Wie wichtig die Sprache, besser gesagt die Artikulationsfähigkeit für den Menschen ist wird in diesem Roman auf einducksvolle, unsentimentale, für die Lenzsche Diktion bekannte, Art und Weise geschildert.
Lenz greift, wie so oft in seinem Romanen, den ganz normalen Alltag auf und durchleuchtet ihn tiefgehend und authentisch.
Der Stadtführer Uli, sympatisch, redseelig und bei allen Touristen allzeit beliebt, erfährt am eigenen Leibe welch fundamentaler Verlust es für ihn bedeutet seine Sprache zu verlieren.
Ein Schlaganfall raubt ihm die Fähigkeit sich sprachlich und motorisch zu koordinieren, zu einem Zeitpunkt, wo er sich verliebt und kurz vor dem Abschluss seines seelischen Selbstfindungsprozess steht.
Uli war immer eine von den Personen, die eine eingefahrene Lebenssituation nicht lange ertragen und aus dieser ausbrechen müssen, sei es durch einen Umzug, eine neue Liebe oder einen Berufswechsel.
Aber wie kann er seine Gefühle und Absichten mitteilen in einer Welt, die sich nur über die Sprache zu artikulieren Weis.
Auf Grund einiger schicksalträchtiger Gegebenheiten ist die Liebe zu seiner Freundin in Gefahr. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit und gegen sich selbst.
Siegfried Lenz führt dem Leser intensiv und ohne Sentimentalität vor Augen, wie schnell das Leben einen anderen, nicht vorauszusehenden, Verlauf nehmen kann. Wir können von dieser Welt verschwinden ohne tot zu sein. Es genügt offenbar der plötzliche Verlust der eigenen Sprache.
Es bleibt abschliessend nur eins zu sagen: "Carpe Diem (geniesse den Tag - mach das beste draus)" !!!