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Der Vogel ist ein Rabe.
 
 
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Der Vogel ist ein Rabe. [Taschenbuch]

Benjamin Lebert
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (73 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Nach seinem sensationellen Erstling Crazy, den Benjamin Lebert im zarten Alter von 16 verfasste, liegt nun der mit Spannung erwartete Nachfolger vor. Eine im Grunde simple Geschichte von der Liebe als Heilserwartung und ultimativem Katastrophengebiet. Während einer nächtlichen Zugfahrt nach Berlin vertraut Henry, eine Zufallsbekanntschaft, dem heimfahrenden Studenten Paul die Geschichte einer Freundschaft an, die im Wahnsinn endete. Am Ende dieser denkwürdigen Fahrt durch die Nacht müssen die beiden jungen Männer zugeben, im Namen der Liebe schuldig geworden zu sein -- einer von ihnen wird einen teuren Preis zu zahlen haben.

Benjamin Lebert ist schon ein seltsamer Vogel (in diesem Falle der Titel gebende Rabe, als der er sich, wie er in einem Interview verriet, gerne sieht). Jemand, der mit der MTV-Glitzerwelt, dem herrschenden Sex- und Funterror und den flauen Beauty-Begriffen nichts am Hut hat. So einer muss doch krank sein. Stimmt. Krank vor Sehnsucht. In einer immer oberflächlicher werdenden Welt schürft Lebert nach wahrer Liebe und echten Gefühlen. Genau das macht diesen jungen Autor in guten Momenten kostbar, in weniger geglückten klingt Lebert altersungemäß altklug und weise raunend.

Die bulimische Schönheit Christine, der fette Jens und der schon bekannte Henry, beziehungsgestört bis ins Mark, leben als perfekt ausbalanciertes Dreigestirn in einem fragilen Verhältnis gegenseitiger tiefer Zuneigung. An dem chancenlos in Christine verknallten Jens kristallisiert sich sehr bald Leberts Thema heraus. Ist Jens so fett, weil er zu wenig Liebe bekommt, oder bekommt er zu wenig Liebe, weil er so fett ist? Und -- ist die Liebe selbst hoffnungslos überbewertet und nur Sinnbild eines schnöden Scheins? Das Verhältnis zwischen den dreien kollabiert, als Henry mit Christine schläft -- und beide prompt von Jens erwischt werden. Der ewig Verschmähte schlägt zurück, die Katastrophe nimmt ihren Verlauf.

Als hätte er der erzählerischen Kraft der Dreiecksgeschichte nicht ganz getraut, klebt Lebert seiner Parabel über das unauflösbare Mysterium Liebe ein thrillerhaft unglaubwürdig wirkendes Ende an. Wie sich erweist, trägt nämlich auch der schweigsame Paul ein fürchterliches Geheimnis mit sich herum. Nur -- "ich bin eben kein Erzähler wie du" -- Pauls an Henry gerichtete letzte Worte im Roman. Auch Benjamin Lebert ist es vielleicht noch nicht ganz. Aber er ist verdammt nahe dran. --Ravi Unger

Pressestimmen

"Es ist ein zärtliches, uneitles, ein ganz und gar erstaunliches und wunderbares Buch von einem hochtalentierten, sehr jungen Autor." (Elke Heidenreich, Der Spiegel)
"Ein Bericht aus dem Herzen der Finsternis." (Willi Winkler, SDZ)

Kurzbeschreibung

Auf einer Zugfahrt von München nach Berlin werden Paul und Henry, beide Anfang zwanzig, für die Dauer einer Nacht zu Weggefährten. Aufmerksam lauscht der Ich-Erzähler Paul den Worten Henrys, der in leuchtenden Farben von Freundschaft und Liebe erzählt - und der Erfahrung, beides verloren zu haben. Und während Henry immer freier und ungezwungener wird und seinen Erinnerungen ihren Lauf lässt, hört Paul nur zu und schweigt. Er erzählt nicht von der Sehnsucht, woanders und wer anders sein zu wollen, nicht von der Art, wie Menschen ihren Regenschirm aufspannen. Und nicht von Mandy. Aber mehr und mehr holt ihn, während er den Worten Henrys lauscht, seine eigene Geschichte ein.
'Der Vogel ist ein Rabe' ist ein Roman über die Macht des Erzählens und über Menschen, die sich verpassen. Eine Geschichte vom Leuchten und vorüberfliegender Schwärze.

