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Der Vorleser [Blu-ray]

Sylvester Groth , Bruno Ganz , Stephen Daldry    Freigegeben ab 12 Jahren   Blu-ray
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (107 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Darsteller: Sylvester Groth, Bruno Ganz, Lena Olin, Ralph Fiennes, Kate Winslet
  • Regisseur(e): Stephen Daldry
  • Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Universum Film GmbH
  • Erscheinungstermin: 1. Juli 2011
  • Produktionsjahr: 2008
  • Spieldauer: 124 Minuten
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (107 Kundenrezensionen)
  • ASIN: B004XKBCSC
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 17.481 in Filme & TV (Siehe Top 100 in Filme & TV)

Rezensionen

Produktbeschreibungen

Sie ist rätselhaft und viel älter als er… und sie wird seine erste Leidenschaft. Eines Tages ist Hanna (Kate Winslet) spurlos verschwunden. Erst Jahre später trifft Michael (David Kross / Ralph Fiennes) sie wieder - als Angeklagte im Gerichtssaal. Hier erfährt er von ihrem persönlichen Schicksal und von ihrer grausamen Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Am Ende wird er sie durch seine nie verloren gegangene Zuneigung erlösen…
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Mit DER VORLESER hat der Oscar®-nominierte und mehrfach preisgekrönte Regisseur Stephen Daldry ("The Hours", "Billy Elliot") einen Weltbestseller verfilmt, der nach seinem Erscheinen 1995 inzwischen in 40 Sprachen übersetzt wurde und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Es ist die Verfilmung einer unmöglichen, sonderbaren und zugleich so intensiven Liebe, dass sie das Leben von zwei Menschen für alle Zeit miteinander verbindet. In den Hauptrollen brillieren Kate Winslet und Ralph Fiennes, die Titelrolle spielt der deutsche Shootingstar David Kross ("Krabat", "Knallhart"). Ergänzt wird dieses Ensemble durch so herausragende Darsteller wie Bruno Ganz, Lena Olin, Burghart Klaußner, Hannah Herzsprung, Karoline Herfurth, Matthias Habich und vielen anderen.

