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Der Turm. Der dunkle Turm 7.
 
 
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Der Turm. Der dunkle Turm 7. [Gebundene Ausgabe]

Stephen King , Wulf Bergner
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (142 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Spannung und Melancholie -- das sind die Hauptzutaten des düsteren Gerichtes, das Stephen King seinen treuen Lesern im Laufe von dreißig Jahren in sieben Gängen serviert hat. Jetzt endlich liegt der abschließende Band der Saga um den “Dunklen Turm” vor, in dem Roland ans Ziel seiner langen Reise gelangt und alle offenen Fragen beantwortet werden. Wirklich alle?

Die Ankunft des Widersachers Mordred im ersten Teil des Buches wirft ihren Schatten über die ganzen 1.000 Seiten. Dass sich King dabei ebenso metaphorisch wie im Wortsinn einer Geburtsszene bedient, gehört zu den Höhepunkten der ganzen Serie. Der zweite Teil ist von zahlreichen Einzelheiten und Abschweifungen geprägt, die die Geduld mancher Leser auf eine harte Probe stellen mögen. Die im Rückblick erzählte Lebensgeschichte eines Telepathen ist allerdings eindeutig ein Highlight des Romans.

Endgültig in das Land der “metafiction” begibt sich der dritte Teil: Hier greift der Autor selbst -- nicht zum ersten Mal im “Dunklen Turm” -- in die Romanhandlung ein, und zwar nicht etwa nur in Form von erläuternden Einschüben, sondern durchaus in Person; die literarische Postmoderne hat auch Stephen King eingeholt. Teil Vier beginnt mit einer Verfolgungsjagd, die einem H. P. Lovecraft zur Ehre gereicht hätte, und schließt mit einem -- vermutlich absichtlich -- unharmonischen Ende.

Stephen King hat selbst geäußert, dass die Saga um den “Dunklen Turm” seine Fähigkeiten als Schriftsteller gelegentlich zu übersteigen drohte. Besonders auf die letzten drei Bände trifft das zu, sie laufen ihm nicht selten etwas aus dem Ruder. Trotzdem bleibt ein positiver Gesamteindruck zurück, denn Kings stets präsente Ironie und seine gekonnte Selbstbezüglichkeit heben dieses Großwerk weit über das Niveau gewöhnlicher Abenteuergeschichten hinaus. Was sich von der Qualität der Übersetzung leider nicht behaupten lässt ... --Felix Darwin

Pressestimmen

Die Geschichte von Roland ist vollbracht. Ich hoffe, sie bereitet Freude. Ich habe mich jedenfalls königlich amüsiert.« (Stephen King )

"Mehr als dreißig Jahre und sieben Bücher waren nötig, um diese Geschichte zu erzählen, die kein Western, kein Roadmovie, kein Chanson de geste, kein sehr langer Reiseroman und kein romantisch-episches Gedicht ist, sondern ein bißchen von alledem […]. Der letzte Band dieser Riesenerzählung, der soeben erschienen ist und so heißt wie die Serie insgesamt, ist das beste Buch, das King seit mindestens zehn Jahren geschrieben hat." (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

"Mit dem Abschluss seiner Geschichte, dem vorgeblich letzten veröffentlichten Werk seiner Laufbahn, hat King zweifellos den Höhepunkt seines literarischen Schaffens erreicht." (Publishers Weekly )

Kurzbeschreibung

Kings wichtigstes Werk findet seinen krönenden Abschluss

Der neue große Roman von Stephen King ist gleichzeitig das grandiose Finale seines Zyklus um den Dunklen Turm. Sein Held Roland, der Revolvermann, und seine Gefährten sind am Ende eines langen Weges angekommen.

Über dreißig Jahre hat Stephen King an seinem Opus magnum im Geiste und auf Papier gefeilt und geschrieben. Nun steht sein Held, der Revolvermann Roland, vor dem „Dunklen Turm“, wo seine Suche endet. Mit „Der Turm“ liefert Stephen King das große Finale eines Romanzyklus, der schon jetzt als moderner Klassiker gilt und in einem Atemzug mit „Der Herr der Ringe“ genannt werden muss.

Klappentext

Die Geschichte von Roland ist vollbracht. Ich hoffe, sie bereitet Freude. Ich habe mich jedenfalls königlich amüsiert.«
Stephen King

"Mehr als dreißig Jahre und sieben Bücher waren nötig, um diese Geschichte zu erzählen, die kein Western, kein Roadmovie, kein Chanson de geste, kein sehr langer Reiseroman und kein romantisch-episches Gedicht ist, sondern ein bißchen von alledem [...]. Der letzte Band dieser Riesenerzählung, der soeben erschienen ist und so heißt wie die Serie insgesamt, ist das beste Buch, das King seit mindestens zehn Jahren geschrieben hat."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Mit dem Abschluss seiner Geschichte, dem vorgeblich letzten veröffentlichten Werk seiner Laufbahn, hat King zweifellos den Höhepunkt seines literarischen Schaffens erreicht."
Publishers Weekly

Über den Autor

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, "Carrie", erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

TEIL EINS
DER KLEINE ROTE KÖNIG
DAN-TETE

Kapitel I
CALLAHAN UND DIE VAMPIRE
1
Pere Don Callahan war einst der katholische Geistliche einer Kleinstadt gewesen – Jerusalem’s Lot hatte sie geheißen –, die auf keiner Landkarte mehr existierte. Das kümmerte ihn jetzt nicht mehr viel. Begriffe wie Realität hatten aufgehört, für ihn eine Rolle zu spielen.
Dieser ehemalige Priester hielt jetzt einen heidnischen Gegenstand in der Hand, eine fein aus Elfenbein geschnitzte kleine Schildkröte. Ihr Maul war durch einen winzigen Spalt entstellt, und ihr Panzer wies einen Kratzer in Form eines Fragezeichens auf, aber sonst war sie ein schönes Stück.
Schön und machtvoll. Er konnte ihre Kraft wie elektrische Spannung in den Händen spüren.
»Wie schön sie ist!«, flüsterte er dem neben ihm stehenden Jungen zu. »Ist sie die Schildkröte Maturin? Das ist sie, nicht wahr?«
Der Junge hieß Jake Chambers, und er war einen weiten Weg gegangen, um fast wieder zu seinem Ausgangspunkt hier in Manhattan zurückzukehren. »Weiß ich nicht«, sagte er. »Vermutlich. Susannah nennt sie Sköldpadda, und sie kann uns vielleicht helfen, aber sie kann die Killer, die uns dort drinnen erwarten, nicht töten.« Er nickte zum Dixie Pig hinüber und fragte sich, ob er statt Susannah nicht Mia meinte. Früher hätte er behauptet, das spiele keine Rolle, weil die beiden Frauen so eng miteinander verwoben seien. Inzwischen glaubte er jedoch, dass es wichtig war – oder es bald sein würde.
»Bist du bereit dazu?«, fragte Jake den Pere und meinte damit: Wirst du standhalten? Wirst du kämpfen? Wirst du töten?
»O ja«, sagte Callahan ruhig. Er steckte die Elfenbeinschildkröte mit den weisen Augen und dem zerkratzten Panzer wieder in seine Brusttasche mit den Reservepatronen für die Pistole, mit der er bewaffnet war, und klopfte dann auf das kunstvoll geschnitzte Ding, um sich zu vergewissern, dass es dort sicher aufgehoben war. »Ich schieße, bis die letzte Patrone verschossen ist oder ich tot bin. Und ist die Munition verschossen, bevor sie mich töten, schlage ich mit dem … Pistolengriff auf sie ein.«
Die Pause war so kurz, dass Jake sie nicht einmal wahrnahm. Aber in dieser Pause sprach das Weiße zu Father Callahan. Es war eine Macht, die er schon immer, sogar schon in seiner Kindheit gekannt hatte, obwohl es zwischendurch ein paar Jahre gegeben hatte, in denen er vom Glauben abgefallen war, in denen sein Wissen um diese Elementargewalt erst verblasst und dann ganz verloren gegangen war. Aber diese Zeit war vorüber, das Weiße war wieder sein, und er sagte Gott seinen Dank dafür.
Jake nickte, dann sagte er etwas, was Callahan kaum hörte. Und was Jake sagte, war nicht wichtig. Was jene andere Stimme sagte – die Stimme eines Wesens
(Gan)
das vielleicht zu groß war, um Gott genannt zu werden –, das war wichtig.
Der Junge muss weitermachen, erklärte ihm die Stimme. Was hier auch geschieht, wie immer es ausgeht, der Junge muss weitermachen. Deine Rolle in dieser Geschichte ist fast zu Ende. Seine nicht.
Sie gingen an einem Schild auf einem verchromten Ständer vorbei (WEGEN PRIVATVERANSTALTUNG GESCHLOSSEN). Jakes spezieller Freund Oy trottete mit erhobenem Kopf und grinsend hochgezogenen Lefzen zwischen ihnen einher. Auf der obersten Stufe griff Jake in die Schilftasche, die Susannah-Mio aus Calla Bryn Sturgis mitgebracht hatte, und zog zwei der Teller – ’Rizas – heraus. Er schlug sie kurz aneinander, nickte, als sie dumpf dröhnten, und sagte dann: »Zeig mir deine Waffe.«
Callahan hob die Ruger, die Jake aus Calla New York mitgebracht und nun wieder dorthin zurückgebracht hatte; das Leben ist ein Rad, und wir alle sagen unseren Dank. Einen Augenblick lang hielt der Pere die Ruger wie ein Duellant neben der rechten Wange hoch. Dann berührte er seine Brusttasche, die von den Patronen und der Schildkröte ausgebeult war. Von der Sköldpadda.
Jake nickte. »Sobald wir drin sind, bleiben wir zusammen. Immer zusammen, immer mit Oy zwischen uns. Auf drei geht’s los. Und wenn wir anfangen, hören wir nicht mehr auf, bevor wir tot sind.«
»Nicht vorher.«
»Genau. Bist du bereit?«
»Ja. Gottes Liebe ruht auf dir, Junge.«
»Und auf dir, Pere. Eins … zwei … drei.« Jake öffnete die Tür, und gemeinsam traten sie in gedämpftes Licht und den süßlichen, würzigen Geruch von bratendem Fleisch.

