Als die junge Claire im Alter von achtzehn Jahren ihren zukünftigen Mann kennenlernt, bricht sie ihr Studium ab, um mit ihm zu leben. Bald darauf wird sie schwanger und die kleine Annie wird geboren. Claire und Alex führen eine Bilderbuch-Ehe. Doch das Glück endet jäh, als Alex an einem Herzinfarkt stirbt. Claire steht vor einem Trümmerhaufen, denn die Lebensversicherung kann die Schulden nicht abdecken.
Erst als Claire das Angebot bekommt, eine Biographie über den Serienvergewaltiger Travis Crill zu schreiben, geht es finanziell für die beiden wieder aufwärts. Claire stürzt sich in ihre neue Arbeit und steigert sich immer mehr in diesen Fall hinein. Der neue Job scheint Claire jedoch immer weiter von ihrer Tochter zu entfernen und plötzlich muss sie erkennen, dass ihr Leben in Gefahr ist, denn der Täter weiß Dinge über sie, die er nicht wissen kann und als sie Parallelen zu den vergangenen Taten zieht, ist es zu spät, denn Crill ist schon aus dem Gefängnis geflohen ...
"Der Vogelbrunnen" ist nicht einfach nur ein Thriller. Paddy Richardson beschreibt ihre Charaktere so intensiv, dass ich mich mit ihnen automatisch verbunden gefühlt habe. Am deutlichsten kommt Claires Gefühlschaos rüber - der Kampf mit sich, ob sie den Auftrag annehmen soll oder nicht und die Hilflosigkeit, als sie merkt, dass Annie ihr entgleitet.
Die Autorin hat diesen schleichenden Prozess der Entfremdung von Mutter und Tochter sehr gut beschrieben.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Annie und Claire erzählt und einige Passagen sind dem Täter zuzuordnen. Den Leser erwartet kein blutiges Gemetzel und die Spannung wird allein durch den brillanten Schreibstil der Autorin erzeugt.
Das Cover mit dem am Fuß aufgehängten Vogel passt nur bedingt zum Buch, ist aber sicherlich ein Blickfang im Bereich der Thriller.
Was den Buchtitel angeht, finde ich den Originaltitel passender. "A year to learn a woman" sagt wesentlich mehr aus und kann sich in diesem Fall sowohl auf den Täter beziehen, als auch auf Annie, deren neue Freundin kein wirklich guter Umgang für sie ist.
Ich habe den Roman verschlungen und werde die Autorin auf jeden Fall im Auge behalten. Fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung von mir.