Der 15jährige Michael (DAVID KROSS) wächst in einer deutschen Provinzstadt auf. Es sind die 50er Jahre. Der Schatten des 2. Weltkriegs und der deutschen Greueltaten liegt über dem Land, doch kaum einer spricht darüber. Deutschland will in die Normalität zurückkehren. So wie in Michaels Familie Disziplin und Duldsamkeit die höchsten Werte sind, so funktioniert ganz Deutschland. Es wird gearbeitet und verdrängt.
Eines Tages, als Michael von der Schule in der Straßenbahn nach Hause fährt, wird ihm plötzlich übel. Schwindelig steigt er auf halber Strecke aus, torkelt in einen Hauseingang und übergibt sich dort. Eine Frau (KATE WINSLET) kümmert sich um ihn und bringt ihn nach Hause. Sie ist wortkarg, ein wenig ruppig fast, und dennoch fürsorglich. Es stellt sich heraus, dass Michael Scharlach hat. Mehrere Monate muss der Junge das Bett hüten, bis er sich mit einem Blumenstrauß bei seiner Helferin bedanken kann. Fast magisch wird er von der unbekannten Frau angezogen. Bei diesem zweiten Zusammentreffen knistert es zwischen Michael und der deutlich älteren Frau. Fast täglich besucht Michael nach der Schule nun Hanna und es entfesselt sich eine leidenschaftliche Affäre. Für Michael ist es seine erste Liebe. Und auch wenn Hanna sich um eine emotionale Distanz bemüht und ihren jungen Liebhaber beharrlich bloß "Junge" nennt, wird schnell deutlich, dass auch sie sich aufrichtig verliebt hat.
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Einen Sommer lang währt Michaels und Hannas unbeschwertes Glück. Hanna überrascht Michael mit einer unerwartet großen Leidenschaft für Bücher. Sie lässt sich von Michael vorlesen. Stundenlang. Von Homers "Odyssee" über D. H. Lawrences "Lady Chatterleys Liebhaber" bis zu Tim und Struppi-Comics. Michael entdeckt nicht, dass Hanna Analphabetin ist. Er glaubt, sie genieße es bloß, vorgelesen zu bekommen.
Eines Tages jedoch ist Hanna spurlos verschwunden. Ihre Wohnung ist leer. Es gibt keine Nachricht von ihr, keine Erklärung. Michael ist plötzlich wieder allein.
Einige Jahre später. Michael hat die provinzielle Enge hinter sich gelassen und hat Jura in Berlin studiert. Mit einer Arbeitsgruppe seines Professors (BRUNO GANZ) besucht Michael als Zuschauer einen Prozess, in dem sich fünf ehemalige Wärterinnen des KZs Auschwitz für ihre Taten verantworten müssen. Ihnen wird 300facher Mord vorgeworfen, da sie jüdische Häftlinge in einer verschlossenen Kirche erbarmungslos verbrennen ließen. Michael erstarrt, als er sieht, wer mit auf der Anklagebank sitzt: Hanna Schmitz, die Liebe seines Lebens!
Als Michael den Aussagen der einzigen Überlebenden (LENA OLIN) und ihrer Tochter (ALEXANDRA MARIA LARA) zuhört, kann er es nicht fassen. Als er dann Hannas erschreckend pragmatische und kühle Schilderung der Vorgänge hört, bricht ihm das Herz. Hanna scheint sich keiner Schuld bewusst. Sie hat einfach nur getan, was man ihr sagte. Sie wirkt völlig erschöpft, gefühllos, aufrichtig ahnungslos, was für eine unfassbare Schuld sie auf sich geladen hat.
Für die Menschen im Gerichtssaal ist Hanna Schmitz ein Monster. Doch Michael ist hin- und hergerissen zwischen seiner Abscheu und seinem Entsetzen über Hannas Taten und die große Liebe, die er einst für diese Frau empfunden hat - und scheinbar immer noch fühlt. Dann nimmt der Prozess eine Wendung, die Michael endgültig aus der Bahn wirft: Während alle anderen Angeklagten die Taten leugnen, gibt Hanna ehrlich Auskunft über die furchtbaren Ereignisse. Die vier anderen angeklagten ehemaligen KZ-Wärterinnen beschuldigen Hanna nun, die befehlshabende Wärterin gewesen zu sein und somit die Hauptschuld zu tragen. Hanna soll es gewesen sein, die ein besonders belastendes Dokument geschrieben hat. Als der Richter (BURKHART KLAUßNER) Hanna mit dem Vorwurf konfrontiert und eine Schriftprobe von ihr verlangt, gerät sie in Panik. Das ist der Moment in dem Michael die Augen aufgehen: Hanna ist Analphabetin. Und sie schämt sich so sehr dafür, dass sie nach kurzem Zögern alle Schuld auf sich nimmt. Ihre Mit-Angeklagten kommen somit als Beihelferinnen mit etwas mehr als vier Jahren Haft davon, während Hanna zu Lebenslänglich verurteilt wird. Michael steht unter Schock. Einen Besuchstermin bei Hanna im Gefängnis, den er beantragt hat, lässt er im letzten Moment verstreichen.
Einzig Professor Rohl ahnt, dass hinter Michaels Verhalten mehr stecken muss, als die bloße Erschütterung über die im Prozess beschrieben Taten.
Die Erinnerung an Hanna und seine ambivalenten Gefühle ihr gegenüber verfolgen Michael über viele Jahre. Sie sind schmerzlich und überschatten all seine Beziehungen zu anderen Menschen. Um sich Klarheit zu verschaffen, besucht Michael die Gedenkstätte in Auschwitz und versucht sich vor Augen zu führen, was die Frau, die er liebte, hier getan hat. Für Michael führt kein Weg zurück. Und doch empfindet er noch immer so viel Liebe für Hanna, dass er ihr einen Kassettenrekorder ins Gefängnis schickt und auch regelmäßig Kassetten, auf denen er ihr ganze Bücher vorliest. Hanna findet darin Halt. Allmählich beginnt die gealterte Frau sich anhand der Kassetten und der entsprechenden Bücher aus der Gefängnisbibliothek Lesen und Schreiben beizubringen. Nach Jahren schreibt sie Michael einen ersten kurzen Brief. Er antwortet ihr nicht. Auch auf keinen der weiteren Briefe.
Eines Tages bekommt Michael einen Anruf aus dem Gefängnis. Eine Sozialarbeiterin teilt ihm mit, dass Hanna nach über 20 Jahren entlassen wird. Er sei ihr einziger Kontakt zur Außenwelt. Wenn er ihr nicht hilft, eine Wohnung und eine Arbeit zu finden und in der ihr fremden Welt zurecht zu kommen, hat sie keine reelle Chance auf einen Neubeginn in Freiheit. Michael fühlt den alten Konflikt in sich. Dennoch besucht er Hanna im Gefängnis. Es ist ein Zusammentreffen nach über 30 Jahren, vor dem beide sich fürchten. Für beide wird das Wiedersehen zu einer Begegnung mit unerwarteten Konsequenzen...


