Wer etwas über Sufismus erfahren will, ist bei Annette Kaiser an der richtigen Adresse. In "Der Weg hat keinen Namen" erfährt der Leser eine Menge über Kaisers Leben, das eng mit ihrer Lehrerin, Irina Tweedie, verbunden ist. Wie im indischen Advaita oder in anderen mystischen Traditionen geht es bei den Sufis unter anderem darum zu erkennen, dass das Ich eine Illusion ist. Und das Leben, die Wahrheit, das Unveränderbare kommt laut Kaiser allmählich.
"Allmählich durchdringt es das Bewusstsein, so dass es die tragende Säule, das Tragende im Leben wird", schreibt die Schweizerin. "Die Wirklichkeit wird zur Gewissheit. Die Erscheinungswelt tanzt mit, aber der Mensch ist nicht mehr damit identifiziert, die Erscheinungswelt wird beobachtet als etwas, das wie eine Welle auf und niedergeht."
Annette Kaiser vertritt eine Sufi-Linie, die indische Wurzeln hat und in der auch Schattenarbeit und eine Art Geprächstherapie eine Rolle spielen. In "Der Weg hat keinen Namen" gibt es Querverweise zu christlichen Mystikerinnen, zum Taoismus, zum Buddhismus und zu Advaita. Deutlich wird: Alle mystischen Strömungen sind sich sehr ähnlich, alle verweisen auf das gleiche - die All-Einheit.