Soweit mir bekannt, hat Kundera neben seinem erzählerischen Werk vier essayistische Bücher zur Theorie des Romans geschrieben. "Der Vorhang" ist das dritte davon und, wie die anderen auch, gut lesbar und sehr anregend für die weitere eigene Lektüre. Ohne Kundera wäre ich wahrscheinlich nie auf Diderot als Erzähler aufmerksam geworden, insbesondere auf "Jacques le Fataliste".
Kundera begreift den Roman, und hier gerade den europäischen Roman beginnend mit Rabelais und Cervantes, als eine ganz eigene Kunstform, die einen originären Beitrag zum Verständnis unserer Welt zu leisten imstande ist. Das klingt sehr theoretisch, ist es aber, so wie Kundera es darbietet, überhaupt nicht; vielmehr sehr unterhaltsam und den eigenen Blickwinkel erweiternd.
Uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die gern Romane lesen und sich dafür interessieren, warum es gute und weniger gute gibt.