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Der Ursprung der Schönheit: Darwins größtes Dilemma
 
 
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Der Ursprung der Schönheit: Darwins größtes Dilemma [Gebundene Ausgabe]

Josef H. Reichholf
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 302 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 1 (18. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406587135
  • ISBN-13: 978-3406587139
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 42.739 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Schönheit, so meinte man lange zu wissen, habe in der Evolution nichts zu suchen, sei bestenfalls schmückende Zutat oder Handicap beim Kampf ums Überleben. Heute wissen wir: Schönheit ist nicht nur "Äußerlichkeit", sondern verweist auf ein inneres Potential. Weit davon entfernt, lediglich Anpassung zu sein, ist sie ein echter Ausdruck von Individualität. In seinem neuen Buch zeigt der bekannte Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf, wie eng die natürliche mit der sexuellen Auslese zusammenhängt, bei der Attraktivität die entscheidende Rolle spielt. Seine Schlussfolgerung: Schönheit und Schönheitsempfinden haben klare biologische Funktionen. Schon Tieren müssen wir Ästhetik zubilligen. Und auch die Rolle, die sie in der Evolution des Menschen spielt, bedarf einer radikalen Neubewertung. Die Kunst, so hat der französische Filmemacher François Truffaut einmal gesagt, bestehe darin, mit schönen Frauen schöne Dinge zu tun. Sollte er damit auch die Grundlagen des Ästhetischen beim Menschen beschrieben haben?

Über den Autor

Josef H. Reichholf, Evolutionsbiologe, ist Leiter der Wirbeltierabteilung an der Zoologischen Staatssammlung München und Professor für Ökologie und Naturschutz an der TU München. 2007 wurde er mit dem "Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa" ausgezeichnet.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Nicht nur im Augen eines einzelnen Betrachters liegt die Schönheit.
Josef H. Reichholf, von Haus aus Evolutionsbiologe, stellt bereits im Vorwort zum Buch fest, dass es durchaus objektive Kriterien für Schönheit gibt. Denn auch durch andere Augen wirken bestimmte Lebewesen schön. Beispiele führt er sodann genügend an. Vieles, was auch Menschen schön empfinden, hat seinen Platz in ganz konkreten Funktionen für ganz konkrete Adressaten. Der Gesang der Nachtigall gilt dem Nachtigallweibchen, die Schönheit der Blume gilt dem Anlocken von Insekten zur Fortpflanzung.

Schönheit also existiert in einem übergeordneten, die Arten durchbrechenden Sinn. Warum aber gibt es Schönheit? Dass ist das Thema, dem sich Reichholf zuwendet und einer Untersuchung zuführt. Hierbei verweist er zunächst auf ein Problem der Evolutionstheorie. Selbst Darwin stellte die Bevorzugung der Schönheit bei der Partnerwahl fest, aber Schönheit bedeutet ja zunächst, aufzufallen, herauszufallen aus der Masse und widerspricht damit seinem Postulat, dass Evolution bedeutet, sich immer besser an die Umwelt anzupassen.

Es scheint somit zunächst, als wäre sehr viel Unnötiges entstanden, dass dem Kampf ums Dasein zumindest nicht wirklich dient. Darwin löste diesen Widerspruch mit dem Begriff der "sexuellen Selektion" und fand somit ein erstes, nicht ganz befriedigendes Ordnungsprinzip. Auf diesem baut Reichholf nun zunächst auf, geht dieser sexuellen Selektion im Tierreich nach, findet eine Bedeutung der Symmetrien (es passt, was zusammen passt) und wirft dann einen hoch interessanten und hervorragend dargestellten Blick auf die "Schönheit" beim Menschen. Hier liegen doch einige wesentliche Unterscheidungen zum Tierreich vor. Die Kunst führt Reichholf hier als Ausdrucksform menschlicher Schönheit und Schönheitsempfindungen an, ebenso konstatiert Reichholf eine übersteigerte Bedeutung der Schönheit beim Menschen, die so das funktionale der sexuellen Selektion deutlich überschreitet. Der Autor finden Antworten unter anderem darin, dass Menschen einander umgehend zunächst nach äußeren Kriterien vor allem in ihrer sozialen Bedeutung einordnen, das Äußere somit der Ort des 'Ersturteils' für Menschen ist.

