Die VissudhiMagga liefert eine tiefgründige, extrem detaillierte Darstellung des buddhistischen Lehrgebäudes in der Theravada-Tradition. Neulinge und Anfänger, die "nur ein bisschen meditieren wollen" sollten hiervon die Finger lassen. Wer die VM anfasst, muss alles über die Lehre wissen wollen. Wenn das der Fall ist, ist das Buch eine Goldgrube. Mit dem Lesen des Buches wächst das Gesamtverständnis über das buddhistische Lehrgebäude. Meditationstechnik und -methoden werden in aller Ausführlichkeit dargestellt. Man stellt fest, dass das, was andere Autoren in kleinen Ratgebern schreiben, nichts anderes ist, als das, was in der VM steht. Wenn Sie also beispielsweise Bücher über die Technik des Anapanasati lesen (Atmungsachtsamkeit), werden sie dort nur wenig finden, was nicht in der VM steht. Anleitungen zu den verschiedenen Techniken sind hier also bis ins Detail sehr ausführlich und umfassend beschrieben. Die VM ist insofern die "Grundlage" jedes Buches, was Sie über Theravada-Buddhismus lesen, denn es ist die umfangreichste Darstellung des Theravada und noch heute Basis des bekanntesten zur Zeit lebenden Theravada-Meisters in Burma (PaAuk Sayadaw), dessen eigenes Werk (the practice that leads to nibbana) absichtlich stark an die VM anknüpft.
Grob gliedert sich die VM in ein kurzes Kapitel über Sila, das mittlere Kapital über die Sammlung und das letzte Kapitel über das Wissen (panna). Somit wird der gesamte Erleuchtungsweg abgedeckt und detaillierte Anweisungen zum Weg ins Nibbana gegeben. Da das Werk knapp 900 Seiten hat und die Sprache nicht unseren heutigen, gängigen Formulierungen entspricht, ist es nicht einfach zu lesen, selbst für fortgeschrittene. Einige Kapitel muss man (musste ich) daher mehrmals lesen, um das entsprechende Verständnis zu erlangen.
Jedem, der echtes, tiefes Interesse an einer Geistesschulung im buddhistischen Sinne mit buddhistischen Techniken hat, kann man dieses Werk ans Herz legen. Alle anderen aber, die es weniger ernst meinen oder es mit anderen Techniken probieren wollen, sollten davon die Finger lassen, denn dazu ist es zu sehr "schwere Kost".
Dennoch ist die VM ein Klassiker unter den großen, grundlegenden Religionsliteraturen und insofern letztlich jedem zu empfehlen.