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Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Uwe Tellkamp
3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (195 Kundenrezensionen)
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Suhrkamp
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Kurzbeschreibung

15. März 2010 suhrkamp taschenbuch (Buch 4160)
Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Anne und Richard Hoffmann stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man sich vor den Zumutungen des Systems in die Dresdner Nostalgie flüchten? Oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Er hat Zugang zum Bezirk »Ostrom«, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird. In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen beschreibt Uwe Tellkamp den Untergang eines Gesellschaftssystems. Ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben. Kein anderes Buch hat in den letzten Jahren gleichermaßen Kritiker und Publikum derart begeistert.

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Produktinformation

Leseprobe: Jetzt reinlesen [109kb PDF]
  • Taschenbuch: 976 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 4 (15. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518461605
  • ISBN-13: 978-3518461600
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 11,8 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (195 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 5.793 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Wenn in Zukunft einer wissen will, wie es denn wirklich gewesen ist in der späten DDR, sollte man ihm rasch und entschlossen den neuen Roman von Uwe Tellkamp in die Hand drücken: »Nimm und lies«. Knapp tausend Seiten umfasst Der Turm, die Geschichte aus einem versunkenen Land. Hier lernt man die späten Jahre des Sozialismus in einer Intensität kennen, für die es in der Literatur nach 1989 kein Beispiel gibt. So wie wir heute die Welt des Bürgers mit den Augen Thomas Manns sehen, werden spätere Generationen in Tellkamps Roman Erstarrung und Implosion der DDR nacherleben können.« (Jens Bisky Süddeutsche Zeitung )

»Auf nebensatzlose Prosa geeichte Leser sollten sich vom Vorspiel nicht abschrecken lassen, sich dem erheblichen Sog dieses Gesangs überlassen, ihm folgen, denn Tellkamp kann auch anders. Die Palette seiner sprachlichen Möglichkeiten ist so vielfarbig, wie die kaum eines anderen deutschen Gegenwartsautors. Und mindestens so atemberaubend ist die strukturelle Vielgestaltigkeit der Szenen. Kurzgeschichten, hat Tellkamp behauptet, könne er nicht. ImTurm beweist er das Gegenteil. Tellkamp verschränkt Erzählstränge, bricht sie auf, beschleunigt das Tempo und lässt die Zeit ganz langsam vorbeiziehen, springt in Briefausschnitte und wieder zurück in den Erzählfluss und baut Kapitel zu makellosen Kurzerzählungen aus. Die Wechsel in Stilebene und Erzählform nutzt er, um auch in die hinteren Winkel seines Panoramas zu spiegeln.« (Elmar Krekeler Literarische Welt )

»So schonungslos, so radikal, so ohne Illusionen, in solch sozial- und alltagsgeschichtlich akribischer Weise wurde das Leben in der DDR bisher noch nicht dargestellt. Die Mühen der Materialbeschaffung, die Lagermentalität und das allgegenwärtige Misstrauen - die DDR steht hier in ihren fast schon vergessenen Facetten wieder auf, mit ihrer Stasi-Atmosphäre und all ihren Sprelacart- und Wofasept- und Dederon-Depressionen. Der schwarze Schimmel, der sich in den alten Bürgerhäusern breitmacht und auch nicht mit Bootslack zu beseitigen ist, ist nur ein Vorbote, eine kleine Metapher für das Kommende.« (Helmut Böttiger Die Zeit )

»...fast tausend Seiten, Hunderte von Figuren, Dutzende von dramatischen Wendungen, und keine davon ist zuviel. Weil dieses Buch einen Countdown dokumentiert: die letzten sieben Jahre der DDR. Dies ist ein synästhetischer Roman, der alle Sinne fordert, der einen das Sehen und Hören lehrt und gleichzeitig Hören und Sehen vergehen lässt in der Dichte seiner Beschreibungen ...«

(Andreas Platthaus Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Ein großartiger Roman, der sehr an die Buddenbrooks erinnert.« (Hellmuth Karasek )