So kann Reichsholf zu dem Schluss vordringen, dass der Ursprung der Schönheit einerseits in der sexuellen Selektion zu finden ist, aber in der menschlichen Entwicklung deutlich darüber hinausgeht.

In der Quintessenz wird deutlich, dass hier die Evolutionstheorie eine Korrektur erfährt. Schönheit ist nicht "unnütze Zugabe" oder gar "Hindernis", Anpassung ist eben nicht an jedem Ort, zu jedem Preis und mit höchster Annäherung ein Konzept des bestmöglichen Überlebens. Es ist ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, sich von der Umwelt abzugrenzen und zu lösen. Je besser diese Abgrenzung gelingt, desto mehr können die entsprechenden Individuen leisten. Die Evolution eröffnet somit immer wieder fortschreitende Freiheitsgrade, sich in Richtung einer "Schönheit" zu entwickeln, auch mit Hilfsmitteln (Mode) und damit mögliche Alleinstellungsmerkmale sich zu schaffen. Schönheit verweist daher von der äußern Betrachtung her auf vorliegende, innere Möglichkeiten.

Ein interessanter Ansatz, eine saubere Argumentation, wenn auch manches Mal in den Betrachtungen zu kleinteilig angelegt und damit hier und da mühsam zu lesen, ist es, die der Autor vorlegt. Auf dem Weg von der Bobachtung der Schönheit zu deren Ursprung und deren Bedeutung und versehen mit einem Ausblick auf die notwendige individuelle Entwicklung öffnet Josef H. Reichsholf ein breites Themenfeld für eine objektive Betrachtung und eine noch anstehende philosophische Deutung. Das Buch ist ein Fachbuch und als solches in der Form und sprachlich konzipiert und muss dementsprechend erarbeitet werden, eröffnet dann aber einen interessanten Blick auf die und das "Schöne" und seine Hintergründe.
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Brillante Analyse! 4. April 2011
Von Stefan Erlemann HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
In "Der Ursprung der Schönheit ' Darwins größtes Dilemma" versucht Josef H. Reichholf zu klären, warum es in der Natur offensichtlich die Tendenz gibt, schöne Lebewesen entstehen zu lassen.
Zunächst legt der Autor dar, dass Schönheit nicht nur subjektiv im Auge des Betrachters existiert, sondern durchaus objektiven Kriterien genügt und nicht wegzudenken ist aus der Tier- und Menschenwelt. Dafür nimmt er sich im ersten Kapitel zweier Fallbeispiele an, die er sehr genau analysiert.
Zum einen ist dies der Pfau, zum anderen der Hirsch. Neben weiteren Tieren sind es diese beiden Arten, die schon Darwin fast um den Verstand brachten. Warum hat der Pfau ein derart hinderliches, störendes und offensichtlich nach extremer Verschwendung schreiendes Federkleid entwickelt? Warum der Hirsch ein Geweih, das viel zu groß, sinnlos und verschwenderisch erscheint.
Reichholf legt dar, dass sowohl das Pfauenrad als auch das Hirschgeweih nicht im mindesten Verschwendung, Luxus oder Überfluss ist, sondern sehr exakt dem Output des weiblichen Stoffwechsels bei der Produktion des Nachwuchses entspricht und weder das Tier behindert ' ja, auch der Pfau ist nicht durch die meterlange Schleppe behindert oder in seiner Beweglichkeit eingeschränkt - noch in der Evolution eine Sackgasse bildet, die die Art benachteiligt oder das männliche Tier dem Untergang entgegen treibt.
Im zweiten Kapitel widmet sich Reichholf dem Ursprung der Schönheit und den ihr inneliegenden Symmetrien ehe er sich im dritten Teil seines Buches dem Menschen zuwendet.

Josef H. Reichholf widmet sich einem Thema, das in Evolutionstheorien sträflich missachtet oder gar absichtlich ausgeblendet wird. Als subjektiv, rudimentär und zu variabel gilt "Schönheit" als unwissenschaftlicher Begriff. Als nicht fassbare, nicht quantifizierbare und mit Sicherheit nicht verifizierbare Kategorie, die einzig der Mensch in die Diskussion einbringt und eher philosophisch-soziologisch definiert.

