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Der Verfolger. SZ-Bibliothek Band 21 [Gebundene Ausgabe]

Julio Cortázar , Rudolf Wittkopf
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 95 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (7. August 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937793208
  • ISBN-13: 978-3937793207
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 347.716 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Eine Prosa, die die Sprache hüpfen, tanzen und fliegen lässt." (Octavio Paz)

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dédée rief mich am Nachmittag an, um mir zu sagen, daß es Johnny nicht gut gehe, und ich bin sofort ins Hotel gegangen. Seit einigen Tagen wohnen Johnny und Dédée in einem Hotel in der Rue Lagrange, in einem Zimmer im vierten Stock. Es genügte ein Blick auf die Zimmertür und ich wußte, daß Johnny sich in der größten Misere befand; das Fenster geht auf einen fast schwarzen Hinterhof, und schon um ein Uhr mittags muß man Licht anmachen, wenn man Zeitung lesen oder sich im Spiegel betrachten will. Obgleich es nicht kalt war, fand ich Johnny in eine Wolldecke eingewickelt, in einen schäbigen Sessel gezwängt, aus dem überall gelbliche Wergwolle herausquoll. Dédée ist gealtert, und das rote Kleid steht ihr gar nicht gut; es ist ein Kleid für die Arbeit, für die Bühnenbeleuchtung; in diesem Hotelzimmer hatte es die widerliche Farbe von geronnenem Blut. "Kamerad Bruno ist so treu wie schlechter Mundgeruch ", sagte Johnny als Begrüßung und zog die Knie hoch, um sein Kinn darauf zu stützen. Dédee schob mir einen Stuhl hin und ich holte ein Päckchen Gauloises aus der Tasche. Ich hatte ein Fläschchen Rum mitgebracht, doch ich wollte es nicht zeigen, bevor ich mir von dem, was hier los war, ein Bild gemacht hatte.

Ich glaube, was mich am meisten störte, war die nackte Glühbirne, die wie ein ausgerissenes Auge an einem Kabel voller Fliegendreck von der Decke herabhing. Nachdem ich ein- oder zweimal in ihr Licht geblickt hatte, wobei ich mir die Hand als Schirm vor die Augen hielt, fragte ich Dédée, ob wir die Lampe nicht ausmachen und mit dem Licht auskommen könnten, das durch das Fenster kam. Johnny verfolgte meine Worte und Bewegungen mit zerstreuter Aufmerksamkeit, wie eine Katze, die einen unverwandt anblickt, doch der man ansieht, daß sie mit ganz was anderem beschäftigt ist; daß sie etwas anderes ist. Schließlich stand Dédée auf und schaltete das Licht aus. Bei dem, das uns blieb, einer Mischung aus Grau und Schwarz, sahen wir uns besser. Johnny zog eine seiner langen, mageren Hände unter der Wolldecke hervor und ich spürte die schlaffe Wärme seiner Haut. Dann sagte Dédée, sie wolle uns einen Nescafé machen. Es freute mich, daß sie wenigstens noch eine Dose Nescafé hatten. Wenn einer noch eine Dose Nescafé hat, sage ich mir immer, ist seine Lage nicht völlig aussichtslos; er kann noch eine Weile durchhalten. "Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen", sagte ich zu Johnny. "Mindestens einen Monat." "Warum mußt du immer die Zeit zählen", antwortete er mir schlechtgelaunt. "Der erste, der zweite, der dritte, der einundzwanzigste. Allem gibst du eine Nummer, du. Und die hier ist genauso. Weißt du, warum sie wütend ist? Weil ich das Saxo verloren habe. Im Grunde hat sie recht."

"Aber wie konntest du es bloß verlieren?", fragte ich ihn, obgleich ich wußte, daß es eben das war, was man Johnny nicht fragen konnte. "In der Metro", sagte Johnny. "Ich hatte es sicherheitshalber unter den Sitz gelegt. Es war ein herrliches Gefühl, in der Metro zu fahren und zu wissen, daß ich es unter meinen Beinen hatte, da war es sicher. "Er hat es erst gemerkt, als er hier die Treppe hochstieg ", sagte Dédée mit etwas rauher Stimme. "Und ich mußte dann wie eine Verrückte losrennen, um es denen von der Metro und der Polizei zu melden." Aus dem Schweigen, das folgte, konnte ich schließen, daß die Mühe vergebens gewesen war. Doch Johnny begann zu lachen, sein ihm eigenes Lachen, bei dem er weder Zähne zeigt, noch die Lippen bewegt. "Irgendein armer Tropf versucht jetzt, einen Ton aus ihm herauszukriegen", sagte er. "Es war eines der miserabelsten Saxos, das ich je gehabt habe; man merkte, daß Doc Rodríguez darauf gespielt hatte, es war an der Seele völlig verbeult. Als Tute an sich war es nicht übel, aber Rodríguez ist fähig, selbst eine Stradivari zu ruinieren, wenn er sie bloß stimmt." "Und kannst du dir kein anderes beschaffen?" "Das versuchen wir gerade", sagte Dédée. "Sicher hat Roy Friend eins. Das Dumme ist, daß Johnnys Vertrag ..." "Johnnys Vertrag", äffte er sie nach, "Was heißt hier Vertrag. Spielen muß man, und damit basta, aber ich habe kein Saxo und auch kein Geld, mir eins zu kaufen, und den Jungs geht es nicht anders."

