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Der Vater eines Mörders
 
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Der Vater eines Mörders [Hörbuch-Download]

von Alfred Andersch (Autor), Hans Korte (Erzähler)
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Hörbuch-Download
  • Spieldauer: 2 Stunden und 24 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Ungekürzte Ausgabe
  • Verlag: Diogenes Verlag AG
  • Audible.de Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2007
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B002TVS70S
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

Produktbeschreibungen

In seinem letzten vollendeten Werk, 1980 postum erschienen, kehrt Alfred Andersch in seine Jugend zurück. München, Mai 1928. Der Schüler Franz Kien erleidet eine Unterrichtsstunde bei Herrn Himmler, Direktor des Wittelsbacher Gymnasiums, Altphilologe, großbürgerlicher Katholik und Vater des späteren Reichsführers der SS. Im Nachwort stellt der Autor die Frage: "Schützt Humanismus denn vor gar nichts?" Das literarische, moralische und politische Testament Alfred Anderschs.
(c)+(p) 2007 Diogenes Verlag AG

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Äußerst beklemmend 2. Oktober 2004
Von Bernhard Nowak TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Alfred Andersch hat in dieser autobiographischen Novelle das Ende seiner Schullaufbahn geschildert. Andersch, in der Erzählung Kien, wird im Mai 1928 in griechischer Grammatik geprüft - von seinem Direktor, dem Vater von Heinrich Himmler, dem späteren Reichsführer SS.

Dieses Buch besticht aufgrund von zwei Faktoren: zum einen schreibt Andersch einen glänzenden Stil. Ähnlich wie in Thorbergs: "Der Schüler Gerber" wird hier ein Schulalltag vorgeführt, der in Deutschland leider lange gang und gäbe gewesen ist. Schüler und Lehrer hatten kein kameradschaftliches Verhältnis, sondern obrigkeitsstaatliches Denken und Untertanenmentalität zeigen sich bereits in der Schule. Dem Direktor geht es nicht um Pädagogik, sondern er hat von Anfang an das Ziel, den ihm unbequemen Schüler von der Schule zu verweisen.

Der zweite Aspekt ist jedoch ein tiefergehender: dieser humanistisch gebildete, strenge Direktor ist Vater Heinrich Himmlers, eines bestialischen Massenmörders, der allerdings im Privaten, wenn man Joachim Fests Studie: "Das Gesicht des Dritten Reiches" folgt, im Privaten durch äußerste Pedanz und Spießigkeit aufgefallen ist. Wie kann - so fragte ich mich - ein Humanist einen solchen Sohn "zeugen"? Aber ist der Vater, der Direktor, ein Humanist? Nein, er ist - dies macht die Erzählung leider erschreckend deutlich - eigentlich ein Sadist, jemand, der mit Absicht den Schüler quält und diesen sein "Gesicht" verlieren lässt - insbesondere die Fragen nach den familiären Verhältnissen des Schülers machen dies deutlich.

Ich habe neben dem Buch den - hervorragenden - Film im Fernsehen gesehen. Selten hat mich ein Buch so gefesselt und "nicht mehr losgelassen". Mir ging es so: ich dachte, wie gut, dass es heute andere Schulverhältnisse gibt, dass das Lernen lockerer, leichter und besser geworden ist. Das Buch regt auch zum Nachdenken darüber an, inwieweit ein menschenverachtender Drill - und hier sehe ich durchaus auch Parallelen zum Primat des Militärs im Kaiserreich oder auch zwischen dem Direktor und der Figur des Himmelstoß in Remarques: "Im Westen nichts Neues" - Menschenverachtung, Hass und Spießertum hervorbringt. Hat der Direktor des Gymnasiums mit seinem Drill, der "Vater eines Mörders" mit seinem Sohn Heinrich Himmler das "geerntet", was er - angeblich im Geiste des Humanismus - gesäht hat? Diese Frage lässt einen nach dieser Lektüre nicht mehr los. Ein äußerst beeindruckendes Buch.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Sondereinband
Alfred Andersch ist es gelungen dem Leser einen deutlichen Eindruck des Erziehungswesens im beginnenden zwanzigsten Jahrhundert zu vermitteln und dabei die Sicht eines vierzehnjährigen Schülers zu dokumentieren. Dabei schafft er es überzeugend die Sicht eines ziellosen Minderjährigen auf seinen Direktor und den sich entwickelnden, wenngleich schon weit verbreiteten, Nationalsozialismus zu dokumentieren. Als Vergleich zu dieser Erzählung könnte man den Roman "Der Schüler Gerber" von Friedrich Thorberg heranziehen, der es vermag eine noch bedrückendere Dichte, eines ähnlichen Stoffes, zu erzeugen. Beide Bücher sind zu empfehlen, da sie dem heutigen Leser einen kleinen Einblick in die Traditionen, Strömungen und Entwicklungen dieser Zeit und ihrer Erziehungsweisen geben, die sich fatal bedingen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Leitwolf
Format:Sondereinband
Zunächst ist der Inhalt dieser Erzählung denkbar banal: eine Griechischstunde an einem Münchener Gymnasium Ende der 1920er Jahre. Allerdings schafft es der Autor auf gekonnte Art und Weise aus der Perspektive seines Alteregos Franz Kien eine unterhaltsame und durchaus informative Geschichte zu erzählen. So erfährt man einiges über den aus heutiger Sicht erschreckenden Schulalltag vor nun fast 80 Jahren und bekommt in vielen Nuancen die gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit nähergebracht.

Eine der Hauptfragen, die der Autor jedoch bewusst offen lässt ist, wie sich aus dem Sohn des Leiters eines humanistischen Gymnasiums einer der schlimmsten Verbrecher des 20. Jahrhunderts entwickeln konnte.

Sicherlich, die Art und Weise der Erzählung dürfte nicht jedermanns Sache sein, der Autor verwendet einen äußerst parataktischen Satzbau und da man das Geschehen alleine aus der Sicht Franz Kiens erzählt bekommt finden sich auch teilweise viele dialektische Einflüsse und Unkorrektheiten in der Sprache. So hat es Franz nicht sonderlich mit Genitiven, er benutzt lieber ein "dem sein" anstatt "dessen", was mich persönlich aber nicht sonderlich stört, da die Erzählung auf diese Weise an Authentizität gewinnt. Auch ergeht sich der Autor gerne in relativ langen beschreibenden Passagen, die aber ebenfalls stark zu der sehr guten Atmosphäre beitragen.

Da man das Buch im Normalfall in 2-3 Stunden durch hat, ist es die ideale Lektüre für einen Nachmittag bzw. Abend.
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