In "Der Untergang der Shaido" nimmt die Geschichte wieder etwas an Tempo zu, leider hält das Buch dennoch nicht, was der Titel verspricht: der Untergang der Shaido ist eher ein Nebenschauplatz, die Entwicklung zur und die finale Schlacht selbst werden relativ schnell abgehandelt. Das kann Jordan besser, wenn man z.B. an die Brunnen von Dumai denkt.
Hier muß er sich den Vorwurf machen lassen, einen langwierig aufgebauten Handlungsstrang ziemlich lieblos beendet zu haben.
Alte Kritikpunkte bleiben ebenfalls: Nynaeve reißt wieder endlos an ihrem Zopf, Elayne richtet ihre Röcke... sicher, das gehört alles zur Saga, muß in Band 31 jedoch nicht mehr in dieser Häufigkeit vorkommen.
Einen ganz neuen Aspekt habe ich bei Elayne entdeckt:
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Als Elayne entführt und kurz darauf wieder befreit wird, sterben bei ihrer Befreiung Tausende ihrer Soldaten durch Baalsfeuer und ähnlichen Gebrauch der Macht durch die schwarze Ajah. Sekunden nachdem sie also befreit ist, lacht sie froh und munter - und wünscht sich ein heißes Bad.
Das ist ganz klar das Verhalten und der Gedanke, den man sehr gut nachvollziehen kann, wenn man frisch befreit inmitten Tausender Leichen steht... die alle für einen selbst gestorben sind. Hier geht Jordan einen Weg ganz neuer Oberflächlichkeit.
Spaß gemacht haben mir beim Lesen die Abschnitte mit Rand und Mat, deren Geschichte geht zügig voran, die Charaktere agieren stimmig und die Erzählweise ist spannend.
Fazit: der Autor versucht, einige lose Handlungsstränge aufzugreifen und auf die Zielgerade zu Tarmon Gaidon einzuschwenken. Das macht er leider bei manchen Charakteren etwas herzlos. So verschwinden die Shaido, die die Feuchtlande seit vielen Bänden plagen, relativ sang- und klanglos aus der Geschichte (vermutlich, vielleicht bergen zukünftige Bände noch Überraschungen!), die Schwestern der schwarzen Ajah begehen nach jahrelangem geschicktem Ränkespiel *ganz plötzlich* kapitale Fehler und werden entlarvt und gefangengenommen, die tausend Jahre alte männerhassende rote Ajah voller Betonkopf-Aes Sedai zieht es plötzlich in Erwägung, sich mit Ashaman zu verbinden. Das alles wird nicht glaubwürdig vermittelt, sondern kommt blitzartig daher. Das ist einerseits gut, denn sonst wird die Geschichte vielleicht nicht mehr zu Lebzeiten des Autors fertiggestellt, andererseits hält er sich seitenlang an Stellen auf, die langatmig sind und zum großen Finale wenig beitragen, beispielsweise Elaynes Regentschaft über Andor und die Unterstützung der Adelshäuser, die sie dafür benötigt...
Der Fan der Reihe verschlingt das Buch dennoch, so wie ich es auch verschlungen habe, und hofft auf den bzw. die nächsten Bände. Er ist nicht schlecht, aber ich kenne von Robert Jordan bessere, vor allem glaubwürdigere.
Das Festhalten des deutschen Verlages an der Praxis, einen englischen Band in zwei oder mehrere deutsche Bände aufzuteilen, ist bedauerlich, zumal jedem deutschen Band auch noch eine Mogelpackung in Form von (überflüssigem) Vorwort und Glossar mitgegeben wird.