Klappentext

"Lebert zeichnet Akteure, die Ängste und Psychosen durchleben. Er schreibt die Geschichte eines Lebens, des Versagens, der Verzweiflung, der Suche nach einem Ort, an dem man endlich ankommen kann. Wieder trifft Lebert den Nerv seiner Zeit, in der viele aufbrechen, sinnsuchend."
Neue Presse

"Die Dunkelheit dieses Buches liegt meilenweit vom Pop entfernt und hautnah bei Edgar Allan Poe."
Abendzeitung

"Wie »Crazy« ist auch diese Geschichte aus der hermetischen Innenwelt der Heranwachsenden eine irgendwie faszinierende Mischung aus altkluger Lebenswahrheit und pubertierender Banalität, die von ihrem Schauplatz, einem Zugabteil, lebt und von jener widerborstig-poetischen Sprachmischung, die bereits jetzt Leberts Markenzeichen zu sein scheint."
Kölner Rundschau -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Benjamin Lebert, Jahrgang 1982, lebt in Hamburg. Er hat mit zwölf Jahren angefangen zu schreiben. 1999 erschien sein erster Roman, "Crazy", der in 33 Sprachen übersetzt und von Hans-Christian Schmid fürs Kino verfilmt wurde.

Auszug aus Der Vogel ist ein Rabe von Benjamin Lebert. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

DAS Abitur machte ich in München. Danach, mit zwanzig, zog ich nach Berlin, um Ethnologie zu studieren. Ich wohnte dort in einer Wohngemeinschaft in Schöneberg, zusammen mit zwei weiteren Studenten. Ein Junge namens Randall. Und ein Mädchen namens Sofia. Ich verbrachte kaum Zeit mit studieren. Mir war alles eigentlich ziemlich egal.

Ich lief durch die Stadt. Ich ging in Cafés und Clubs. Ich begegnete Leuten, die das Gleiche taten. Die meisten von ihnen waren auch von irgendwoher nach Berlin gekommen. Eigentlich alle. Und alle wollten hier von irgendetwas gefunden werden. Natürlich wussten sie, dass sie auch selbst suchen gehen mussten. Und das taten sie teilweise. Aber sie wollten vor allem gefunden werden.
Es ist Freitagabend, 22:26 Uhr, der vierte Januar Ich stehe am Gleis 18 des Münchener Hauptbahnhofs. Neben mir auf dem Boden: meine grüne Reisetasche. Es ist bitterkalt. Der Wind rasiert einem die Wangen. Vereinzelte 1"auhen flattern durch die Gegend, eine davon landet auf den Schienen. Die Bahnhofshalle ist hell erleuchtet. Es sind nicht viele Leute da. Ein paar Meter von mir entfernt steht eine ältere Frau in einem schwarzen Mantel, sie trägt einen weißen Hut mit Ohrenklappen. Sie läuft hin und her, den linken Arm vor der Brust angewinkelt, in der rechten Hand ein Telefon, auf dessen Tasten sie mit dem Daumen herumdrückt. Weitere vereinzelte Gestalten. Der Zug hat jetzt sechs Minuten Verspätung. Es ist der Zug, der mich nach einem kurzen Besuch bei meinen Eitern wieder nach Berlin bringen wird. Dahin, wo es leuchtet. Das hat man zumindest zu einer bestimmten Zeit gehört. Von allen Seiten. Von den ganzen Typen, die von Berlin geschwärmt haben: … du musst unbedingt dahin. Es ist wahnsinnig dort. Die Stadt, ich weiß nicht. Es bewegt sich alles. Flirrt. Die Luft ist keine Luft. Sie enthält Goldstaub. Man atmet Goldstaub, hörst du? Und die Mädchen! Sie sind unfassbar! Egal ob sie schon immer da waren oder erst vor kurzem gekommen sind. Man merkt, dass sie schon tierisch viel Goldstaub eingeatmet haben.
Aber das alles stimmte nicht wirklich. Ich meine die Mädchen, die mir in Berlin über den Weg liefen, die meisten, waren tatsachlich unfassbar. Jedoch atmeten sie keinen Goldstaub. Die Luft, die sie durch ihre wunderschönen Nasen einsogen, war Sehnsucht. Und das war nicht nur hei den Mädchen so.

Ich starre auf die Anzeigetafel. 22:29 Uhr. Es kann nicht mehr lange dauern. Ich muss an die drei Tage zurückdenken, die ich nun in München verbracht habe. Muss an meine Mutter denken. Sie ist Ärztin. Jeden Abend, wenn ich hei meinen Eltern übernachte, stellt sie mir ein weißes Schälchen mit geschnittenen Kiwi-Scheiben auf das Nachtkästchen. L)as hat sie früher schon getan. Und jetzt nervt es mich. Aber in Berlin muss ich trotzdem daran denken. Wenn ich zum Beispiel in einem Club bin und. die ganzen Leute sehe, die wie ich in die Stadt gekommen sind und wie wild tanzen. Alle mit diesem wartenden Blick in den Augen. Der sogar in dem dunklen Clublicht zu erkennen ist. Im Dunkeln vielleicht sogar erst richtig gut zu erkennen. ist. Wie reflektierende Katzenaugen.. Und ich frage mich dann, oh sie irgendwo jemanden haben, der ihnen, egal was passiert, noch immer geschnittene Kiwi-Scheiben auf das Nachtkästchen stellt.

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