Pressezitate

  • „Die sensible Inszenierung und die fantastischen Darsteller machen diese Liebesgeschichte zu einem unvergesslichen Film - in jeder Hinsicht.“ - CINEMA
  • „Der Film brilliert mit der entsprechenden prominenten Besetzung durch Kate Winslet und Ralph Fiennes. Ein Stoff, der sich mit der immer aktuellen Verarbeitung von Schuld und Vergebung beschäftigt und nicht zuletzt zur deutschen Vergangenheitsbewältigung beiträgt.“ - Blickpunkt: Film
  • „Vor dem Angucken bitte Taschentücher bereithalten! Denn dieses wunderbare Liebesdrama mit der fabelhaften Kate Winslet geht einfach zu Herzen und rührt zu Tränen.“ - Bild Zeitung

Bonusmaterial

  • Audiokommentar von Henning Molfenter (Produzent)
  • Entfernte Szenen
  • Featurettes (Making of, Gespräch mit David Kross und Stephen Daldry, Kate Winslet über die Darstellung der älter werdendem Hanna Schmitz, Portrait des Komponisten Nico Muhly, Produktionsdesignerin Brigitte Broch über die „Darstellung der Vergangenheit“)
  • Die Dreharbeiten in Görlitz

Produktbeschreibungen

Sie ist rätselhaft und viel älter als er... und sie wird seine erste Leidenschaft. Eines Tages ist Hanna (Kate Winslet) spurlos verschwunden. Erst Jahre später trifft Michael (David Kross / Ralph Fiennes) sie wieder - als Angeklagte im Gerichtssaal. Hier erfährt er von ihrem persönlichen Schicksal und von ihrer grausamen Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Am Ende wird er sie durch seine nie verloren gegangene

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45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der 16 jährige Michael Berg beginnt eine Affäre mit der 35 jährigen Hanna Schmitz. Im Verlauf des Films der in drei Zeitebenen eingeteilt ist, erfährt Michael bei einem Gerichtsprozess, dass Hanna eine ehemalige SS- Wärterin ist.
Plötzlich sind für ihn Themen wie "Schuld, Sühne, Absolution", die eine ganze Nation heute noch bewegen recht greifbar und persönlich. Muss er doch eine Frau verurteilen, die er einst geliebt hat. Der Grad zwischen Moral und Gesetz ist schmal. Der Unterschied zwischen Verständnis und Verstehen ist kaum zu erkennen.

Mit großer Spannung hab ich die Verfilmung eines meiner Lieblingsbücher erwartet.
Bernhard Schlinks Vorleser beginnt als Liebesgeschichte, die man als Parabel bzw. Metapher für die letzten zwei drittel der Geschichte nehmen kann.
Das sexuelle Erwachen eines Kindes als Symbol des erwachenden Schuldbewusstseins eines Volkes?
Analphabetismus als Symbol der Unmündigkeit?
Der Roman ist eine relativ komplexe und metaphorische Vorlage, die das Thema "Schuld" ausführlich aber nicht absolut behandelt.
Positiv ist, dass es trotz des ernsten Themas sehr "menschelt". Die Geschichte selbst um den Protagonisten ist sehr ergreifend und scheut auch nicht davor unterhaltend zu sein.
Man kann den Film auch "nur" als ruhiges Drama sehen.

