Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben.
Der letzte Pitt Roman war 2007 erschienen:
Die Tote von Buckingham Palace. Mir hatte jener gut gefallen, war doch eine Steigerung nach dem eher dürftigen 23. Teil der Reihe
Die Frau aus Alexandria zu bemerken. Leider blieben geliebte und vertraute Figuren auf der Strecke. Sicherlich muss es auch bei Romanfiguren Änderungen in ihrem Leben geben. Durch das weglassen dieser Personen verlieren die Geschichten allerdings unendlich viel Atmosphäre. Veränderungen wie z.B. Hochzeiten oder ein Johbwechsel können doch locker in der Handlung einfließen, aber manche Figuren tauchen gar nicht mehr auf, so als wären sie unerwünscht und würden totgeschwiegen. Das könnte Platz für neue Figuren schaffen, aber das funktioniert auch nicht wirklich, denn es werden eigentlich keine neuen Figuren eingeführt. Insgesamt muss ich sagen, das das bei diesem 26. Teil der Reihe wirklich negativ auffällt.
Die vertraute Umgebung wirkt fremd, kalt, abweisend. Erschwerend kommt hinzu, das der Roman so gut wie gar nicht in der vertrauten Londoner Umgebung spielt. Die Personen agieren merkwürdig, teilweise nicht nachvollziehbar. Unendlich viele Wiederholungen, nicht nur in den Gesprächen der Figuren, auch im Erzähltext. So wird die Handlung unnötig aufgebläht und bleibt gleichzeitig schmerzhaft oberflächlich. Die Logik bleibt meiner Meinung nach auch auf der Strecke. Fast 400 Seiten tappen Pitt und Narroway im Dunkeln und dann, innerhalb von ein paar Seiten, ist alles Glasklar, die Verschwörung wird aufgedeckt, das Buch ist zu Ende. Wenn die Auflösung wenigstens ein wenig überraschend wäre, könnte ich darüber mit viel wohlwollen und zugedrückten Augen hinwegsehen, allerdings kommt man selbst nach spätestens Mitte des Buches selbst drauf.
Insgesamt wird die doch recht komplexe Grundidee sehr verworren dargelegt. Zuviele Personen tauchen auf, werden entweder gar nicht oder nur schwammig eingeführt. Schlimm, wenn diese dann nicht mal mehr später auftauchen und im Grunde mit der Handlung an sich auch gar nichts zu tun haben. Die Grundidee ist interessant, zeigt sie doch noch heute Auswirkungen auf unser Leben. Das einzig Gute ist, das auch die wichtigen Personen nur oberflächlich beschrieben werden, das blöde ist nur, das man sich dann später fragt, warum sich die Konstellationen so ergeben wie sie es tun, bleibt doch in der entgültigen Entscheidung als Leser außen vor.
Die Figuren agieren nicht im entferntesten so, wie man es aus den anderen Büchern kennt. Sie sind schlicht dumm. Der ganze Aufbau der Geschichte ist eine Aneinanderreihung von Wiederholungen, dummen Fragen, unnützen Situationen und vollkommen realitätsfernen Verhaltensweisen.
Leider muss ich mich fragen: hat Anne Perry dieses Buch wirklich selbst geschrieben? Oder war es ein Ghostwriter, der nur einen sehr groben Handlungsentwurf zur Verfügung hatte und diesen dann mehr schlecht als recht umgesetzt hat? Und wenn dies der Fall war: warum hat Anne Perry nicht gegenlesen bzw. ihr (hoffentlich langjähriger) Lektor?
Alles in allem ein leider mehr als schwacher 26. Teil. Ich hoffe auf den 27. und das wir diesmal nicht wieder mehrere Jahre warten müssen.
Ich vergebe 1 Punkt dafür, dass das Buch überhaupt veröffentlich wurde.
1 Punkt dafür, das es im Privathaushalt der Pitts eine personelle Veränderung gibt, die hoffentlich in den folgenden Teilen noch ausgebaut wird.
Alle, die bisher keinen Teil der Reihe kennen, empfehle ich einen früheren bzw. gleich ganz am Anfang anzufangen. "Die Frau aus Alexandria" ist wie gesagt auch nicht unbedingt empfehlenswert.