Hofmannsthal hat sein Lustspiel „Der Unbestechliche" in einem Sommer so nebenhin aufgeschrieben und eigentlich nicht als einen zentralen Teil seines ¼uvres betrachtet, obwohl das seine Freunde meistens tun.
Ich nehme an, das war 1922, denn das Stück wurde am 16.3.1923 uraufgeführt.
Und viel von der warmen Sommerluft - es muss warm gewesen sein - ist auf die Bühne herübergezogen.
„Der Unbestechliche" ist nicht hundertprozentig ein Drama, das man mit Gustav Freytags Kodex für den Dramatiker - „Die Technik des Dramas" (1863) - entschuldigen könnte. Nein, Hofmannsthal leistet sich hier einen filmischen, süß dahinfließenden soziopsychologischen Bilderbogen - nur mit Leuten auf der Bühne, und die reden so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
Äußerlich geschieht nicht allzu viel.
Innerlich dafür umso mehr.
Baron Jaromir hat zwei ehemalige Freundinnen eingeladen. Der Diener Theodor - der „Unbestechliche" - will die sich anbahnende würdelose Situation entschärfen. Er nennt sie verharmlosend ein „Techtelmechtel".
Dabei ist er keineswegs einer überholten Auffassung vom Verhältnis der Geschlechter verhaftet. - Was er auch nur schlecht sein kann, denn es handelt sich bei ihm um eine Hofmannsthalsche Idealfigur, und Hofmannsthal hat auch schon mal in einem andren Theaterstück - „Der Schwierige" (uraufgeführt 1921, also zwei Jahre vorher) - einen männlichen Helden sagen lassen, dass von der und der durch etwaige amouröse Abenteuer in ihrer Vergangenheit ihr Reiz für ihn nur noch erhöht würde.
Theodor macht sich auch keine Panik davor, dass er irgendwelche Frauen zu sehr als Opfer hinstellen könnte. „Diese Marie, das ist doch eine Blume, die er geknickt hat."
Überhaupt kennzeichnet es ihn, dass er vollkommen entspannt vorgeht, nie unruhig wird und sogar die Nerven hat, um sich mal richtig vorbeizubenehmen.