2
Jake ging seinem vermeintlich sicheren Tod entgegen, indem er sich an zwei Dinge erinnerte, die Roland Deschain, sein wahrer Vater, gesagt hatte: Aus Kämpfen, die fünf Minuten dauern, entstehen Legenden, die tausend Jahre lang leben. Und: Man braucht nicht glücklich zu sterben, wenn’s so weit ist, aber man muss zufrieden sterben, denn man hat sein Leben von Anfang bis zum Ende gelebt, und Ka wird mit allem gedient.
Jake Chambers betrachtete das Dixie Pig zufriedenen Gemüts.

3
Auch mit kristallener Klarheit. Seine Sinne waren so geschärft, dass er nicht nur bratendes Fleisch, sondern auch den Rosmarin roch, mit dem es eingerieben worden war; er konnte nicht nur den stetigen Rhythmus seiner Atmung, sondern auch das murmelnde Fluten seines Bluts hören, das auf einer Halsseite zum Gehirn aufstieg und auf der anderen zum Herzen hinabsank.
Er erinnerte sich auch daran, dass Roland einmal gesagt hatte, selbst der kürzeste Kampf, vom ersten Schuss bis zur letzten zusammenbrechenden Gestalt, erscheine den Kämpfenden endlos lang. Die Zeit werde elastisch; dehne sich bis fast zum Verschwinden. Jake hatte genickt, als hätte er das alles verstanden, obwohl er nichts begriffen hatte.
Jetzt verstand er’s.
Sein erster Gedanke war, dass die Gegner zu zahlreich waren – bei weitem zu zahlreich. Er schätzte ihre Zahl auf nahezu hundert, von denen die meisten bestimmt zu Father Callahans »niederen Männern« gehörten. (Einige waren niedere Frauen, aber Jake zweifelte nicht daran, dass das vom Prinzip her egal war.) Zwischen ihnen verteilt – alle weniger fleischig als die niederen Folken, manche
sogar schlank wie Florette; mit aschfahlem Teint und einer schwachen bläulichen Aura, die ihre Körper umgab –, befanden sich welche, die Vampire sein mussten.
Oy, dessen schmales, füchsisches Gesicht ernst wirkte, verharrte bei Fuß und ließ ein leises Winseln hören.
Der im Raum hängende Bratenduft stammte nicht von Schweinefleisch.

4
Ständig drei Meter zwischen uns, wenn drei Meter möglich sind, Pere – das hatte Jake draußen auf dem Gehsteig noch gesagt, und als sie sich dem kleinen Pult des Oberkellners näherten, ließ Callahan sich etwas nach rechts treiben, um diesen Abstand herzustellen.
Jake hatte ihn außerdem angewiesen, so laut und so lange zu kreischen, wie er nur konnte, und Callahan öffnete gerade den Mund, um eben das zu tun, als er wieder die Stimme des Weißen in seinem Kopf hörte. Sie sagte nur ein Wort, aber das genügte.
Sköldpadda, sagte sie.
Callahan hielt die Ruger noch immer neben seiner rechten Wange hoch. Jetzt griff er mit der Linken in die Brusttasche. Seine Wahrnehmung der Szene vor ihm war nicht so hypersensibilisiert wie die seines jungen Begleiters, aber er sah trotzdem sehr viel: die orangekarmesinroten Flambeaus an den Wänden, die Kerzen auf allen Tischen, die in Glasbehältern in einem helleren, an Halloween erinnernden Orange eingeschlossen waren, die leuchtend weiße Tischwäsche. Die linke Wand des Speisesaals verschwand hinter einem prächtigen Gobelin, auf dem Ritter mit ihren Fräulein an einem langen Tisch tafelten. Irgendetwas – Callahan wusste nicht genau, was diesen Eindruck hervorrief, die verschiedenen Anzeichen und Stimuli waren zu schwach ausgeprägt – sprach hier von Leuten, die nach einer kleinen Aufregung eben wieder zur Ruhe kamen: sagen wir nach einem kleinen Küchenbrand oder einem Verkehrsunfall auf der Straße.
Oder eine Lady, die ein Baby bekommt, dachte Callahan, während er die Hand um die Schildkröte schloss....

Auszug aus Der Turm von Stephen King, Wulf Bergner. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

TEIL EINS
DER KLEINE ROTE KÖNIG
DAN-TETE

Kapitel I
CALLAHAN UND DIE VAMPIRE
1
Pere Don Callahan war einst der katholische Geistliche einer Kleinstadt gewesen – Jerusalem's Lot hatte sie geheißen –, die auf keiner Landkarte mehr existierte. Das kümmerte ihn jetzt nicht mehr viel. Begriffe wie Realität hatten aufgehört, für ihn eine Rolle zu spielen.
Dieser ehemalige Priester hielt jetzt einen heidnischen Gegenstand in der Hand, eine fein aus Elfenbein geschnitzte kleine Schildkröte. Ihr Maul war durch einen winzigen Spalt entstellt, und ihr Panzer wies einen Kratzer in Form eines Fragezeichens auf, aber sonst war sie ein schönes Stück.
Schön und machtvoll. Er konnte ihre Kraft wie elektrische Spannung in den Händen spüren.
»Wie schön sie ist!«, flüsterte er dem neben ihm stehenden Jungen zu. »Ist sie die Schildkröte Maturin? Das ist sie, nicht wahr?«
Der Junge hieß Jake Chambers, und er war einen weiten Weg gegangen, um fast wieder zu seinem Ausgangspunkt hier in Manhattan zurückzukehren. »Weiß ich nicht«, sagte er. »Vermutlich. Susannah nennt sie Sköldpadda, und sie kann uns vielleicht helfen, aber sie kann die Killer, die uns dort drinnen erwarten, nicht töten.« Er nickte zum Dixie Pig hinüber und fragte sich, ob er statt Susannah nicht Mia meinte. Früher hätte er behauptet, das spiele keine Rolle, weil die beiden Frauen so eng miteinander verwoben seien. Inzwischen glaubte er jedoch, dass es wichtig war – oder es bald sein würde.
»Bist du bereit dazu?«, fragte Jake den Pere und meinte damit: Wirst du standhalten? Wirst du kämpfen? Wirst du töten?
»O ja«, sagte Callahan ruhig. Er steckte die Elfenbeinschildkröte mit den weisen Augen und dem zerkratzten Panzer wieder in seine Brusttasche mit den Reservepatronen für die Pistole, mit der er bewaffnet war, und klopfte dann auf das kunstvoll geschnitzte Ding, um sich zu vergewissern, dass es dort sicher aufgehoben war. »Ich schieße, bis die letzte Patrone verschossen ist oder ich tot bin. Und ist die Munition verschossen, bevor sie mich töten, schlage ich mit dem … Pistolengriff auf sie ein.«
Die Pause war so kurz, dass Jake sie nicht einmal wahrnahm. Aber in dieser Pause sprach das Weiße zu Father Callahan. Es war eine Macht, die er schon immer, sogar schon in seiner Kindheit gekannt hatte, obwohl es zwischendurch ein paar Jahre gegeben hatte, in denen er vom Glauben abgefallen war, in denen sein Wissen um diese Elementargewalt erst verblasst und dann ganz verloren gegangen war. Aber diese Zeit war vorüber, das Weiße war wieder sein, und er sagte Gott seinen Dank dafür.
Jake nickte, dann sagte er etwas, was Callahan kaum hörte. Und was Jake sagte, war nicht wichtig. Was jene andere Stimme sagte – die Stimme eines Wesens
(Gan)
das vielleicht zu groß war, um Gott genannt zu werden –, das war wichtig.
Der Junge muss weitermachen, erklärte ihm die Stimme. Was hier auch geschieht, wie immer es ausgeht, der Junge muss weitermachen. Deine Rolle in dieser Geschichte ist fast zu Ende. Seine nicht.
Sie gingen an einem Schild auf einem verchromten Ständer vorbei (WEGEN PRIVATVERANSTALTUNG GESCHLOSSEN). Jakes spezieller Freund Oy trottete mit erhobenem Kopf und grinsend hochgezogenen Lefzen zwischen ihnen einher. Auf der obersten Stufe griff Jake in die Schilftasche, die Susannah-Mio aus Calla Bryn Sturgis mitgebracht hatte, und zog zwei der Teller – 'Rizas – heraus. Er schlug sie kurz aneinander, nickte, als sie dumpf dröhnten, und sagte dann: »Zeig mir deine Waffe.«
Callahan hob die Ruger, die Jake aus Calla New York mitgebracht und nun wieder dorthin zurückgebracht hatte; das Leben ist ein Rad, und wir alle sagen unseren Dank. Einen Augenblick lang hielt der Pere die Ruger wie ein Duellant neben der rechten Wange hoch. Dann berührte er seine Brusttasche, die von den Patronen und der Schildkröte ausgebeult war. Von der Sköldpadda.
Jake nickte. »Sobald wir drin sind, bleiben wir zusammen. Immer zusammen, immer mit Oy zwischen uns. Auf drei geht's los. Und wenn wir anfangen, hören wir nicht mehr auf, bevor wir tot sind.«
»Nicht vorher.«
»Genau. Bist du bereit?«
»Ja. Gottes Liebe ruht auf dir, Junge.«
»Und auf dir, Pere. Eins … zwei … drei.« Jake öffnete die Tür, und gemeinsam traten sie in gedämpftes Licht und den süßlichen, würzigen Geruch von bratendem Fleisch.

