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Der Verführer [Gebundene Ausgabe]

Jan Kjaerstad , Angelika Gundlach
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

18. März 1999
Die nächste literarische Sensation aus Skandinavien: Der Verführer von Jan Kjærstad Jan Kjærstad, der zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftstellern Norwegens gehört, schildert in seinem brillant geschriebenen Roman das Leben von Jonas Wergeland, einem norwegischen Fernsehstar, einem Verführer des Publikums und der Frauen. Die literarische Entdeckung dieses Frühjahrs! Jonas Wergeland kommt von einer Reise zurück und findet seine Frau ermordet vor. Im ersten Schock des Nichtwahrhabenwollens zieht sein Leben an ihm vorüber, mit all den für ihn entscheidenden Ereignissen. Kindheit und Jugend in einer typisch norwegischen Familie, Studium, wilde Abenteuerreisen, erotische Erfahrungen, die Karriere beim Fernsehen. Groß denken heißt nach einem Ibsen-Zitat seine Serie über große Norweger. Dort und für sich selbst stellt er immer wieder die Frage, wie das Leben denn zusammenhänge. Jan Kjærstad ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und Schöpfer origineller Figuren, die neben dem faszinierenden Querdenker Wergeland unvergeßlich bleiben, wie seine altklug-weise Kindheitsfreundin Nefertiti, die erste der vielen Frauen in Jonas` Leben, sein Orgel spielender Vater, von dem er die Liebe zur Musik geerbt hat, sein bornierter Onkel William, der das durch den Ölboom reich gewordene Norwegen verkörpert. Mit einer raffinierten Spannungstechnik verknüpft Kjærstad die einzelnen Ereignisse und Figuren miteinander und schafft so einen wunderbar lesbaren und literarisch ungewöhnlichen Roman.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch; Auflage: 2 (18. März 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462027867
  • ISBN-13: 978-3462027860
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 14,4 x 5,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 364.111 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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"Wie also hängt ein Leben zusammen?"
Man stelle sich das einmal vor: Thomas Gottschalk kommt von einer Reise nach Hause und findet seine Frau, hingemeuchelt, in ihrem Blut, und natürlich auf dem Eisbärfell. Der Gottschalk des norwegischen Romanciers Jan Kjaerstad heißt Jonas Wergeland -- ein fiktiver Medien-Held, der in seiner Fernsehreihe "Groß denken" mit überraschend neuartigen Portraits berühmter Norweger, über Nansen und Hamsun etwa, die Nation verzaubert. Und da steht er nun also, gerade zurück von der Weltausstellung in Sevilla, vor der Leiche seiner Frau und kann es einfach nicht fassen.

Wo man den Ausgangspunkt kriminalistischer Spurensuche vermuten möchte, kommt die Handlung allerdings zu einem abrupten Stillstand. Plötzlich befindet sich Wergeland in den Stromschnellen des Sambesi: Mit einem Sprung in eine weit zurückliegende Episode im Leben Wergelands nimmt der Roman die Lebensgeschichte seines Helden und das Problem ihrer Erzählbarkeit in den Blick.

Während sich das Problembewusstsein literarischer Tradition um das Individuum und die Gesellschaft sorgte, sich zuständig erklärte für alle Seelenlagen und Klassenkämpfe, scheint es dem letztjährigen Henrik-Steffens-Preisträger Kjaerstad nachgerade anstößig, in der Literatur den großen Zusammenhang herzustellen. Diesen wichtigen poetologischen Grundgedanken hat der 46-jährige Norweger schon in früheren Romanen, etwa Homo Falsus (dt.1996) und Rand (dt.1994), die nur vordergründig dem Kriminal-Genre zuzurechnen sind, zum Gestaltungsprinzip gemacht.

Hier nun, auf der Suche nach der "Grundgeschichte, die mehr erzählt als jede andere, wer man ist", entlarvt Kjaerstad die althergebrachte Überzeugung, was uns in jungen Jahren passiert, müsse auch die Ursache sein für Ereignisse in unserem späteren Leben. Im Gegenteil, so die Pointe: Kindheit und Jugend werden zu Auswirkungen einer Ursache, die erst viele Jahre später liegt. Was unserem ewig in schicksalsdunkler Vergangenheit wühlenden Selbstverständnis eine Zumutung scheint, pfeift auf allzu wohlfeile Chronologien und begeistert in gewagten Sprungfiguren.

Am Ende sitzt ein 10-jähriger Jonas mit seiner Freundin staunend vor einem Kuhfladen und beobachtet einen Mistkäfer bei der Arbeit, und Jonas begreift, dass alles passieren kann von dem Augenblick an, in dem er davon erzählt, und dass er gerade das Leben in einer Nussschale gesehen hat. Man stelle sich das einmal vor. --Oliver Jahn -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Jan Kjærstad, 1953 geboren, studierte Theologie. Nach dem Studium spielte er in einer Band und begann dann zu schreiben. 1998 erhielt Kjærstad den Henrik-Steffens-Preis, 2001 den renommierten Preis des Nordischen Rats für die Wergeland-Trilogie. Kjærstad hat ein umfangreiches erzählerisches und essayistisches Werk vorgelegt, in Deutschland wurde er zunächst bekannt durch Rand, 1994, und Der perfekte Mord, 1996.

