Zunächst: Bei diesem Buch handelt es sich um ein Sachbuch und nicht etwa um einen auf Tatsachen basierenden Abenteuerroman. Mike Dash trägt die Ereignisse aufgrund umfangreicher Recherchen in zeitgenössischen Quellen wie Tagebuchaufzeichnungen und Briefen Überlebender sowie Archiven niederländischer Städte zusammen, sodass es sich hier um ein fast wissenschaftlich zu nennendes, aber gut lesbares und spannendes Werk handelt.
Die chronologische Rekonstruktion des Schiffsbruchs der Batavia als einer der grössten und teuersten Ostindienfahrer seiner Zeit wird ergänzt durch umfangreiche Beschreibungen der Zustände auf den Handelsschiffen, Lebensbedingungen in den Städten und Kolonien, nicht zuletzt in der Hierarchie der grossen Handelsgesellschaften. Dashs Versuch, die biografischen Einzelheiten möglichst vieler beteiligter Personen und Augenzeugen zusammenzutragen, fügt die Details der individuellen Schicksale zu einem sehr plastischen Bild des damaligen Alltagslebens. Aber auch Ausnahmezustände wie Schiffsbruch und Meuterei, immerhin Thema dieses Buches, verlieren anhand der trocken geschilderten Fakten des täglichen Kampfes ums nackte Überleben schnell die "Robinson" und "Bounty"-Romantik, sodass der deutsche Untertitel "Sie landeten im Paradies.." kaum aus der Feder von jemandem stammt, der das Buch gelesen hat ...
Einziger Kritikpunkt an diesem lesenswerten Buch: Die umfangreichen Fussnoten (ich habe mit 2 Lesezeichen "gearbeitet") könnten geschickter im Interesse des Lesers zusammengestellt sein: mehrmals hätten Fussnoten besser in den Text gepasst, da zum Verständnis der Umstände nicht unwichtig; teilweise beinhalten sie auch "Vorgriffe", d.h. hätten durchaus in spätere Kapitel aufgenommen werden können, und nehmen so unnötig Spannung für denjenigen, der nicht weiss, was auf dieser Reise noch geschehen wird. M.E. aber verzeihlich, da es sich, wie gesagt, um ein Sachbuch handelt.