Auf der Suche nach neuem Lesestoff bin ich vor ein paar Wochen zufällig im wilden Wald der online-Auswahl zufällig auf den mir bislang unbekannten WEG DER KÖNIGE gestoßen.
Angespornt von den vielen lobenden Rezensionen, die den WEG wie Leuchtreklame säumen und freudig erregt über die Aussicht mich von Mr. Sanderson über die gewundenen Pfade des WEGES in eine völlig neue Fantasy- Welt fernab von Elfen, Zwergen und Orks führen zu lassen, habe ich mich dazu entschlossen dem Weg zu folgen.
Ob es sich gelohnt hat?
Ich würde sagen durchaus, allerdings nicht in dem Maß, dass ich den WEG noch einmal zurücklegen bzw. weiter folgen würde, denn obwohl ich unterwegs viele Merkwürdigkeiten gesehen und einige bizarre Leute getroffen habe, ist der WEG DER KÖNIGE vor allem andern zwei Dinge: Lang und anstrengend!
Lang, gut, hierzu muss ich glaube ich nicht viel sagen. Wer den ersten (!) Band seiner auf 10 Bände geplanten Buchreihe mit über 800 Seiten füllt, der hat einiges zu sagen. Und das hat Mr. Sanderson allerdings: über drei Haupt- und unzählige Nebencharktäre, seine völlig neue Welt, schön und fazinierend mit ihren fremdartigen Lebensformen und sturmumtosten Landschaften (für die gibt es übrigens 2 der vergebenen 3 Punkte!).
Und genau da ist eins der Probleme, oder vielmehr das was es so anstrengend gemacht hat, den Weg zurückzulegen: Sanderson sagt (oder vielmehr schreibt), aber er beschreibt nicht, er berichtet, aber er erklärt nicht.
Über weite Strecken des Buches entstand bei mir der Eindruck alleine und ohne Führer durch ein Museum für Naturkunde zu irren, in dem nicht nur ausschließlich bislang unbekannte Spezies ausgestellt werden, sondern in dem auch noch vergessen wurde, die Schaukästen zu beschriften und die Broschüren auszulegen!
Warum ist es zum Beispiel bei hochgeborenen Frauen Sitte, eine ihre Hände mit Handschuhen oder langen Ärmeln zu bedecken?
Woher kommen die Splitter?
Was ist ein Seelengießer?
Warum lesen und schreiben nur Frauen?
Was sind Sprengsel?
Was ist ein Nan?
Diese und noch viele Fragen mehr drängten sich mir beim Lesen immer und immer wieder auf. Aber nirgends gab es ein Wort der Erklärung!
Zu Beginn eines neuen Buches nehme ich solche Dinge hin, ja bin meistens sogar begeistert vom Neuen und Unbekannten, aber wenn so gar keine Erklärung kommt, weicht die Begeisterung doch irgendwann dem Frust.
Zeitweise habe ich sogar bezweifelt, tatsächlich den ERSTEN Band der Reihe in der Hand zu halten, bzw. mich zu fragen, ob ich vergessen habe, den Quellenband zu kaufen.
Leider ist Sandersons Stil auch sehr sachlich, so dass seine Geschichte über weite Teile mehr den Ton eines Fachartikels oder eines Sachbuchs hat, was – im Zusammenhang mit den zahlreichen fremdartigen, nicht näher erläuterten Begriffen – bei mir den Eindruck verstärkt hat, ein Werk für Fortgeschrittene zu lesen.
Aber nicht nur die Länge des WEGES hat mir Mühe bereitet, sondern auch seine Eintönigkeit. Ja, seine Eintönigkeit, denn eigentlich passiert unterwegs recht wenig.
Zwar werden die Hauptcharaktäre, Kaladin, Dalinar und Schalan eingehend beschrieben – ihr Denken, ihre Motivation, ihre Büder, Schwestern und allgemeinen Lebensumstände, aber keiner von ihnen tut irgendetwas Bedeutungsvolles.
Kaladin, der ehemalige tapfere Soldat, der nun als Sklave elend sein Leben fristet, hadert Seite um Seite mit seinem Schicksal und quält sich endlos mit Selbsthass und –vorwürfen.
Schalan indes versucht, bei einer gelehrten Prinzessin als Mündel unterzukommen – vorgeblich um etwas zu lernen – in Wirklichkeit aber, um sie zu berauben und der visionäre Dalinar versucht im bereits Jahre andauernden Stellungskrieg seinem jungen König zu dienen und die Stellung seiner Familie zu halten.
Es gibt viele, lange Dialoge, die zwar recht interessant zu lesen sind, aber zu nichts führen, wie z.b. die Unterhaltungen zwischen Kaladin und seiner Begleiterin, dem Windsprengsel Syl.
>>Kaladin, ich weiß was TOD bedeutet. Weshalb weiß ich das? Sprengsel sollten so etwas nicht wissen. Gestern wusste ich es noch nicht. Aber heute weiß ich es.<<
>>Du bist eben ein sehr merkwürdiges Sprengsel.<<
Auch hier leidet das Buch unter der doch sehr sachlichen und trockenen Schreibweise des Autors. Selten gelingt es einem der Charaktäre etwas zu sagen oder ausdrücken, dass den Leser tatsächlich berührt. So ist es mir nicht gelungen, einen der drei Hauptcharaktäre richtig ins Herz zu schließen oder auch nur mehr als ein wenig sympathisch zu finden.
(Ganz anders geht es mir übrigens bei Das Lied von Eis und Feuer; ich liebe Ned und Tyrion, ihr nicht auch?)
Kurzum, wer Spass an langen Wanderungen durch fremdartige Welten in verlässlicher, wenn auch ein wenig fader Gesellschaft hat, ist bei DER WEG DER KÖNIGE genau richtig.
Irgendwann werden sich auch gewiss die meilenweit von einander entfernten Handlungsstränge zusammen und der Weg sein Ziel finden. Ich persönlcih finde jedoch, dass beinahe 900 Seiten der guten Dinge ein wenig zu viel sind für eine Einleitung. Zudem haben mir nach der langen Wanderung die Füße ein wenig weh getan, daher denke ich, dass ich mich lieber wieder den epischen Schlachten von Mittelerde oder den Königslanden zuwenden werde.
In diesem Sinne....