'Der Verdacht' ist nach 'Der Richter und sein Henker' Dürrenmatts zweites Buch mit Kommissär Bärlach und schließt praktisch an das erste Buch an.
Der Kommissär ist auch in diesem Buch wieder ein genialer Kriminalist, mit viel Erfahrung und Menschenkenntnis und seinem nahezu unerschütterlichen Glauben an Gerechtigkeit - daran ändert auch seine starke Erschöpfung durch eine Magenoperation und der Krebs in seinem Körper nichts.
Bärlachs detektivischer Sinn wird geweckt, als er im Krankenbett in der Zeitschrift 'Life' ein Foto von einem Arzt namens Nehle sieht, der in einem KZ ohne Narkose operiert. Als sein befreundeter Arzt das Foto sieht, erschrickt er, und erklärt, er kenne einen Arzt, der dem in der Zeitschrift sehr gleiche.
Bärlach stellt Nachforschungen an, befragt sogar einen Juden, der Nehle damals im KZ gut kannte. Es scheint zwei Personen zu geben: Emmenberger, der mit Bärlachs Arzt studierte, sich zur Zeit des Fotos wahrscheinlich in Chile aufhielt, schon immer ein genialer Kopf war und nun ein Sanatorium für Reiche in Zürich führt. Und Nehle, der Arzt der im KZ Verbrechen beging und sich nach dem Krieg in Hamburg umbrachte. Einer ist tot, der andere führt dieses Sanatorium. Doch wer tat was? Die beiden sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Und es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass die beiden während des Krieges die Rollen tauschten. Hat der Leiter des Sanatoriums im KZ menschenunwürdige Verbrechen begangen?
Hier setzt Bärlach an. Er lässt sich in das Sanatorium einliefern. Dort lernt er nicht nur Emmenberger und dessen Geliebte Dr. Marlok kennen, sondern auch andere Weltanschauungen, die seinen Kampf für Gerechtigkeit und eine bessere Welt in den Schatten stellen.
Dr. Marlok war Kommunistin. Vor den Nazis floh sie in die Sowjetunion, wo sie sicher war, Schutz zu finden und ihren Glauben leben zu können. Als Auswirkung des Hitler-Stalin-Paktes wurde sie von der kommunistischen (!) Sowjetunion ausgeliefert an Deutschland. Ein Verrat, der nahezu allen Glauben an den Kampf gegen das Böse, an die Würde des Menschen und an die Hoffnung auf eine bessere Welt zerstört. Ein kleines bisschen Sinn für Gerechtigkeit blieb ihr noch - sie versucht Emmenbergers Taten zu erklären. Marlok gibt alle Verbrechen, die Bärlach Emmenberger anschuldet, zu. Sie war im KZ dabei, als Kommunistin eingeliefert wurde sie Emmenbergers Geliebte.
Bärlach geht es immer schlechter. Doch erst das Gespräch mit Emmenberger lässt ihn erfahren, was wirkliche Todesangst und Ungewissheit ist.
Emmenberger glaubt einfach, nachvollziehbar und glaubhaft: an Materie. An Atome, die der Zufall lenkt. Es gibt seiner Meinung nach keine Gerechtigkeit, nur Freiheit, die man sich nehmen muss. Er hat Bärlach entlarvt, hat herausgefunden, dass dieser auf der Jagd nach ihm ist. Er wird in töten, mit einer Operation ohne Narkose. In sieben Stunden.
Diese werden die wohl schrecklichsten in Bärlachs Leben. Zweifel, gibt es die Gerechtigkeit wirklich nicht? Für welches Ziel lebt er eigentlich und - ist dieses überhaupt erreichbar?
Das Buch wird zu einem Kampf zwischen zwei Credos. Eine Frage die jeden Menschen betrifft, die jeden beschäftigt. Und eben dazu regt dieses Buch an.
Ein Buch, das jeden weiterbringen kann, in der Suche nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens.