Poimen sagt klar: Alles Übermaß ist von den Dämonen (Apo 703)
Man unterscheidet 8 Laster: Völlerei, Unzucht, Habsucht, Traurigkeit, Zorn, acedia, Ruhmsucht und Stolz. Die Gliederung der 8 Laster erfolgt nach der platonischen Dreiteilung der Seele. Die ersten 3 (Völlerei, Unzucht, Habsucht) werden dem begehrlichen Teil (epithymia) die nächsten 3 (Traurigkeit, Zorn, acedia) dem erregbaren oder emotionalen Teil (thymos) und die zwei letzten (Ruhmsucht und Stolz) dem geistigen Teil (nous) zugeordnet.
Die ersten 3 Laster sind Grundtriebe. Sie gilt es zu integrieren und ihnen das rechte Maß zuzuweisen. Die 3 nächsten Laster sind negative Stimmungen, die weit schwieriger zu bewältigen sind. Der richtige Umgang mit ihnen erfordert seelisches Gleichgewicht und eine innere Reife, die nur durch ehrliche Auseinandersetzung mit den Gedanken und Stimmungen und durch ein vorbehaltloses Sich öffnen Gott gegenüber zu erreichen ist. Noch schwieriger sind die beiden letzten Laster zu bekämpfen, da der Geist am wenigsten zu bändigen ist.
Zwei wirksame Waffen gegen die Dämonen gibt es: Einmal ist es wichtig, den Dämon zu benennen... Sobald wir einen Gedanken, eine Absicht, ein Gefühl, eine Leidenschaft beim Namen nennen, haben wir schon eine gewisse Distanz dazu gewonnen.
Die zweite Waffe, die Evagrius empfiehlt ist die sog. Antirrhetische Methode: Man soll dem Dämon ganz bestimmte Worte entgegenschleudern (sinnvoller Gebrauch des Zorns)
Ein Beispiel für das Laster der Habsucht:
Verschließe deine Hand nicht vor dem Bedürftigen, sondern öffne sie ihm und gib ihm, soviel er bittet. (Dt 15,17 f) (Anti III, 9)
Gegen die Gedanken des Zorns:
Zürnt ihr, so sündigt nicht, die Sonne soll nicht untergehen über eurem Zorn (Eph 4,20 f) (Anti V,49)
Gegen acedia:
Verlasse dich auf den Herrn, und tue, was recht ist. (Ps 47,3) (Anti VI,14)
Verkehre mit den Weisen und du wirst ein Weiser (Spr 13,20) (Anti VIII,33
Evagrius empfiehlt gegen die Völlerei, dass man die Sättigung meiden und sich mit wenig Wasser zufrieden geben solle.. Gegen die Unzucht empfiehlt er sparsames trinken, die Habsucht wird besiegt durch das Austeilen von Almosen, gegen die Traurigkeit kämpft man, indem man die Anhänglichkeit an die Dinge überwindet, denn wenn man die Ursache der Traurigkeit nicht beseitigt, halten Tröstungen wie Essen, Trinken und Musikhören immer kürzer an. Daher muß ich meine Einstellung zu den Dingen ändern. Ich darf nicht an ihnen hängen, weder an Menschen, noch am Besitz noch am Erfolg. Evagrius empfiehlt den Psalmengesang und das Gebet, die die Traurigkeit vertreiben.
Gegen den Zorn helfen Barmherzigkeit und Milde. Daher ist es wichtig, positive Gefühle zu entwickeln und die Sonne nicht untergehen zu lassen über unserm Zorn. Auch Einsamkeit ist für den Zornigen Gift.
Evagrius rät für den Kampf gegen die acedia zu einem geregelten Leben. Wer seinem Leben eine feste Ordnung gibt, klug angeordnet im Wechsel von Gebet und Arbeit, Spannung und Entspannung, der überwindet die Anfechtung der acedia.
Gegen den Dämon des Stolzes richtet sich folgender Rat: Erinnere dich deines früheren Lebens und deiner alten Fehler, wie du den Leidenschaften unterworfen warst.