Eins vorweg: Ich kann es vollkommen verstehen, wenn man Thomas Bernhard nicht mag. Sein Stil ist so singulär und außergewöhnlich, dass er seine Leser einfach zwangsläufig in zwei Lager spalten muss. Mit der Ausgabe aus der "SZ-Bibliothek" hat man nun jedoch die einmalige Möglichkeit, sich für ein paar Euro in die Welt des Österreichers einlesen zu können, um festzustellen, zu welchem Lager man sich fortan zählen kann. Und wer mit Bernhard etwas anfangen kann, dem kann ich einige höchst unterhaltsame Lesestunden garantieren. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß auf den Busfahrten meiner letzten Woche und musste mich teilweise mit dem Lachen vor den anderen Fahrgästen zurückhalten - obwohl die Thematik des Buches ganz und gar nicht zum Lachen ist: Es geht permanent um Tod, Verderben, Selbstmord, Zugrundegehen, Verzweiflung, Scheitern, Wahnsinn, kurz: um den Untergang. Dies wird aber in einer solchen vollkommen übertriebenen Drastik und Skurrilität formuliert, dass es (für mich jedenfalls!) einfach nur noch komisch ist. Wo in anderen Romanen noch Auswege oder positive Entwicklungen nach Rückschlägen und Fehltritten der Charaktere gesucht werden, ist hier schlichtweg alles vollkommen aussichtslos. Wunderbar! Ich habe schon früher ein paar andere Erzählungen von Bernhard gelesen, aber so genial wie "Der Untergeher" war nichts davon. Zwei Tipps also: 1. einfach mal reinlesen, 2. auf keinen Fall die gute Laune beim Lesen verlieren. Und vielleicht noch ein dritter: Nicht zu viel am Stück lesen, sondern sich die knapp 160 Seiten einteilen, damit die Bernhard-typischen zyklischen Satzstrukturen mit ihren Wiederholungen nie langweilen.