Doch weit gefehlt. In einer ausufernd kleinschrittigen Analyse legt Reichholf dar, wie sehr sich Evolutionstheoretiker und Biologen irren. Schönheit ist objektiv vorhanden, hat im Sinne der Evolution ihren Sinn und ist mitnichten Beiwerk und Fassade. Ganz im Gegenteil, die Evolution hat mit der Schönheit eine Waffe, die die weitestgehend gleichen inneren Bedingungen erst zu äußerlich unterscheidbaren Individuen werden lässt. Erst durch die Schönheit wird "der Kampf ums Dasein" sinnvoll, zielgerichtet und verständlich. Erst die Schönheit offenbart, welch extreme Freiheitsgrade die Umwelt dem einzelnen Lebewesen ermöglicht. Dieser fast vergessene Faktor, gern übersehen, allenfalls mit Bachschmerzen in die Theorien eingepasst, ist das eigentliche Nadelöhr, die vielleicht entscheidende Essenz, die eine Menschwerdung erst möglich machte und den Homo sapiens zum modernen, augenscheinlich sehr von Umwelt und Evolution abgelösten Kulturwesen macht.

Reichholfs Buch ist brillant in seinen Schlussfolgerungen, argumentativ schlüssig und analytisch trennscharf. Es macht Spaß dem Autor auf dem schwierigen Weg hin zu einer ersten Erklärung der Schönheit zu folgen. Im Mittelteil des Buches sind wichtige Aspekte dieser Analyse durch sehr gute Farbfotografien illustriert.

Leider ist es auch furchtbar langwierig in seinen extrem kleinschrittigen Erläuterungen. Viel zu oft lässt der Autor sein enormes Wissen über Vögel einfließen, gibt sich der Versuchung hin, noch ein ausufernd genaues Beispiel anzuführen. Darunter leiden der Lesefluss und leider auch der Schluss des Buches, der allzu hastig, knapp und nicht zu Ende gedacht wirkt.
"Der Ursprung der Schönheit" sollte jeder an Evolution interessierte Leser unbedingt durchlesen, es lohnt sich sehr dem Sinn der Schönheit, die uns überall in der belebten Natur begegnet, auf die Spur zu kommen.

Stefan Erlemann
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Das Phänomen des Schönen festzumachen allein am geschlechtsspezifischen Aussehen und Verhalten von Lebewesen im Zusammenhang mit Darwins "Sexueller Selektion" stellt für mich eine nicht vertretbare Vereinfachung dar. Die etwa 300 Seiten des Buches dienen allein der Begründung, warum bei den Instinkt geleiteten Tieren, insbesondere den Vögeln, die Männchen das "Schöne Geschlecht" darstellen und bei den bewusst agierenden Menschen die Frauen diese Rolle übernehmen. Wie hätten unsere Vordenker in Sachen Ästhetik, der Philosoph Kant und der Dichter Schiller, über einen solchen Ansatz geurteilt? Eine rhetorische Frage!
Was ist nun der Ursprung der Schönheit? Warum gibt es sie? Wenn ich mich als Biologe auf die Spuren Darwins und seiner Interpreten begebe, komme ich meinerseits zu der Erkenntnis, dass sich das Schöne in unserer Stammesgeschichte als ein dem (Über)Leben dienender "Wegweiser" hin zum Nützlichen (nie Abträglichen!) bewährt hat. Natürlich gehört auch die Sexualität dazu, aber nicht mit einem Ursprungsanspruch, sondern allenfalls, wie auch hier mitunter geschehen, zur Veranschaulichung von Zusammenhängen.
Was für unsere Stammesgeschichte gilt, hat auch Gültigkeit für unsere Kulturgeschichte. Die Schönheit weist den Weg zum Guten und Wahren: der schöne gute Held, die schöne gesunde Kost, die schönen Sinn vermittelnden Künste, die schöne für den Menschen typische glücklich machende Liebe (Zusammengehörigkeitsgefühl, nicht Erotik bzw. "tierlicher" Sex!) und das schöne "Heureka!" der problemlösenden Wissenschaft. Die Inschrift am Dachfries der Alten Oper in Frankfurt, "Dem Wahren Schönen Guten", dokumentiert die Zusammmengehörigkeit dieser Begriffe.
Von alledem erfahren wir bei Reichholf wenig oder nichts! Ich hätte mir weniger Vogelbalz, -gefieder und -gezwitscher (über 100 Seiten lang!) gewünscht und mehr Bezugnahme auf das typische menschliche Schöne (nur 50 Seiten) und damit ein Mehr an Kongruenz von Titel und Inhalt des Buches.
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