2
Jake ging seinem vermeintlich sicheren Tod entgegen, indem er sich an zwei Dinge erinnerte, die Roland Deschain, sein wahrer Vater, gesagt hatte: Aus Kämpfen, die fünf Minuten dauern, entstehen Legenden, die tausend Jahre lang leben. Und: Man braucht nicht glücklich zu sterben, wenn's so weit ist, aber man muss zufrieden sterben, denn man hat sein Leben von Anfang bis zum Ende gelebt, und Ka wird mit allem gedient.
Jake Chambers betrachtete das Dixie Pig zufriedenen Gemüts.

3
Auch mit kristallener Klarheit. Seine Sinne waren so geschärft, dass er nicht nur bratendes Fleisch, sondern auch den Rosmarin roch, mit dem es eingerieben worden war; er konnte nicht nur den stetigen Rhythmus seiner Atmung, sondern auch das murmelnde Fluten seines Bluts hören, das auf einer Halsseite zum Gehirn aufstieg und auf der anderen zum Herzen hinabsank.
Er erinnerte sich auch daran, dass Roland einmal gesagt hatte, selbst der kürzeste Kampf, vom ersten Schuss bis zur letzten zusammenbrechenden Gestalt, erscheine den Kämpfenden endlos lang. Die Zeit werde elastisch; dehne sich bis fast zum Verschwinden. Jake hatte genickt, als hätte er das alles verstanden, obwohl er nichts begriffen hatte.
Jetzt verstand er's.
Sein erster Gedanke war, dass die Gegner zu zahlreich waren – bei weitem zu zahlreich. Er schätzte ihre Zahl auf nahezu hundert, von denen die meisten bestimmt zu Father Callahans »niederen Männern« gehörten. (Einige waren niedere Frauen, aber Jake zweifelte nicht daran, dass das vom Prinzip her egal war.) Zwischen ihnen verteilt – alle weniger fleischig als die niederen Folken, manche
sogar schlank wie Florette; mit aschfahlem Teint und einer schwachen bläulichen Aura, die ihre Körper umgab –, befanden sich welche, die Vampire sein mussten.
Oy, dessen schmales, füchsisches Gesicht ernst wirkte, verharrte bei Fuß und ließ ein leises Winseln hören.
Der im Raum hängende Bratenduft stammte nicht von Schweinefleisch.

