Sebastian Haffner versteht es, komplexe Zusammenhänge anschaulich darzustellen. Mit präzisen Beschreibungen gelingt es ihm, die Persönlichkeiten der handelnden Personen zu skizzieren, ihre jeweilige Situation zu durchleuchten und ihre Möglichkeiten darzulegen. Der Spielraum für jeweils wichtige Entscheidungen wird dadurch klarer, Fehleinschätzungen und -entscheidungen deutlicher.
Im Zentrum des Buches steht Friedrich Ebert. Haffner zeigt deutlich, wo die Persönlichkeit Eberts während der zeitweise chaotischen Geschehnisse vor und nach der Kapitulation 1918 an ihre Grenzen stösst. So lässt ihn seine übersteigerte Ordnungsliebe seine Partei und die Bewegung, die ihn nach oben gespült hat, verraten. Er lässt die Freikorps "Ordnung" schaffen und beteiligt die Kräfte, die für die Niederlage 1918 verantworlich waren und die der jungen Republik (tod-)feindlich gegenüberstehen, an der Macht. Das ist in wenigen Worten das Verhängnis der Weimarer Republik: Dass sie sich von ihren Anfängen an auf die Säulen des Kaiserreichs gestützt hat.
Natürlich sind die Zusammenhänge und Abläufe nicht so einfach wie hier in wenigen Worten dargestellt. Die brillante Analyse Haffners geht hier in de Details und zeigt auf, dass die Geschichte, so wie wir sie kennen, keine Notwendigkeit war; dass es durchaus Alternativen gegeben hätte. Dass es durchaus Leute gegeben hat, die einen kompletten Neuanfang gewagt hätten. Dass aber in den entscheidenden Momenten die falschen Leute am falschen Platz waren. Dass Frierich Ebert bei allen seinen Verdiensten um die deutsche Sozialdemokratie und die erste deutsche Republik doch schon den Grundstein für das Scheitern eben dieser Republik gelegt hat.
Die Darstellung und Schlussfolgerungen Haffners werden sicher nicht die ungeteilte Zustimmung aller Leser finden. Dennoch denke ich, dass seine Argumente bedenkenswert sind.