"Spanien, 1575: Kurz vor seinem Tode verrät der Prior des Zisterzienserklosters Campodios dem jungen Bruder Vitus, dass dieser ein Findelkind ist. Der einzige Hinweis auf Vitus' Herkunft ist ein rotes Damasttuch mit seltsamem Wappen, in das der kleine Findling gewickelt war. Vitus macht sich auf die Suche nach seiner Herkunft und auf den Weg gen England, mit nicht viel mehr als ein paar Goldstücken, einem medizinischen Lehrbuch und chirurgischen Fachkenntnissen im Gepäck."
Hört sich ganz gut an, dachte ich, und legte mir dieses Buch von Wolf Serno zu. Der Prolog zog mich sofort in den Bann der Geschichte. Ein fulminanter Einstieg in die Geschichte des jungen Vitus. Dann jedoch gerät der Plot zusehends ins Stocken, landet der Protagonist auf seiner ersten Etappe doch sogleich im Kerker. Und man fragt sich nach 400 Seiten unwillkürlich, wieso dieses Buch eigentlich "Der Wanderchirurg" heißt.
Zugegeben, mit den Klassikern der historischen Literatur, wie etwa "Der Medicus" von Noah Gordon, oder Ken Follets "Säulen der Erde" sollte man Wolf Sernos Werk nicht vergleichen. Zu vorhersehbar ist die Geschichte, zu gekünstelt das Ende. Auch fehlt es dem Autor an erzählerischer Kraft, so dass das Mittelalter des Vitus von Campodios reichlich plakativ bleibt und die handelnden Figuren eher blass und unglaubwürdig erscheinen.
Trotzdem bleibt es ein alles in allem spannendes Buch, das leicht zu lesen und für lange Sonntagnachmittage auf dem Sofa allemal tauglich ist. Ob ich allerdings auch die Fortsetzung der Geschichte lesen werde, ist eher zweifelhaft.