4
Ständig drei Meter zwischen uns, wenn drei Meter möglich sind, Pere – das hatte Jake draußen auf dem Gehsteig noch gesagt, und als sie sich dem kleinen Pult des Oberkellners näherten, ließ Callahan sich etwas nach rechts treiben, um diesen Abstand herzustellen.
Jake hatte ihn außerdem angewiesen, so laut und so lange zu kreischen, wie er nur konnte, und Callahan öffnete gerade den Mund, um eben das zu tun, als er wieder die Stimme des Weißen in seinem Kopf hörte. Sie sagte nur ein Wort, aber das genügte.
Sköldpadda, sagte sie.
Callahan hielt die Ruger noch immer neben seiner rechten Wange hoch. Jetzt griff er mit der Linken in die Brusttasche. Seine Wahrnehmung der Szene vor ihm war nicht so hypersensibilisiert wie die seines jungen Begleiters, aber er sah trotzdem sehr viel: die orangekarmesinroten Flambeaus an den Wänden, die Kerzen auf allen Tischen, die in Glasbehältern in einem helleren, an Halloween erinnernden Orange eingeschlossen waren, die leuchtend weiße Tischwäsche. Die linke Wand des Speisesaals verschwand hinter einem prächtigen Gobelin, auf dem Ritter mit ihren Fräulein an einem langen Tisch tafelten. Irgendetwas – Callahan wusste nicht genau, was diesen Eindruck hervorrief, die verschiedenen Anzeichen und Stimuli waren zu schwach ausgeprägt – sprach hier von Leuten, die nach einer kleinen Aufregung eben wieder zur Ruhe kamen: sagen wir nach einem kleinen Küchenbrand oder einem Verkehrsunfall auf der Straße.
Oder eine Lady, die ein Baby bekommt, dachte Callahan, während er die Hand um die Schildkröte schloss. Das ist immer für eine kleine Pause zwischen Vorspeise und Hauptgericht gut.
»Da kommen Gileads Ka-Mais!«, rief jemand mit einer aufgeregten, nervösen Stimme. Das war keine menschliche Stimme, dessen war Callahan sich halbwegs sicher. Sie klang zu summend, um menschlich zu sein. Am anderen Ende des Raums sah Callahan etwas stehen, was eine monströse Kreuzung aus Mensch und Vogel zu sein schien. Es trug Jeans mit gerade geschnittenen Beinen und ein einfaches weißes Hemd. Der aus diesem Hemdkragen ragende Kopf war mit glatten Federn in einem dunklen Gelb besetzt. Seine Augen glichen Tropfen flüssigen Teers.
»Auf sie!«, kreischte dieses schreckliche, lächerliche Wesen und fegte eine Serviette beiseite. Darunter lag irgendeine Art Waffe. Callahan vermutete, dass es eine Schusswaffe war, auch wenn sie wie etwas aussah, was aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise stammen konnte. Wie hatten die Dinger noch geheißen? Phaser? Lähmer?
Unwichtig. Callahan, der eine weit bessere Waffe hatte, wollte dafür sorgen, dass alle sie sahen. Er wischte die Gedecke und den Glasbehälter mit der Kerze vom Tisch, der ihm am nächsten war, und riss dann die Tischdecke wie ein Magier herunter, der einen Zaubertrick vorführte. Auf keinen Fall wollte er im entscheidenden Augenblick über liegen gebliebene Tischwäsche stolpern. Dann stieg er mit einer Gewandtheit, die er sich noch eine Woche zuvor niemals zugetraut hätte, auf einen der Stühle und von dort auf die Tischplatte. Sobald er auf dem Tisch stand, hielt er die Sköldpadda zwischen Daumen und Zeigefinger gefasst so hoch, dass alle sie gut sehen konnten.
Ich könnte mit schmachtender Stimme dazu singen, dachte er. Vielleicht »Moonlight Becomes You« oder »I Left My Heart in San Francisco«.
In diesem Augenblick war er seit genau vierunddreißig Sekunden im Dixie Pig.