»Ein großartig-stolzer Abgesang auf das deutsche Bildungsbürgerturm, dessen soziales Aroma Tellkamp immer wieder heraufbeschwört, etwa in der vibrierenden Vorfreude eines ganzen Familienclans auf ein großes Geburtstagsfest. Da raschelt und klimpert und wispert es dann wie bei den Buddenbrooks. Ein Familienroman also ist der Turm. Aber auch ein Gesellschaftsroman, denn er weitet den Blick weit hinaus über die bildungsbürgerliche Rückzugsnische im Dresdner Villenvirtel hoch über der Elbe. Tellkamp entfaltet ein grandioses, ein farbiges und figurenreiches Panorama der deutschen Gesellschaft in der DDR im letzten Jahrzehnt ihres Bestehens. ... Dass Tellkamps Turm so gewaltig und sperrig in der literarischen Landschaft steht, hängt auch mit dem Handlung und Erzählperspektive bestimmenden Männerdreieck zusammen. Der Turm ist ein Männerroman, in dem männliche Rollenmodelle durchgespielt werden: die des Ehemann, die des Liebhabers, die des Vaters, die des Berufsmenschen, die des Soldaten. ... Endlich hat auch Deutschland ein dangerous book for boys«. (Eckhard Fuhr Die Welt )

»Tellkamp hat der deutschen Literatur frei von Bitterkeit und Ressentiments einen Erfahrungsschatz schriftlich gesichert, der unbedingt erzählenswert war, nicht zuletzt deshalb, weil er uns sonst möglicherweise unmerklich wieder entglitten wäre. ...
Nicht von ungefähr endet dieser bedeutende Roman mit einem Doppelpunkt im Offenen. Gäbe es einen zweiten Band - man würde ihn sofort lesen.« (Sabine Franke Frankfurter Rundschau )

»Der Chronist und Zeuge des Absterbens der DDR ist von nun an Uwe Tellkamp. Tschechow, Doderer, Tellkamp, man darf die drei Namen ruhig nebeneinander setzen, um den Rang des Romans Der Turm zu beschreiben. Ist dies nun der immerfort erwartete und nie eingetroffene große Wenderoman? Ja - wenn auch die Wende selbst in ihm gar nicht mehr vorkommt. ... Man lege einmal alles Übrige beiseite und widme sich Tellkamp. Es lohnt sich.« (Christoph Bartmann Die Presse )

»Es gibt hier einen unbedingten Willen zum Roman und eine große Lust am ästhetischen Spiel immer neuer Erzählperspektiven, die weit über das Thematische hinausreichen. Uwe Tellkamps Literaturentwurf ist am Projekt einer Rückgewinnung des Epischen ausgerichtet, an der Neuerfindung eines gründlichen, genauen, sozusagen nachhaltigen und dafür gelegentlich auch etwas umständlichen Erzählens. Uwe Tellkamp will in einem emphatischen Sinn Erzähler sein.« (Dirk Knipphals Die Tageszeitung, Literaturbeilage )

»Uwe Tellkamp hat einen Bildungsroman geschrieben, der uns endlich vom kollektivistischen Pop-Dagegensein bundesdeutscher Kleinbürgerkinder und kalauernder Prenzlberg-Aktivisten erlöst. Man mag diese Urgewalt von Erzählströmen und Bilderfluten einen Wenderoman nennen oder nicht, traditionell oder nicht, man mag ihr einen Buchpreis für braves Erzählen zuerkennen oder nicht: Sie ist eingepflockt in die deutsche Literatur, setzt Maßstäbe, wird so bald nicht vergehen.« (Andreas Nentwich Literaturen )

Über den Autor

Uwe Tellkamp wurde 1968 in Dresden geboren. Nach seinem Wehrdienst in der NVA verliert er wegen »politischer Unzuverlässigkeit« seinen Medizinstudienplatz, wird 1989 im Zuge der Wende inhaftiert und setzt danach sein Studium in Leipzig, New York und Dresden fort. Nach seinem akademischen Abschluß arbeitete er als Arzt in einer unfallchirurgischen Klinik in Dresden. Derzeit lebt er als Schriftsteller in Dresden.

Bislang sind von ihm erschienen: Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café  und Der Eisvogel. Für seinen Roman Der Turm, seinem ersten Buch im Suhrkamp Verlag, erhielt er 2008 den Deutschen Buchpreis.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
106 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein wirklicher Erzähler ist er nicht 23. August 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Uwe Tellkamp. Der Turm

