Klappentext: Rhiannon ist nicht wie die anderen Satyricorns, denn da ihr Vater ein Mensch war, sind ihr niemals Hörner gewachsen. Rhiannon ist eine Außenseiterin, und schon bald werden die anderen Satyricorns sie töten. Doch eines Tages sieht sie eine Herde geflügelter Pferde am Himmel vorbeiziehen - und plötzlich weiß die junge Frau, was sie tun muss...
Dieser Klappentext ist schlecht. Er beschreibt die Handlung der ersten 40 Seiten. Aber um was es eigentlich geht, ist Rhiannons Reise nach Lucescere - einer Stadt Eileanans, in der "talentierte" junge Menschen ausgebildet werden. Eine Reise mit mehreren Begleitern durch ein faszinierendes Land, voller Geister, böser Erinnerungen und einer immer drohenden Gefahr. Denn Rhiannon hat für ihre Flucht einen Menschen töten müssen. Und auf Mord steht eine hohe Strafe.
Der Kauf dieses Buches war für mich ein Blindflug. Ich ließ mich vom Cover verleiten. Ich kannte Kate Forsyth nicht und ich kannte Eileanan nicht. Dass es sich um ein Buch handelt, welches in einer "schon vorhandenen" Welt spielt, erfuhr ich erst nach dem Kauf aus meiner Vorgängerrezension. Das machte mir Bauchschmerzen (Oh jeh, hätte ich die anderen Bücher vorher lesen sollen? Werde ich mich ohne Vorwissen in diese Welt einfinden können?). Aber alle Bedenken umsonst! Kein Problem.
Wer Eileanan nicht kennt, lernt es kennen - langsam und faszinierend... wie das Öffnen einer Rose. Würde K.F. nicht mit so viel Ruhe und Detail schreiben, würde man von den vielen neuen Eindrücken wahrscheinlich erschlagen. Dass es um ein Satyricorn-Mädchen geht, weiß man aus dem Klappentext. Aber jedes faszinierende Wesen mehr ist genauso vielseitig wie neu und überraschend. Das Glossar am Ende des Buches hätte man sich sparen können. Viele Begriffe und Bezeichnungen sind zwar fremd, aber K.F. webt sie so geschickt ein, dass man sich deren Bedeutung wunderbar zusammenreimen kann.
Dieses Buch ist nichts für Beschreibungsmuffel. K.F. zeichnet ihre Welt mit viel Liebe und Detailreichtum ... und mit einer Sprache, die gut verständlich, aber ein wenig "altbacken" ist - was ich keineswegs negativ meine. Selten kreierten Worte in meinem Kopf sooo konkrete Bilder. Manchmal zieht es sich dadurch ein wenig, wenn Landschaften oder Handlungen sehr ausgefeilt beschrieben werden. Aber ich habe den Eindruck, das braucht es auch. Trotz Spannung vermittelt mir das Buch viel Ruhe und Ausgeglichenheit.
Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es - weshalb das Buch von mir im Ganzen nur vier Sterne erhält:
Rhiannon ergibt sich für mein Empfinden etwas zu schnell in die "normale" Welt. Anfangs ist sie wild und unnahbar. Dafür, dass sie aus völlig anderen Umständen kommt und noch nicht einmal die Sprache richtig beherrscht, kommt sie jedoch sehr schnell sehr gut zurecht. Hier hätte mich ihre innere Entwicklung mehr interessiert. Aber mit dem Auftauchen anderer Figuren verschwindet der Fokus auf sie. Obwohl sie die Hauptperson ist, kommt sie damit meines Erachtens etwas kurz weg.
Auch hatte ich anfangs den Eindruck, es handle sich um einen Roman für Pferdeliebhaber. Was die Tiere alles fressen und wie sie richtig gestriegelt werden ist zwar nett zu wissen, hätte es für meinen Geschmack aber nicht gebraucht. Der Eindruck eines "Pferderomans" verschwindet aber bald.
Und ich wäre gern vorgewarnt gewesen, dass es sich um einen Dreiteiler handelt - dessen nächste Bände erst in mehreren Monaten erscheinen. Schade, denn ich bin ein Freund unzerrissenen Lesevergnügens.
Ein Buch für Genießer, für Mitfühlende, für Leser, die sich über Details freuen. Kein Buch für Action-Liebhaber.