kann und Opfer gebracht werden müssen, da dieser Charismatiker zum einen eine Vision eines Amerikanischen Traums hat – die einer neu zu errichtenden Stadt, in der Kinder, mögen sie jetzt noch den Unbilden einer harten Reise ausgesetzt sein, dereinst unter einem Kristalldach spielen werden, wie der Film nicht müde wird zu betonen – und zum anderen als einziger in der Lage zu sein scheint, die Gemeinschaft auf diesem Weg voranzubringen. Interessanterweise paßt die „The Way West“ zugrunde liegende Situation ein wenig auf die Lage des damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson, der ein unermüdlicher Kämpfer für soziale Rechte, gleichzeitig aber ein ziemlich einschüchternder Mann war und zudem wegen seines Engagements im Vietnam-Krieg (ein Treck für „Freiheit“ und „Demokratie“) in die Kritik geriet. Aber das mag natürlich alles Zufall sein, denn McLaglens Filmen ist in der Regel eine eher konservative Grundhaltung gemein – v.a. wenn John Wayne mit von der Partie ist.
Dennoch ist „The Way West“ ein starker Western, wartet er doch mit einer Menge Konflikten auf, die – anders als in dem meiner Meinung nach völlig überschätzten „The Tall Men“ (1955) von Raoul Walsh – den Antagonismus zwischen Tadlock auf der einen und Summers und Evans auf der anderen Seite deutlich hervortreten lassen. Schon bei der Flußüberquerung wird dies deutlich, als nämlich einer der Siedler stirbt, und Tadlock die Begräbniszeremonie schnöde abkürzen möchte, um sich an seinen Zeitplan zu halten, womit er sich den Unwillen aller Siedler zuzieht. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß McLaglen, dessen Vater ein Stammschauspieler John Fords war, sich von Ford dahingehend beeinflussen ließ, daß ein Mann, der die Toten nicht ehrt, ein emotionales und moralisches Defizit haben müsse. Die Darstellung dieser Szene jedenfalls spricht Bände: Auf der einen Seite des Toten, hoch zu Roß und mit der Uhr in der Hand, finden wir Tadlock, auf der anderen Seite die Gemeinschaft der Siedler, demütig zu Fuß. Doch dann folgt etwas, das Tadlocks Rolle ambivalenter werden läßt, denn der Treckchef steigt vom Pferd, reißt dem Toten eine verborgene Geldkatze vom Leib und sagt, daß es die Gier gewesen sei, die ihn habe ertrinken lassen. Bei Licht betrachtet, ist Tadlock freilich immer noch hartherzig und selbstgerecht, zumal es ihm als reichem Mann recht leicht fallen dürfte, die Geldkatze verächtlich in den Fluß zu werfen. Die alttestamentarisch anmutende, nur einem einzigen Ziel verpflichtete Härte bleibt ein wesentlicher Teil des Charakters Tadlocks, ob er nun bereit ist, Lije Evans‘ Sohn als Sühne für den Tod des Kindes eines Häuptlings zu opfern oder zur Hinrichtung des wahren Schuldigen sein eigenes Kind die Trompete blasen läßt („I can’t, Dad!“ – „Sometimes even if you can’t, you must!“) So mutet es recht merkwürdig an, daß ausgerechnet Tadlock als d e r Träumer und d e r Gläubige an die besseren Seiten des Menschen – sein Credo „Worse than us have done better, Mr. Summers. We’re men, but a man’s nature is enormous. It contains both the great and the small. Even the meanest of us can be as large as this whole continent” hört sich fast wie Pico della Mirandolas “De hominis dignitate” an – so unduldsam gegen das allzu Menschliche wird, daß er nicht nur mit Grausamkeit, Strenge und Hinterlist seine Siedler vorantreibt, sondern Mrs. Evans (Lola Albright) als derjenigen, die seinen Traum von der neuen Stadt zu verstehen vermag, einen zuhöchst peinlichen Heiratsantrag macht, für den Fall, daß ihr Mann die Reise nicht überleben sollte. Diese Ausführungen zeigen schon, daß McLaglen ungleich mehr aus den Spannungen und Widersprüchen seiner Hauptfiguren macht als Walsh in „The Tall Men“.
Doch der Film vermag auch zu fesseln durch die Darstellung der Herausforderungen, die die Siedler zu bestehen haben – einige davon hausgemachte Probleme. Hier ist besonders die Tragödie zu nennen, die vom jungen Ehepaar Mack, das im Vorspann des Filmes in aller Eile getraut wird, verursacht wird. Da Amanda Mack (Katherine Justice) sich abweisend gegenüber den sexuellen Annäherungsversuchen ihres Mannes (Michael Witney) zeigt, hält dieser sich bei der jungen Mercy McBee (Sally Field) schadlos und beschwört dadurch ohne Absicht eine Kette verhängnisvoller Ereignisse über den Siedlertreck herauf. Abgesehen davon gilt es auch natürliche Unbilden zu bezwingen, vor denen sich die Siedler trotz innerer Spannungen zusammenschließen.
Sicherlich war 1967 kaum mehr das Jahr, in dem man aus voller Brust ein glänzendes Loblied auf die amerikanischen Pioniere singen konnte – immerhin zeichnet der Film die Indianer nicht als eine gesichtslose Masse blutrünstiger Wilder, sondern läßt sogar Sympathie für sie aufkommen –, aber trotz seiner im Grunde wenig kritischen, eher alten Mythen verpflichteten Haltung ist „The Way West“ ein spannender und nicht allzu plumper Edelwestern und bietet darüber hinaus mit der eindrucksvollen Arbeit des westernerprobten Kameramanns William H. Clothier stimmungsvolle Landschaftsbilder.