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4.1 von 5 Sternen
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kjaerstads Kamasutra 15. Mai 2000
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
"Wie hängt ein Leben zusammen? Was ist die Geschichte dieses Menschen?" Um diese Fragen kreist der anonyme Erzähler in Jan Kjaerstads neuem Roman "Der Verführer". Das Werk, so lässt uns der Erzähler wissen "ist ein Buch über Jonas Wergelands Siege - über sein Wachsen, nicht über seinen Sturz." Eine Erfolgsstory also. Wer ist dieser Jonas Wergeland, Erfinder der berühmten Fernsehserie "Groß denken", der in Norwegen mit dieser Sendung zum absoluten Medienstar wird? Wergelands Geschichte über sein Wachsen beginnt nicht bei seiner Geburt, sondern mit dem Tod. Es riecht kräftig nach Frühling in Oslo, als Jonas von einer Geschäftsreise nach Hause zurückkehrt, sich freuend über seine Erfolge. Er läutet und stellt fest, dass seine Frau noch nicht zu Hause ist, geht seine Post durch, hört den Anrufbeantworter ab und will nichts als sich bei guter Musik entspannen. Dann entdeckt er im Wohnzimmer eine Leiche. Es ist seine Frau. Diese Entdeckung stürzt ihn in tiefste "Wasserwirbel" der Verzweiflung und ist gleichzeitig der Auslöser, sich über sein bisheriges Leben Rechenschaft abzulegen: Kindheit und Jugend, Studentenzeit, Berufsleben, Begegnungen und Ereignisse. Wergeland erkennt bald, dass er ein ungewöhnlicher Mensch ist. Seine Besonderheit erlebt er vor allem in der Begegnung mit Frauen. Jeder Kontakt mit ihnen wird bedeutsam. Frauen sind seine Lehrmeisterinnen. Er ist ein Mann, der eine magische Anziehungskraft auf sie ausübt, weil er ein "Verführer" ist, einer mit einem "magischen Penis". Kjaerstad ist es gelungen, seine Hauptfigur perfekt zu charakterisieren. Das erreicht er v.a. durch die Figur des Erzählers, der Wergelands Geschichte präsentiert. In einer vornehmen Sprache gelingt es ihm, von dem nur bekannt ist, er sei selber kein Norweger, im Mikrokosmos des Protagonisten den Makrokosmos sichtbar zu machen. Alle Länder enthalten "die ganze Welt" und "die ganze Welt enthält Norwegen". Den "weißen Fleck" auf der Karte, die er selber ist, will Jonas "kartieren". Er ist ein Reisender zu sich selbst. Seine Reise führt ihn durch die halbe Welt sowie durch die Leiber von 23 Frauen. Wergelands Reisetempo ist langsam und genussvoll. Oft hält er inne, denkt nach, führt viele Gespräche und Diskussionen. Seine Raststationen sind immer Innenräume, wie etwa das Wohnzimmer in Tante Lauras Wohnung, die "einem Basar gleicht". Die tiefsten Erkenntnisse gewinnt Jonas im Inneren der Orgel, auf der sein Vater in der Kirche spielt. "Der Verführer" ist ein Reise-, Bildungs- und Gesellschaftsroman, bietet aber zusätzlich eine Darstellung der Politik der letzten dreißig Jahre. Auch liefert Kjaerstad seine Ansichten zum Thema Fernsehen. Ein solch breit angelegter Roman kann nur schwergewichtig im Umfang sein. 616 Seiten Seiten benötigt der Erzähler, um uns zu schildern, wie Jonas Wergelands Leben "zusammenhängt". Dies erzählt er nicht chronologisch, sondern fügt einen Teil an den anderen wie ein Puzzle zum Ganzen zusammen. Dem Autor ist ein außergewöhnliches Werk gelungen, v.a. wegen der subtilen Charakterisierung der Hauptfigur und der reizvollen Schilderungen der erotischen Abenteuer. Die elegante Sprache und die zahlreichen literarischen Anspielungen garantieren höchstes Lesevergnügen. Angesichts solcher Qualitäten mögen dem Roman einige Längen und Manierismen verziehen sein.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Sittenbild Norwegens 19. Juli 2000
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Der Erzähler beschreibt in Rückblenden ausgehend vom Auffinden der Leiche seiner ermordeten Frau das Leben von Jonas Wergeland, einem fiktiven norwegischen Fernsehstar. Die Rückblenden selbst sind kleine brillante Erzählungen, die teilweise tragisch, teilweise humorvoll, teilweise erotisch sind, die keinen chronologischen Zusammenhang haben. Dieser Roman ist sowohl ein Sittenbild Norwegens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als auch eine Hommage an die Phantasie. Wobei Norwegen als Synonym für ganz Westeuropa gelten könnte. Ein Buch das zum Philosophieren anregt.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöne Literatur 4. September 2002
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dieses Buch gehört zu den schönsten Büchern, die ich bisher gelesen habe. Der Autor erzählt die Episoden aus dem Leben des Jonas Wergeland mit soviel Phantasie, Witz, Beachtung der kleinen Dinge des Lebens, mit soviel Wissen über Geschichte und Kultur Norwegens (ohne zu dozieren), mit einem Einfallsreichtum, der einen staunen lässt. Man erlebt, sieht, fühlt, schmeckt und riecht das Leben. Schöne Literatur!
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