Die Umsetzung als Film war von vornherein schwierig, da der Roman aus der Ich- Perspektive erzählt wird und es sich um einen sehr reflektierenden Erzähler handelt. Ständig gibt es (Selbst)Analysierende Abschnitte, die sprachlich sehr dicht sind. Da der Film keine Off- Stimme benutzt, bleibt der Film vieles schuldig. Die Bilder allein schaffen nicht, die Stärken der Vorlage auszudrücken. Dafür handelt Regisseur Daldry den Film zu konventionell ab.
Größtes Manko der Umsetzung ist daher, dass der Protagonist zu konturlos bleibt. Dabei ist dem Zuschauer doch gerade sein Urteil, seine Sichtweise wichtig. Leider versagt der Film hier und nimmt dem Film damit die Tiefgründigkeit des Buches. Im Buch wird das Thema "Schuld" auf eine ganz persönliche Ebene gebracht und durch die Augen des Erzählers gesehen. Der Film behandelt das Thema eher allgemein und macht sich dadurch angreifbar.
Das und einige unmotiviert anmutende Einschübe wie der Besuch im KZ (der wie ein Fremdkörper im Film wirkt) oder die etwas kitschige Metapher der Teedose am Schluss lassen einen leicht bitteren Nachgeschmack. Man hat den Eindruck auch hier geistert der Hollywood- Postkartenholocaust und verordnete Betroffenheit durch die Produktion.

Auch wenn ich zunächst überhaupt nicht mit Kate Winslet einverstanden war als Hanna Schmitz, so hat der Film mich eines besseren belehrt. Sie hat ihren Oscar wirklich verdient. David Kross steht ihr in nichts nach. Der Film ist bis in die Nebenrollen mit Ralph Fiennes, Lena Olin und Bruno Ganz hervorragend besetzt.

Ich hätte mir gewünscht der Film hätte sich für die erste Zeitebene, die Liebesgeschichte mehr Zeit genommen. Hätte Michael ausführlicher in seiner Umgebung gezeigt und nicht nur mit Hanna. Dennoch hat der Film hier seine großen Stärken, wenn er die Beziehung zwischen den beiden beinahe Wortlos zeigt.
Der zweite Teil der Gerichtsprozess ist ebenfalls sehr gelungen und beinhaltet die eindringlichste Szene, als Hanna verzweifelt versucht ihre Lebenslüge aufrecht zu erhalten.
Ab dem dritten Teil beginnt der Film zu schwächeln und kann seine Längen nicht mehr verbergen. Hier hätte man einige male die Schere ansetzen können. Dabei fällt auch der dünne Soundtrack auf. Der Film verliert sich in sentimentalem Schweigen und Oberflächlichkeit.
Mit dem Schluss und der Geschichte um Michaels Tochter schießt der Regisseur dann endgültig übers Ziel hinaus. Sicherlich kann ich die gute Absicht und das Generationen- Thema dahinter verstehen, aber das Ende wirkt aufgesetzt und ebenfalls wie ein Fremdkörper.

Der Film versteht zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen (wie immer bei diesem Thema wird sicherlich kontrovers diskutiert werden).
Wenn man die Vorlage kennt bietet der Film zwar kaum neue Sichtweisen auf das Thema, da sich der Film aber dennoch sehr stark am Buch orientiert und die Schauspieler hervorragend agieren, kann ich den Film nur jedem ans Herz legen.

Allein schon wegen Kate Winslets Leistung lohnt es sich den Film anzuschauen.

