„Willst du dir denn nicht den Aufzug unten ansehn?" sagte sie und schob ihn vor sich an das Geländer. „Weißt du, um was es sich handelt?" hörte sie Karl hinter sich sagen und machte ohne Erfolg eine unwillkürliche Bewegung, um sich ihrem Druck zu entziehn. Traurig sah er auf die Gasse hinunter, als sei dort der Grund seiner Traurigkeit.
Meisterhaft, ja wie kein anderer versteht es Franz Kafka auch in diesem begonnenen Roman den Leser in seinen Bann, in die Tiefen des Irrsinns menschlichen Seins zu ziehen. „Die Geschichte, die ich schreibe...ist allerdings ins Endlose angelegt.", schrieb Kafka sinngemäß einmal über dieses Werk, welches er bereits 1912 begonnen, jedoch nie vollendet hat. Diese Aussage charakterisiert vielleicht wie keine andere die Richtung, welche das Fragment von Anfang an nimmt, das Moment welches dieser Geschichte als zentrales zugrunde liegt. Gerade in der „Fassung der Handschrift" sind allerdings noch Kafkas letzte Arbeiten zu diesem Roman enthalten, welche ihn abrunden und sich auch als ein, wenngleich zwar vorläufiges, Ende lesen lassen. Die Unvollständigkeit des Manuskripts ist daher dabei kein Hindernis bei der Lektüre, und vielleicht wurde es deshalb bereits 1927 von Max Brod mit dem Titel „Amerika" veröffentlicht. Kurt Tucholsky jedenfalls äußerte über diesen Roman: „Am schönsten an diesem Werk ist die tiefe Melancholie, die es durchzieht: hier ist der ganz seltene Fall, daß einer >das Leben nicht versteht< und recht hat." Dieser „jemand" trägt im Roman den Namen Karl Roßmann und an ihm ereignet sich das existenzielle Ausgeliefertsein in und an eine schizophrene Welt, das kaum ergreifender, kaum subtiler beschrieben werden kann. Eine Atmosphäre bedrückender Hoffnungslosigkeit erschuf Kafka hier meisterhaft aus sich selbst, aus seiner Eigenwelt heraus, so bedrückend, so erdrückend, wie ein Fisch der auf dem Trockenen liegt und zappelt, seine verzweifelten und doch erfolglosen Versuche, wieder zurück ins Wasser zu kommen.
Die Fassung der Handschrift vermag dieses Kafka-Erlebnis dabei wohl noch am besten zu vermitteln.