Solange menschliche Gesellschaften immer wieder nach kurzer Zeit degenerieren und zu Diktaturen, gleich welcher Form mutieren, bleibt der Waldgänger aktuell und sein Gang ewig. Wer dieses Buch als Reaktion auf die Hitlerzeit begreift, denkt zu kurz. Die Diktaturen nach und vor Hitler waren nur Facetten ein- und desselben Kristalls: Bisher haben Diktatoren meist durch militärische Gewalt versucht, Macht zu erlangen, in der modernen Zeit verortet Jünger die Vermassung, Standardisierung und Berechnung des menschlichen Lebens als Keim einer neuen, allumfassenden Diktatur. Der Waldgänger ist keine Abrechnung mit der Vergangenheit, sondern eine Warnung an die Zukunft. Der Waldgänger ist ein Mensch, der den Spielregeln der Macht entsagt und nur für sich allein einsteht - ohne Sklaven und ohne Herren, eben kein Stimmvieh. Und er wird allen Diktaturen und braven Bürgern immer verhasst und unverstanden bleiben, am meisten den so genannten Herren Politikern und Sozialwissenschaftlern. Um Waldgänger zu sein, bedarf es Mutes - deshalb wird dieser in der deutschen Jammer- und Massenkultur wohl eher zu einer raren Spezies gehören. Wer aber in sich noch etwas Leben fühlt, sollte dieses Buch lesen.