Ich weiß nicht, ob ein anderer Regisseur der Vorlage oder dem Thema hätte mehr gerecht werden können. Enttäuscht hat mich der Film nicht. Zum Meisterwerk reicht es allerdings auch nicht.
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43 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Was hätten Sie denn getan? 9. September 2009
Format:DVD
fragt Hanna den Richter, als es im Prozess um die Frage der Schuld bei der Selektion von Todgeweihten im KZ geht. Eine Frage die einem ratlos zurück lässt und den Fokus auf die ganzen Facetten und Grautöne von Schuld, Sühne, Recht und Unrecht im Umfeld des Holocaust richtet. Ein absolut sehenswertes Meisterwerk, für alle die sich die Fähigkeit bewahrt haben die Aufmerksamskeitsspanne über 20 Minuten aufrecht erhalten zu können. Eine überaus brillante Kate Winslet, lässt einem teilhaben an der Fähigkeit des Menschen, selbst dann noch ein quasi "normales" Leben zu führen, auch wenn man die tiefsten Abgründe der menschlichen Handelns gesehen und möglicherweise selbt verantwortet hat. Die Gerichtsszene von Kate Winslet ist einer der besten schauspielerischen Leistungen die ich je gesehen habe. Ein erschütternder, leiser und intensiver Film, mit hervorragenden Schauspielern und einfühlsamen Bildern, der einem ausserordentlich nachdenklich werden lässt und den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Bestes Kino jenseits des Hollywood-Mainstreams und des unerträglichen Fernsehmülls der sich allabendlich über einem ergiesst.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mike
Format:DVD
Eine Geschichte um das sexuelle Erwachen eines 15-Jährigen und seine erste Liebe zu einer deutlich älteren Frau. Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Prozess gegen die Aufseherinnen in einem KZ. Und der innere, viele Jahre dauernde Kampf eines erwachsenen Mannes, das Trauma seiner ersten Liebe aufzuarbeiten. All das beinhaltet Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser", der 1995 erschienen ist. International fand Schlinks Werk nicht nur wegen des sprachgewaltigen und präzisen Erzählstils Beachtung, sondern auch wegen des provokativen Inhalts: dem Tabuthema Liebe zu einem Minderjährigen und dem ungewöhnlichen Blick auf die Täter des Holocaust.

Zentrale Figur in "Der Vorleser" ist Michael Berg, aus dessen Blickwinkel der gesamte Roman geschrieben ist. Seine schüchterne Teenagerliebe zu der 36-jährigen Hanna Schmitz wird von Bernhard Schlink sehr poetisch und mit unglaublichem Einfühlungsvermögen in die pubertären Gefühlswirren in wunderschönen Worten geschildert. Über viele Monate hinweg dauert ihre Liebesbeziehung an, bei der Sex eine wesentliche Rolle spielt, und Hanna lässt sich von Michael - quasi als Vorspiel - immer aus Werken der Weltliteratur vorlesen. Doch eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden.

Viele Jahre später studiert Michael Jura und belegt ein Seminar, das einen Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen begleitet. Auf der Anklagebank findet er Hanna wieder und im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, dass auch im KZ junge Mädchen regelmäßig für Hanna aus Büchern vorlesen mussten. Michael, der seine Liebe zu Hanna und ihr plötzliches Verschwinden nicht überwunden hatte, ist wie traumatisiert. Seine Zerrissenheit zwischen der Erinnerung der ersten Liebe und den Eindrücken aus dem Prozess bestimmen fortan sein ganzes Leben. Und erst sehr spät findet er Erlösung und innere Distanz.

Regisseur Stephen Daldry ("Billy Elliot") brachte den Weltbestseller auf die Kinoleinwand. Und ich bin begeistert! Die Kritiken, die ich bislang zur Verfilmung gelesen habe, gehen sehr streng mit dem Werk ins Gericht und haben so manches daran auszusetzen. Dem kann ich nun so gar nicht zustimmen. Stephen Daldry hält sich - von ganz wenigen filmischen Freiheiten mal abgesehen - konsequent an Schlinks Vorlage. Die einfühlsame Umsetzung der Liebesbeziehung zwischen Michael und Hanna steht an Faszination und Ausdruckskraft dem Roman in nichts nach. Der Gerichtsprozessprozess und die Jahre danach und auch die Darstellung von Michael Bergs Gefühlen erschüttern einen im Film ebenso wie im Buch.

"Der Vorleser" ist bestimmt kein unbeschwertes Popcorn-Kino, aber ein großartiger Film. David Kross und Kate Winslet spielen grandios und zaubern im ersten Teil eine knisternde, erotische Spannung auf die Leinwand. Die außerordentlich freizügigen Sexszenen überraschen für eine US-amerikanische Produktion. Die Amis scheinen sich daran nicht gestoßen zu haben, denn Kate Winslet bekam den Oscar für ihre Darstellung. Der Film war außerdem für 4 weitere Oscars nominiert, für Regie, Drehbuch, Kamera und als bester Film - und das hat er auch wirklich verdient. Umso mehr verwundert das kritische Pressefeedback in Deutschland. Kann es sein, dass sich deutsche Journalisten bemüßigt fühlen, an dem Film einfach etwas Negatives finden zu müssen, um sich bequem von Bernhard Schlinks kontroverser Auseinandersetzung mit der Schuldfrage zur Judenvernichtung distanzieren zu können?
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