Rezension zu: "Der Untergang der Lusitania - Tragödie eines Luxusliners"
Zum historischen Hintergrund:
Die RMS "Lusitania" war ein Passagierdampfer der britischen Reederei Cunard Line. 1915 wurde die Lusitania vor der Südküste Irlands von einem deutschen U-Boot versenkt. Dieser Zwischenfall kostete rund 1.200 Menschen das Leben. Die Proteste der USA über den Tod von 128 US-Amerikanern führten zur Einstellung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch Deutschland bis 1917. Gemessen an der Zahl der Todesopfer war die Versenkung der "Lusitania" der größte Schiffsverlust im Ersten Weltkrieg.
Die "Lusitania" war durch Regierungskredit faktisch mehrheitlich Eigentum des Staates. Daher behielt sich die Führung der Royal Navy gewisse Mitbestimmungsrechte für seinen Betrieb vor. Dies betraf insbesondere den Transport kriegswichtiger Güter. Die "Lusitania" transportierte während des Krieges auf allen Überfahrten in östlicher Richtung Munition und andere kriegswichtige Güter. Die "Lusitania" war damit legitimes Ziel für einen Angriff durch deutsche Seestreitkräfte. In diesem Zusammenhang erging eine Warnung des deutschen Außenministeriums an die USA, dass "angesichts des Missbrauchs neutraler Flaggen durch Großbritannien Fehler nicht immer zu vermeiden wären". Nach Bekanntgabe dieses Schreibens kam es zu einer Anfrage des britischen Außenministers an den Berater des US-Präsidenten, was Amerika tun werde, wenn die Deutschen ein Passagierschiff mit amerikanischen Touristen versenken? Dieser antwortete, dass dies zum Krieg führen würde.
Am 22. April 1915 veröffentlichte die Kaiserliche Deutsche Botschaft eine Warnung in den fünfzig größten amerikanischen Zeitungen, die direkt neben die Abfahrtszeiten der Transatlantikdampfer gesetzt wurde. Gewarnt wurden amerikanische Passagiere davor, mit britischen Schiffen zu reisen, da der deutschen Führung bekannt war, dass diese Waffen, Munition und andere kriegswichtige Güter geladen hatten und damit legitime potentielle Ziele für deutsche U-Boote waren.
Am Morgen des 7. Mai 1915 erreichte die "Lusitania" die Südküste Irlands. Das deutschen U-Bootes U 20 entdeckte die "Lusitania" etwa um 13:20 Uhr von Westen kommend und leitete den Angriff ein. Der Kommandant, Kapitänleutnant Walther Schwieger, der das Schiff rasch als "Lusitania" oder "Mauretania" identifizieren konnte, gab um etwa 14:10 Uhr den Befehl, einen Torpedo auf eine Entfernung von 700 Metern abzuschiessen. Der Torpedo traf die Steuerbordseite der "Lusitania" etwa auf Höhe der Kommandobrücke. Die Detonation riss den Kohlenbunker für Kesselraum Nr. 1 auf einer Fläche von etwa 18 m² auf. Nur kurze Zeit später erfolgte eine zweite, wesentlich stärkere Detonation, die den Sinkvorgang des Schiffes rapide beschleunigte. In nur 18 Minuten sank das Schiff und forderte 1200 Todesopfer.
Zur Bewertung:
Eine interessante Dokumentation, die fairerweise die wahren Ursachen des Untergangs der "RMS Lusitania" schildert.
Winston Churchill (1874-1965) war von 1911-1915 "Erster Lord der Admiralität", ein Amt, das in etwa einem "Marineminister" entspricht. Nach Meinung einiger Autoren soll Churchill dafür verantwortlich gewesen sein, dass die britische Admiralität im Jahr 1915 den Passagierdampfer "RMS Lusitania", der zivile Passagiere und Rüstungsgüter von New York nach Liverpool transportierte, nicht rechtzeitig vor einem deutschen U-Boot gewarnt hat, um dadurch die USA zum Kriegseintritt auf Seiten der Entente zu bewegen. Allerdings konnte bis heute kein dokumentarischer Beleg für ihre These gefunden werden.
Wahrscheinlicher ist aber, dass der clevere Churchill erst nach der Versenkung die Chance nutzte, um die Deutschen zu dämonisieren und die USA zum Kriegseintritt gegen Deutschland zu bewegen. Später gab Churchill dies auch zu.
Der deutsche U-Boot-Kommandant, Kapitänleutnant Walther Schwieger (1885-1917), wurde sofort auf die Alliierten-Liste der Kriegsverbrecher gesetzt und ein entsprechendes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. 1917 wurden er und sein U-Boot Opfer einer britischen Minensperre. Schwieger handelte damals nach Kriegsrecht, als er die "Lusitania" angriff. Auch schoss er nur ein Torpedo ab und war selbst erstaunt über den raschen Untergang des Schiffes. Dass die Briten auf Passagierschiffen Waffen, Munition und andere kriegswichtige Güter transportierten, sorgte dafür, dass diese Schiffe legitim versenkt werden durften. Somit ist auch die damalige britische Regierung verantwortlich für die unschuldigen getöteten Zivilisten.
FAZIT:
"Der Untergang der Lusitania" ist eine deutsch-britische Koproduktion und ein gut gemachtes 90-minütiges TV-Dokudrama
(BBC, NDR) und schildert die Ereignisse sachlich und neutral. Es zeigt, wie nach der Versenkung des britischen Luxus-
liners "Lusitania" durch das deutsche U-Boot U 20 am 7. Mai 1915, Deutschland weltweit geächtet wurde und den Eintritt
der USA in den Ersten Weltkrieg nach sich zog.
Als Rahmenhandlung dient der Professor Holbourn (John Hannah), der mit der "Lusitania" auf dem Weg in seine schottische
Heimat ist und auch als Erzähler fungiert. Der Film läuft sehr gemächlich an und verläuft auch eher wie ein Dokumentar-
spiel. Kein Action- oder Katastrophenfilm im herkömmlichem Sinne. Dafür werden die historischen Hintergründe sorgfältig
und gut recherchiert geschildert. Auch die Spezialeffekte sind sehr gut. Die U-Boot-Szenen entstanden auf dem Bavaria-
Film-Gelände in München. Die Innenaufnahmen der "Lusitania" sind in Südafrika entstanden: Kapstadt war einer der Häfen,
die die Reederei des Schiffes regelmäßig anlief. Dort wurde das bis heute berühmte "Hotel Mount Nelson" errichtet, dessen
Räumlichkeiten denen eines luxuriösen Dampfers nachempfunden waren.
Der eigentliche Untergang der "Lusitania" wurde übrigens in Echtzeit gefilmt; nach exakt 18 Minuten ist der Spuk vorbei.
Die Bild- und Ton-Qualität dieser DVD ist sehr gut. Dieses TV-Dokudrama ist absolut sehens- und empfehlenswert.