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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weil er den idealen Ton nicht fand! 8. August 2004
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der Musikkritiker Bruno schreibt ein Buch über die Jazz-Legende Johnny Carter. Besagter Saxophonist hat, wie der Autor berichtet, in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Jazz revolutioniert. Bruno, der sich mit Johnny immer wieder trifft und fasziniert ist von dessen virtuosem Können, sieht, dass das eigentliche Bemühen des Musikers darin besteht, dem idealen avantgardistischen Ton hinterher zu spüren. Allerdings bekommt der überaus talentierte Künstler diesen niemals wirklich zu fassen, weil der begehrte Laut bereits in eine neuere Zeit gerückt zu sein scheint. Das Verfolgen des genialen Tons zermürbt Carter auf Dauer, ja macht ihn vielleicht sogar schizophren. Er flüchtet in den Drogenkonsum und zerstört sich auf diese Weise unaufhaltsam.
Cortazar, der es in diesem Roman geschafft hat, Jazz in Sprache umzusetzen, konstatiert, dass es den großen Jazz-Musikern im Grunde nicht gelungen sei, dialektische Konsequenzen aus ihren Werken zu ziehen und die Grundlagen, sowie Transzendenz dessen zu postulieren, was sie gerade improvisierten. Genau das hat wohl zum persönlichen Niedergang des Protagonisten geführt.
Ein beeindruckender Roman!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wechselseitiges Psychogramm 8. Februar 2011
Von stoffi
Format:Gebundene Ausgabe
Eine faszinierende Beschreibung der psychischen Situationen zweier Personen. Es werden ineinander geblendet die Lebenssituation und psychische Verfassung des berühmten Saxophonisten Charly Parker und seines Biographen, der erkennt: Alles was er über Charly Parker herausfindet und sagt, ist gleichzeitig eine Aussage über sich selbst.Der Musiker wird so geschildert, dass er dem Leser als vielschichtiger Charakter vor Augen steht, im Drogenrausch, nüchtern, mutig, verzweifelt,überheblich und unterwürfig. Der Biograph hat einen überaus klaren Blick für ihn und auf sich selbst. Die Sprache ist ein weiteres Plus des Buches: Sie ist sehr präzise, trifft so ins Schwarze, dass man sich die jeweilige Wendung merken möchte und bleibt doch immer unmittelbar verständlich. Eine Studie über die Bedingungen von Kreativität und die Auswirkungen desssen, dass der Künstler nicht mit seiner eigenen Leistung zufrieden ist. Er kann nie erreichen, was er eigentlich ausdrücken will. In diesem Falle: Er "vergisst" sein Saxophon in der U-Bahn oder zertampelt es in einem Anflug von Wut und Verzweiflung.
Wer diie Stücke von Charly Parker nach der Lektüre dieses Buches hört, der hört sie mit neuen Ohren. Wer sogar die Noten gesehen hat, erkennt jetzt erst recht, wie schwierig die Stücke auf dem Saxophon zu spielen sind - und was für ein Genie dieser Musiker gewesen sein muss.
Ein Buch, das viele neue Einsichten ermöglicht.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sein Geld wert ... und nicht nur für Jazzliebhaber 24. Oktober 2005
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe das Büchlein "Der Verfolger" mit gewisser Skepsis erworben, weil ich den Eindruck hatte, dass der einheitliche Preis für die Bänder der SZ-Bibliothek auch durch "dünnere" Bücher ermöglicht wird. Aber dieses Buch ist sein Geld wert.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Saxofonist Johnny Carter. Der Jazzliebhaber kann hier Charlie Parker erkennen. Aber auch diejenigen, die - so wie ich - Parker und seine Musik kaum kennen, werden gefesselt sein von der Beschreibung eines Menschen der über eine faszinierende musikalische Begabung verfügt, dessen Leben aber letztlich auf die Selbstzerstörung durch Drogen zusteuert. Der Erzähler Bruno erkennt - nicht ohne Neid - das beides zusammen wirkt und zusammen wirken muss. Die Auseinandersetzung damit wird plastisch und lebendig: sowohl wenn es um die tristen Lebensumstände von Johnny Parker geht, als auch in der Beschreibung der Musik bzw. der Gefühle, die diese bei Bruno auslöst. Das kann man nachfühlen, auch wenn man kein Jazzkenner ist.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Etwas altmodisch 9. April 2009
Von Diethelm Thom TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Cortázar schreibt über den Jazz-Musiker Johnny Carter (indirekt über Charlie Parker), und zwar über seinen Aufenthalt in Paris kurz vor seinem Tod in New York. Seine Musik ist "ein fortgesetztes Forschen" (42), er wird zum "Verfolger" (Titel) einer sich ständig entziehenden Wirklichkeit. Die Musik wird zur "Maske" eines Menschen, der keine Ich-Gewissheit mehr hat und entsprechend unglücklich und zerrissen ist. Carters bester Freund ist der Erzähler, gleichzeitig Jazz-Kritiker und Carters Biograf, der versucht sowohl die Musik auf den Begriff zu bringen als auch die Künstlerexistenz seines Freundes zu erfassen. Dabei zeigt sich eine gewisse Verklärungstendenz bei der Darstellung des Künstlers, für ihn ist klar, "dass jedesmal, wenn Johnny leidet, ins Gefängnis kommt, sich umbringen will, eine Matratze anzündet oder nackt durch die Korridore eines Hotels läuft, er für die anderen bezahlt, für die anderen stirbt." (62). Damit bekommt Carter geradezu christusähnliche Züge, obwohl er von Gott radikal nichts wissen will.

In dieser Erzählung hat Cortázar so etwas wie den Prototyp des modernen Künstlers als Gegentyp zum Bürger dargestellt. Das Geschehen bekommt eine zusätzliche Dramatik dadurch, dass Carter fühlbar kurz vor der Selbstzerstörung steht und sich seine Freunde vergeblich um seine Rettung bemühen. Gleichzeitig wirkt das Buch, das 1958 erschien, heute auf mich auch etwas pathetisch und altmodisch, indem es offensichtlich vom Geist des Existentialismus und Nihilismus durchzittert ist.
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