Niklas Frank ist ein Gezeichneter wider willen, gezeichnet vom Leben seiner Eltern. Der Vater war von einem einfachen Anwalt in München zum Generalgouverneur von Restpolen geworden, ein Duckmäuser und Trittbrettfahrer im nationalsozialistischen Establissment, der für seine Karriere alles tat und auch über hunderttausende Menschenleben mit einem kalten Federstrich hinweg ging. Bedeutsam hierfür sind die Dokumente, die Niklas Frank in seinem Buch über den Vater ausbreitet. Sie geben Zeugnis von einem in ideologischem, karrieregeilen Wahn lebenden Rassisten und Mörder.
Niklas Frank zeichnet damit aber auch nach, was totalitäre Regime und Diktaturen in Menschen und ganzen Familien anrichten können, wie sehr zurecht gelegte Weltanschauungen und Ideologien die Menschen zu Lasten anderer moralisch und rechtlich verstümmeln und sie glauben macht, dass Rassismus und industrieller Massenmord aus Habgier oder sonst irgendeiner anderen egoistischen Hinsicht zu rechtfertigen seien.
Niklas Franks Abrechnung konfrontiert den Vater immer wieder mit dessen eigenen Briefen, Reden und Verordnungen, in denen er als Nazibonze seine niederträchtige Spießermoral wissenschaftlich verbrämt oder einfach nur schön zu zeichnen versuchte. Gerade darin wird sein Buch zu einer entlarvenden Dokumentation: in den Reden des Vaters an der Univerrsität München im Jahre 1942, in der dieser die Rechtlichkeit der nationalsozialistischen, neufeudalen Diktatur, diesen Hitlerschen rassistischen Totalitarismus in rechtsstaatlichen Farben zu malen versuchte, aber alles der Lüge entlarvte, was bisher in diesem Staatswesen schon geschehen war.
Niklas Franks Abrechnung mit dem Vater ist auf dem Hintergrund dieser doppelbödigen Moral geprägt von einem abgrundtiefen Hass gegen die eigenen Eltern, denen er vorwirft, die Not ganzer Völker, deren Ausraubung und Ausrottung für ihr eigene Selbstbereicherung und Selbstbeweihräucherung missbraucht zu haben, nicht zuletzt, um ihm als Kind ein neofeudales Leben in Wohlstand und Luxus, als verhätscheltem Kronprinz auf der Krakauer Burg zu bieten. Aber Niklas Frank erwuchs hieraus nur eine tiefgründige psychische Belastung, von der er sich nicht befreien kann, da dieser Dr. Hans Frank auf immer sein Vater bleiben wird. Jedoch gelang ihm eine bezeichnende Beschreibung, wie solche menschenverachtenden Diktaturen in ihren innersten irrationalen Mechanismen zu funktionieren versuchen.
Daher kann man als Leser über dieses Buch nicht mehr sagen als das: Man muss es gelesen haben, will man wissen, was totalitäre Weltanschauungen und Ideologien, was Diktaturen und der Nationalsozialismus im speziellen inMenschen anrichten können, besonders was ihr Privates und Psychisches betrifft.
Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.