Wahrlich, ein Sklave des Magens zu sein, statt bei Tisch Wissen zu sammeln, heisst meiner Ansicht nach, als Mensch zu scheitern.
Bento Verana, Florentiner Kaufmann
Peter Elbing hat mit seinem Roman nicht nur die Lebensgeschichte seines Protagonisten "Ugo DiFonte" erfunden. Weder im Jahre 1534, noch davor oder danach hat es ein Tal, ein Herzogtum oder eine Stadt namens "Corsoli" gegeben. Weder dort, wo Toskana, Umbrien und die Marken zusammentreffen (Vorwort), noch in der etliche Kilometer noerdlich davon lokalisierten Romagna (Seite 298). Fuer sein Kunstprodukt "Der Vorkoster" nimmt der Autor Anleihen bei tatsaechlich historischen und geographischen Vorbildern, die er jeoch gnadenlos verbiegt. Waehrend seine "Treppe der Traenen" an Venedigs "Seufzerbruecke" erinnert, laesst er Federico da Montalfeltro, den Herzog von Urbino und Stadtherren der nordumbrischen Stadt Gubbio (die im Roman mehrmals als nahegelegenen erwähnt wird) zu seinem sadistisch-grausamen "Herzog von Corsoli" Federico Bassilione di Vincelli mutieren. Waehrend Giftmorde an unliebsamen Herrschern und Familienangehoerigen in einem von Machiavellis "Il Principe" gepraegten Zeitalter durchaus an der Tagesordnung waren (und die Anstellung von Vorkostern erforderlich machten), ist eine am herzoglichen Hof veranstatltete "Caccia", bei der Gefangene den Loewen zum Frass vorgeworfen werden, geradezu absurd. Eine "Schwarze Messe", deren Teilnehmer sich mittels ablecken einer Kroete in einen psychedelischen Rausch versetzen, ist in unseren Tagen in der kalifornischen Wahlheimat des Autors durchaus vorstellbar, fuer das Italien des 16. Jahrhunderts jedoch anachronistisch unreal. Die stellenweise vulgaere Sprache des Romans ist zwar fuer die in Deutschland als "Zeitalter des Grobianismus" bezeichnete Epoche angemessen, steht jedoch im krassen Gegensatz zu den damals verfeinerten italienischen Tischmanieren, die mit der Benutzung von Gabeln einen riesigen Fortschritt erzielten. Neben einer Hinterfragung des Sinns von Gebeten seitens des Protagonisten, erfaehrt der Leser noch, dass sich Ugos Tochter als Erfinderin von "prosciutto con melone" hervortat...
Die Geschichte des Bauernsohnes DiFonte, der zum herzoglichen Vorkoster und Hoefling avanciert, ist entgegen des Kommentars von "TV Today" (auf der letzten Seite des Buches) wenig witzig und spannend. Der kaum als historisch zu bezeichnende Roman ist aufgrund einiger unterhaltender Momente noch mit 2 Amazonsternen zu bewerten und kann, vor allem als Urlaubslekture, nicht empfohlen werden.