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"Der Vulkan" spielt in den Emigrantenzentren früherer Tage: Zürich, Prag, New York und vor allem Paris. Mann beschreibt auf phantastische Weise die Schauplätze und ihre Atmosphäre. Die Geschichte wird aus der Sicht mehrerer Personen erzählt, die sich z.T. begegnen und kennen. Welche Wege die Personen nehmen, welche Tore sich für sie öffnen und welche Auswüchse die Belastung durch die Emigration annimmt, das ist so verschieden wie die Protagonisten es selbst sind. Schauspieler, Professoren, Bohemien, Studenten... und dennoch haben alle eine Gemeinsamkeit: Sie alle laufen einen Abgrund entlang, am Krater eines Vulkans.
Der Versuch, dem Leser die Emigration aus möglichst vielen Blickwinkeln und in allen Facetten nahe zu bringen, kann diesem Anspruch natürlich nicht gerecht werden. Dennoch gelingt es diesem Buch zu fesseln, zu rühren und betroffen zu machen.
Es wäre töricht zu behaupten, dass dieser Roman die heutigen Leser, die die damalige Zeit nicht selbst gekannt haben, die Emigration miterleben lässt. Und doch sind die Reaktionen während und nach dem Lesen diesselben: Bestürzung, Trauer, auch Freude, alles überschattet von der Last der Fremde; der Leser empfindet am Ende des Buches eine Art Erleichterung, Erlösung, und ist dennoch dankbar für diese Erfahrung.
Im Mittelpunkt des Romans steht Paris als Exilzentrum. Ausgehend davon erzählt Mann die verschiedenen Wege und Erlebnisse deutscher Exilanten. Sehr deutlich wird die anfängliche Hoffnung, daß diese Emigration nur ein kurzes Zwischenspiel sein wird und man bald nach Deutschland zurückkehren kann. Zunehmend aber richten sich die Figuren in ihrem Exil ein. Andere Figuren geben die Hoffnung auf, ersticken in ihrer Hilflosigkeit, bringen sich um oder verfallen der Drogensucht.
Klaus Mann gelingt es, das weite Spektrum der Exilanten darzustellen ohne sich in Oberflächlichkeiten zu verlieren. Er schildert die Politisierung der Emigranten, ihren Kampf um Deutschland und das ewige Gefühl des Wartens auf den großen Tag. Auch wenn keiner weiß, was das für ein Tag ist - der Tag der Befreiung oder der Tag der Rückkehr? Sie müssen erkennen, daß sich Deutschland verändert hat, daß sie nicht einfach so wieder zurückkehren werden können. Am Ende des Buches klingen auch die ersten Zweifel am Wunsch einer Heimkehr nach Deutschland an und das ist noch vor dem Krieg ... Die Angst vor einem Krieg wird immer beherrschender, die Exilanten spüren, daß sie sich am Rand eines Vulkanes befinden, der im Begriff ist auszubrechen.
Ein spannend geschriebenes, sehr ehrliches Buch. Befremdlich wirken manchmal seine Anwandlungen besonders künstlerisch schreiben zu wollen bzw. einige phantastische Sequenzen erscheinen etwas deplaziert. Abgesehen von diesen kurzen Phasen ein Buch, was einem das Lebensgefühl einer Epoche auf einfühlsame Art eindrucksvoll nahe bringt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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