Mein erster Gisa Klönne. 'Ich hab gedacht, ich fang von vorne an.
Es sind eigentlich viereinhalb Punkte.
Am Anfang tat ich mich schwer mit der sehr dichten, quasi hyperrealistischen Schreibweise, die auch noch kleinste Randwahrnehmungen der Personen mitteilt und wegen des zunächst nur zeitlupenartigen Vorankriechens der Handlung zäh wirkt. Auch in die Erzählweise im Präsens muß man sich erst einlesen. Zudem bekam ich am Anfang keinen Zugang zu der Ermittlerin und Hauptperson Judith Krieger, die (wie anscheinend alle Krimiermittler) partout kettenrauchend, saufend, schlecht gelaunt und depressiv durch die Welt kriecht und leider nie schlafen kann. Ich war dankbar, als sich dann in der Mitte klärte, wo ihr Problem liegt, und ich war auch dankbar über den langweilig stinknormalen "Nachwuchsermittler" Manni Korzilius, der ihr als Teampartner und Konkurrent vom Chef auf die Nase gesetzt wird. Richtig gerne habe ich das Buch erst in der zweiten Hälfte gelesen, aber es war insgesamt lohnend.
Zum Inhalt: Eklige Leiche wird auf Hochsitz im Bergischen Land gefunden. Die Figuren drumherum, die in der Ermittlung eine Rolle spielen: Ein "Aschram" mit diversen Daueraussteigern sowie saturierten Wohlstandsbürgern als Seminaristen ganz in der Nähe; eine reiche Frau, die ihren deutlich jüngeren Mann, einen beliebten Lehrer, vermisst; ein Mädel, das anscheinend von der Mutter eine Auszeit im Aschram verordnet bekommen hat, weil es eine Affäre mit ebendiesem Lehrer hatte; die Nachwuchs-Försterin, die von den Kollegen gemobbt wird, Angst nachts allein im Forsthaus hat und eine Vorgeschichte als Entwicklungshelferin in Afrika, wo nicht alles so lief, wie sie sich das vorgestellt hat. Die Figuren werden nach und nach immer plastischer gezeichnet. Wer der Täter war, ist für den Leser bei weitem nicht so überraschend wie für die Ermittler. Das macht aber nichts, hier ist eher der Weg das Ziel, als dass die Auflösung wahnsinnig überraschend sein muss. Es gibt immer wieder Thriller Elemente, insbesondere am Ende, wo zu einem Spannugs-Endspurt angesetzt wird, mit absehbarem Ausgang, aber es funktioniert trotzdem. Habe das Buch wegen der intelligenten Schreibe befriedigt zur Seite gelegt und werde bei Gelegenheit auch weitere aus der Reihe probieren.