5
Von Highschool-Lehrern, die in der Aula oder im Studiersaal mit großen Schülergruppen zu tun haben, kann man hören, dass Teenager, auch wenn sie frisch geduscht und frisch gekleidet sind, nach den Hormonen riechen, die ihre Körper so eifrig produzieren. Jede beliebige Personengruppe sondert unter Stress einen ähnlichen Gestank ab, und Jake, dessen Sinne aufs Höchste geschärft waren, roch ihn hier drinnen. Als sie am Pult des Oberkellners und Platzanweisers vorbeikamen (Erpresserzentrale, so hatte sein Dad solche Posten gern genannt), war der Geruch der im Dixie Pig versammelten Gäste noch schwach gewesen – der Geruch von Leuten, die sich nach irgendeiner kleinen Aufregung gerade wieder beruhigten. Aber als der Vogelmensch im hinteren Teil des Raums kreischte, nahm Jake den Geruch der Gäste schlagartig stärker wahr. Es war ein metallisches Aroma, das genügend Ähnlichkeit mit Blutgeruch hatte, um seine Gereiztheit und seine Gefühle in Wallung zu bringen. Ja, er sah Tweety die Serviette vom Tisch fegen; ja, er sah die Waffe darunter; ja, er begriff, dass Callahan, so offen wie er auf dem Tisch stand, ein leichtes Ziel bot. Trotzdem kümmerte ihn das alles weniger als die Waffe, mit der die Meute mobilisiert wurde – Tweetys Stimme. Jake zog gerade den rechten Arm zurück, um den ersten seiner neunzehn Teller zu werfen und damit den Kopf zu amputieren, aus dem diese Stimme drang, als Callahan die Schildkröte hochhielt.
Das funktioniert nicht, nicht hier drinnen, dachte Jake, aber noch bevor sein Gehirn diesen Gedanken ganz formuliert hatte, begriff er, dass es in Wirklichkeit doch funktionierte. Er merkte es am Geruch der anderen. Die Aggressivität entwich. Und die wenigen Gegner, die von ihren Tischen aufzustehen begonnen hatten – wobei die roten Löcher in den Stirnen der niederen Menschen zu klaffen, die blauen Auren der Vampire sich zusammenzuziehen und zu intensivieren schienen –, sackten wieder zurück, und das so heftig, als hätten sie plötzlich die Gewalt über ihre Muskeln verloren.
»Auf sie, das sind die, vor denen Sayre …« Dann verstummte Tweety. Die linke Hand – wenn man eine so hässliche Klaue als Hand bezeichnen konnte – berührte noch kurz den Griff seiner Hightech-Waffe, dann sank sie kraftlos herab. Seine Augen schienen glanzlos zu werden. »Sie sind die, vor denen Sayre … S-SSayre
…« Wieder eine Pause. Dann sagte das Vogelding: »O Sai, was ist dieses herrliche Ding, das Ihr da in der Hand haltet?«
»Ihr wisst, was es ist«, antwortete Callahan. Jake bewegte sich, und Callahan, der sich daran erinnerte, was der junge Revolvermann ihm draußen gesagt hatte – Sorg dafür, dass ich jedes Mal, wenn ich nach rechts sehe, dein Profil neben mir habe –, stieg wieder vom Tisch, um mit ihm Schritt zu halten, wobei er weiterhin die Schildkröte hochhielt. Die Stille im Raum war fast mit Händen zu greifen,
nur …
Nur dass es noch einen weiteren Raum gab. Raues Lachen und heiseres, bezechtes Gegröle – dem Klang nach eine Gesellschaft, die ganz in der Nähe feierte. Links von ihnen. Hinter dem Gobelin, auf dem die Ritter und ihre Fräulein tafelten. Irgendwas geht dahinter vor, dachte Callahan, und wahrscheinlich kein Pokerabend
der Elks-Bruderschaft.
Er hörte Oy trotz dessen ständigen Grinsens schnell und leise keuchend atmen: ein perfekter kleiner Motor. Und noch etwas anderes hörte er. Ein scharfes Klappern, das mit einem raschen Klicken unterlegt war. Die Kombination der beiden Geräusche machte Callahan nervös und ließ ihm einen kalten Schauder über den Rücken laufen. Unter den Tischen verbarg sich irgendetwas.
Oy sah die vorrückenden Insekten als Erster und erstarrte wie ein Vorstehhund: eine Pfote erhoben, die Schnauze vorgereckt. Einen Augenblick lang bewegten sich nur seine dunklen, samtartig weichen Lefzen, die erst nach oben zuckten, um die zusammengebissenen Nadeln seiner Reißzähne sehen zu lassen, und dann wieder herabzuckten, um sie wieder zu verdecken.
Die Käfer rückten vor. Was immer sie sein mochten – die von der Hand des Peres hochgehaltene Schildkröte Maturin bedeutete ihnen nichts. Ein fetter Kerl in einem Smoking mit kariertem Revers sprach das Vogelding mit schwacher, fast klagender Stimme an: »Sie sollten nicht weiter als bis hierher gelangen, Meiman, auch nicht entkommen. Man hat uns gesagt, sie …«
Oy sprang nach vorn, wobei er mit zusammengebissenen Zähnen ein Knurren ausstieß. Dieser ganz entschieden nicht zu Oy passende Laut erinnerte Callahan an eine Comicsprechblase: Arrrrrr!
»Nein!«, rief Jake erschrocken. »Nein, Oy!«
Beim Klang der Stimme des Jungen verstummten das Lachen und Gegröle hinter dem Wandteppich so abrupt, als hätten die Folken dort hinten plötzlich gemerkt, dass sich im vorderen Raum etwas verändert hatte.
Oy achtete nicht auf Jakes Warnruf. Er zerbiss nacheinander drei der Käfer, wobei das Knacken ihrer zersplitternden Panzer in der neuerlichen Stille grausig laut zu hören war. Er machte keine Anstalten, sie zu fressen, sondern schleuderte die Kadaver der etwa maus- großen Insekten mit einer ruckartigen Halsbewegung, bei der er zum Abschluss grinsend das Maul öffnete, nur hoch in die Luft.
Die anderen wichen sofort unter die Tische zurück.
Er ist wie dafür geschaffen, dachte Callahan. Vielleicht waren das einst alle Bumbler. Dafür geschaffen, wie manche Terrierrassen dafür gezüchtet werden …
Ein heiserer Schrei, der hinter dem Gobelin erklang, unterbrach diese Überlegung: »Humes!«, rief eine Stimme, und eine zweite ergänzte: »Ka-Humes!«
Callahan spürte den absurden Drang, »Gesundheit!« zurückzurufen.
Bevor er aber das oder sonst etwas rufen konnte, füllte plötzlich Rolands Stimme seinen Kopf.

