Dass heutzutage jeder Ermittler n zünftiges Alkoholproblem braucht, ist ja bekannt. Dazu ist er natürlich n Bisschen kauzig und/oder gebrechlich, hat aber ein gutes Herz und grundanständige Motive. Nicht so der Bösewicht. Der ist durchtrieben, falsch und so gar nicht anständig. In diesem Fall hat er sogar ein wölfisches Lächeln und ganz gelbe, lange Fingernägel (ihgitt). Soviel zum Einfallsreichtum in der Zeichnung der Protagonisten. Das wirkt alles etwas steif und gewollt...es gibt sogar eine Büroszene, in der ausführlich beschrieben wird, wie die Jalousien Schatten auf das Gesicht des Polizeichefs (der permanent Whiskey trinkt) werfen. Da wird kein Klischee ausgelassen.
Nun aber zur guten Nachricht: Bethlehem, der Nahostkonflikt, das Kulturen- und Religionsgemisch, die Besatzer, die korrupten Behörden, die UNO, der bewaffnete Widerstand, und der alltägliche Wahnsinn spielen auch mit und machen die Geschichte wirklich interessant. Für alle, die sich für den Nahostkonflikt oder die Lage in den besetzten Gebieten interessieren, ist die Lektüre bestimmt empfehlenswert. Den Vorwurf, der Autor würde seine Sympathien für das Christentum durch einen nicht praktizierenden Moslem kolportieren kann ich (bisher) nicht bestätigen. Der Protagonist ist nunmal ein nicht praktizierender Moslem, der von in die Luft ballernden Jugendbanden in fetten MPVs mehr als genervt ist. Und dagegen ist ja erstmal nix einzuwenden. Bleibt abzuwarten, ob ich meinen Eindruck beim Lesen des nächsten Falls revidieren muss, denn in der Hoffnung, dass der Autor bei seinem Zweitwerk dazugelernt hat, hab ich schon das nächste Buch bestellt.