Aus dem amerikanischen Raum kennt man diese Art des schreibens als shared world, als Beispiel sei hier die „Wildcards" Reihe genannt.
Mehrer Autoren schreiben in einer Welt und borgen sich die jeweiligen Figuren aus.
Im deutschsprachigen Raum ist mir ähnliches nicht bekannt.
Die Namen der Autoren sprechen für sich. Den regelmässigen Lesern der DSA-Romane sind sie ein Begriff, meist unter dem Satz, „das sind die, die wirklich schreiben können."
Ja so ist es.
Mit dieser auf 12 Teile angelegten Reihe wollen die Autoren den Schritt in den Mainstream Sektor wagen, auch wenn es immer noch Fantasy ist, was sie schreiben, sprechen sie doch eine viel grössere Käuferschicht an.
Während die ersten vier Bände der Reihe etwa zur gleichen Zeit in verschiedenen Gegenden der Welt spielen, werden sich die ihnen begonnen Handlungsstränge in den folgenden Romanen zu einer gemeinsamen Geschichte verdichten, die mit einer Fülle von Protagonisten einen Zeitraum von ca. 50 Jahren beschreiben wird. Die Romane sollen im Abstand von einem halben Jahr erscheinen. In Vorbereitung sind derzeit (nur Arbeitstitel):
Hadmar von Wieser: Himmlisches Feuer
Thomas Finn: Das Weltennetz
Karl-Heinz Witzko: Traumbeben
Klappe:
„Die Geschichte jener Walfängerin mit Namen Alessandra begann an einem Spätsommerabend im vierhundertachtundfünfzigsten Jahr der Abwesenheit Gottes. Und sie begann mit einem Blutbad..." So nimmt die Chronik der verlorenen Zeit ihren Anfang. Es ist die Chronik der Gezeitenwelt, einer Welt, die nach einem Asteroidenhagel aus den Fugen gerät... „
„Landstriche versinken im Meer, neue erheben sich daraus und bilden Landbrücken zwischen Regionen, die (zum Glück) bisher getrennt waren. Ganze Zivilisationen werden von einem Augenblick auf den anderen ausradiert und das Weltklima ändert sich drastisch. Zurück bleibt ein Chaos, das gezeichnet ist von Verteilungskämpfen, der Ungültigkeit der bisherigen Ordnung (und mitunter auch der Naturgesetze) und von Visionen über die Zukunft der Welt, die oft genug weder miteinander vereinbar noch erfreulich sind."
Die Welt:
Die Gezeitenwelt ist ein Ort, welcher der Erde im späten Mittelalter ähnelt, zumindest bis zu dem Zeitpunkt des Meteoriteneinschlags. Das ist der Tag an dem die Welt aus den Fugen gerät und nichts mehr so ist wie es war.
Von den wesentlichen Charakteristika ist es eine erdähnliche Welt, 365 Tage, 12 Monate, Mond und Sonne, Sommer und Winter und von Menschen beherrscht. Doch auch das ändert sich als die Welt aus den Fugen gerät. Alte Legenden sind plötzlich mehr als Legenden und Wesen mit denen man die Kinder erschreckte sind plötzlich real.
Ein wenig erinnert mich diese Welt und diese Zustände an das „Engel" Universum. Mystik und Reales verknüpfen sich zu einem dichten Gewebe.
Die Charaktere:
Hennen zeigt uns diese Welt aus vier Perspektiven. Da wäre eben jene Walfängerin, die durch einen Unfall zur Mörderin wird und der nichts übrig bleibt als vor den Mächten der Kirche zu fliehen.
Da ist der Indicator (Eine Art Inquisitor/Richter) der Kirche der versucht Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten und den einfachen Menschen das Leben zu ermöglichen.
Ein ehemaliger Offizier der Armee des Imperiums, das durch die Katastrophe zerstört ist, und der jetzt versucht die Macht an sich zu reissen.
Natürlich ist da auch die titelgebende Figur des Wahrträumers. Ein junger Schamane, der von seinem Volk verstossen wird. Gross ist die Kraft der Naturgeister in ihm, größer als in jedem anderen Schamanen vor ihm, denn ihm ist es bestimmt sein Volk in eine neue Welt zu führen.
Die Charaktere sind genial. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten, mal fühl man mit ihnen mit und hofft das sie Erfolg haben, manchmal denkt man sie sind unmöglich und steht ihnen ablehnend gegenüber. Eben lebendige und vielschichtige Personen.
Und wie ist es?
Bernhard Hennen fällt die nicht eben leichte Aufgabe zu diese Charaktere und die Welt als solche dem Leser nahezubringen. Und genau das tut er. Nach den ersten vier Kapiteln ist man schon hoffnungslos der Geschichte, der Welt verfallen.
Der Erzählstil ist atmosphärisch, dicht und absolut spannend. Man muss sich förmlich losreissen, wenn man etwas anderes tun will als Lesen, was manchmal zu Problemen führen kann.
Jetzt mal einen, den einzigen Kritikpunkt. Es sind nur 512 Seiten. Mano.
Oh es gibt noch einen zweiten, der nächste Band erscheint erst in einem halben Jahr. Mano!
Fazit:
„Das größte deutsche Fantasy-Epos, das jemals geschrieben wurde" sagt Wolfgang Hohlbein. Ich persönlich mag diesen Meister der Variation, der immer die selbe Geschichte im neuen Gewand erzählt nicht, aber wo er Recht hat, da hat er Recht.
Wer Fantasy mag, wer gute Geschichten mag, wer echte Charaktere und eine spannende dichte Welt mag, sollte es kaufen. Alle anderen holen sich besser das neue Telefonbuch.