6
»Jake, geh!«
Der Junge wandte sich verwirrt Pere Callahan zu. Er ging mit vor der Brust gekreuzten Armen, war bereit, die 'Rizas nach dem ersten niederen Menschen zu werfen, der sich bewegte. Oy war auf seinen Platz bei Fuß zurückgekehrt, sah aber unaufhörlich von einer Seite zur anderen und hatte wegen der Aussicht auf weitere Beute glänzende Augen.
»Wir gehen gemeinsam«, sagte Jake. »Sie sind eingeschüchtert, Pere! Und wir sind dicht dran! Man hat sie hier durchgeschleppt … durch diesen Raum … und anschließend durch die Küche hinaus …«
Callahan achtete nicht auf ihn. Während er weiter die Schildkröte hochhielt (als hielte er in einer tiefen Höhle eine Laterne hoch), hatte er sich dem Gobelin zugewandt. Das Schweigen dahinter war weit schrecklicher als das Gegröle und das fieberhafte, gurgelnde Lachen zuvor. Dieses Schweigen glich einer auf sie gerichteten Waffe. Der Junge stand weiterhin auf der Stelle.
»Geh, solange du noch kannst«, sagte Callahan mit um Ruhe bemühter Stimme. »Hol sie ein, falls das geht. Das ist der Befehl deines Dinhs. Und das ist auch der Wille des Weißen.«
»Aber du kannst nicht …«
»Geh, Jake!«
Die niederen Männer und Frauen im Dixie Pig, ob im Bann der Sköldpadda oder nicht, murmelten beim Klang dieses Befehls unbehaglich, was nur angebracht war, da es auf einmal nicht Callahans Stimme war, die aus dessen Mund kam.
»Du hast nur diese eine Chance, und die musst du nutzen! Finde sie! Das befehle ich dir als dein Dinh!«
Jake riss die Augen auf, als er Rolands Stimme aus Callahans Kehle kommen hörte. Sein Mund stand offen. Er sah sich wie benommen um.
In der Sekunde, bevor der Gobelin links von ihnen weggerissen wurde, erkannte Callahan den schwarzen Humor der Darstellung, der auf den ersten flüchtigen Blick leicht zu übersehen gewesen war: der als Hauptgericht auf der Tafel stehende Braten hatte Menschengestalt; die Ritter und ihre Fräulein aßen Menschenfleisch und tranken Menschenblut. Was der Wandteppich zeigte, war ein Kannibalenmahl.

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