Seit seinem Buch "Der Schakal" zählt Frederick Forsyth zur ersten Liga der Spannungsautoren. Im Buch "Der Veteran" ("The Veteran", 2001) bringt er vier ganz unterschiedliche Erzählungen, die es offenbar nicht bis zu einem Roman geschafft haben. Die - eher schwache - Kurzgeschichte "Das Wunder" spielt in Siena vor und während eines Palios. Infolge einer Vespätung eilt ein amerikanisches Ehepaar durch die verwinkelten Gassen, wobei sich die Frau am Fuß verletzt. In einem Innenhof kann sie sich niedersetzen und ein Fremder verarztet sie. Dabei erzählt er die Geschichte der barmherzigen Caterina von Siena, die bei Verletzten Wunder wirkte. Und auch bei der verletzten Amerikanerin schwinden die Schmerzen - ein Wunder? "Kunst und Können", die zweite Erzählung, spielt primär in und um eine Auktionshaus, dessen Leiter einen Kunden betrügt und einen Angestellten ungerechtfertigt entläßt - und der dann eben durch diese zur Rechenschaft gezogen wird. Um Rache geht es auch in der Kurzgeschichte "Der Veteran". Ein vorerst Unbekannter wird ermordet aufgefunden. Detective Inspector Jack Burns und Detective Sergeant gelingt es die Mörder ausfindig zu machen. Doch dank eines gefinkelten Rechtsanwalts kommen die beiden frei - gibt es wirklich keine Gerechtigkeit? Die letzte Erzählung "Whispering Wind" gleitet ins Esoterische ab. Sie beginnt mit der Schilderung der Niederlage von General Custer in der Schlacht am Little Bighorn, die der Legende nach niemand überlegt hat - wirklich niemand? Oder gab es einen einzigen Überlebenden, Ben Craig, dessen weiteres Leben und sein Tod gar merkwürdig verläuft. Alles in allem nicht unspannende Geschichten als Lesestoff für eine Bahnfahrt oder einen Kurzflug, die immer zu einem verblüffenden Finale führen.