Trotz des enormen Umfangs habe ich das Buch ganz (mit ein paar Ausnahmen, wo die mir zu anspruchsvolle Syntax mich vor die Wahl stellte, eine Passage dreimal zu lesen oder zu überspringen) und meist auch gerne gelesen, teile aber dennoch die Meinung einiger Kritiker, dass einige Kürzungen gutgetan hätten. Tellkamp ist gelegentlich der Versuchung erlegen, zu viele Anekdoten und Ereignisse, die ihm für sein Thema relevant erschienen (es für sich genommen auch sind) in seinen Roman einzubauen, ohne sie jedoch handlungsmäßig integrieren zu können. Ich denke z.B. an den Verteidigungsminister und sein urologisches Problem, an die Wiedereröffnung der Semperoper, an die Episoden mit Arbogast und seinem Institut oder auch an die Besuche Menos bei Schriftstellern und Mitgliedern der Nomenklatur, wo der Lesegenuss wohl doch eher auf Insider beschränkt ist, die die realen Vorbilder kennen und hier ihre Freude an der manchmal satirisch zugespitzten Darstellung haben.
Insgesamt gewinne ich den Eindruck, dass Tellkamps Talent nicht wirklich das eines genuinen Romanschriftstellers ist. Konstitutive Elemente eines Romans wie Figurendarstellung und Handlungsentwicklung sind oft erstaunlich schwach. Die an Christian interessierte Reina hat plötzlich eine Affäre mit dessen Vater? Christians Mutter schläft mit Rechtsanwalt Sperber, damit dieser sich Christians Sache annimmt? Wie unmotiviert! Zu viele der eingeführten Figuren bleiben ganz blass; selbst Meno, nach Christian die andere Zentralfigur im Roman, ein Mann, dessen in auch Tagebucheinträgen und Gedankenfragmenten vermittelte Sicht der Dinge wir doch offensichtlich teilen sollen, wird insgesamt nicht plausibel entwickelt. What makes him tick? Über das Scheitern seiner Ehe (ein totes Motiv) oder über die Entwicklung seiner (und der seiner Schwester) Abwendung vom Kommunismus hätte ich mehr erfahren wollen.
Ein letzter Kritikpunkt: Die Sprache in den die Handlung vorantreibenden Dialogen erscheint mir oft platt, banal, hölzern. Ganz im Gegensatz dazu stehen dann aber die Beschreibungen, in denen die Sprache treffend und vielschichtig, außerordentlich assoziations- und bilderreich, gelegentlich freilich auch etwas mythisch raunend und gewollt schwierig daherkommt, z.B. in den Passagen, in denen eine quasi halluzinatorische Phantasie das Fließen des Flusses und der Zeit mit Bedeutsamkeit aufladen und auf eine höhere Ebene transportieren will.
Was mich für diese Schwächen entschädigt hat, war die überaus konkrete, durch Detailkenntnisse beglaubigte, absolut authentische wirkende Schilderung einer Epoche, die gewiss zukünftigen Historikern als Fundgrube dienen wird. Viele Schwächen im Leben der DDR waren mir zwar bewusst, in dieser Krassheit haben sie mich aber doch überrascht. Die allgegenwärtige Zerstörung der Umwelt, der durchgängige Verfall der Dinge, der Institutionen, aber auch der moralischen Beziehungen waren wohl viel weiter fortgeschritten, als es den meisten im Westen klar war. Obwohl ich z.B. von der desolaten Situation im Bitterfelder Chemiegebiet gehört und gelesen hatte, kam für mich die Beschreibung der Zustände in der Karbidfabrik als Schock. Allen, die in den 60er Jahren im Westen aufgewachsen sind, waren die Widersprüche des Kapitalismus nur zu offensichtlich; dass die (ganz anders gearteten) Widersprüche des Kommunismus so viel stärker waren, haben wir nicht gewusst. Wer den Turm gelesen hat, versteht, warum die DDR so (scheinbar) schnell und für uns unerwartet nicht nur untergehen konnte, sondern untergehen musste. Wo gäbe es ein ähnlich aufschlussreiches Werk über die NS ' Zeit?

Jochen Menge, 17.8.2009
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von pluribus
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Fast 1000 Seiten Wenderoman. Ich, geboren 1963 und bis zu deren Ende in der DDR gelebt, also 5 Jahre älter als der Autor, war richtig gespannt auf dieses Buch. Empfohlen von einem Literatur besessenen ehemaligen Klassenkameraden, der auf schwierige Längen" des Werkes hinwies, dem es grundsätzlich jedoch die Tiefe, das Detailwissen und Erinnerungsvermögen des Autors und die vielfältig vorhandene Parallelität zwischen der Hauptfigur Christian und seinem eigenen Leben angetan hatten. Dazu kamen noch ein Klappentext, der zum Inhalt des Romans meint, dass es wirklich so gewesen sei in der späten DDR, die Tatsache, dass der Stoff jetzt gar hochkarätig verfilmt wird und schließlich ein Vergleiche des Romans mit den Buddenbrooks" und anderen Klassikern weckten meine Vorfreude auf das Werk.

Meine Erwartungshaltung war also sehr hoch. Und sie wurde enttäuscht. Ich habe mich durch dieses Werk gekämpft und war froh, dass es zu Ende war. Zum einen liegt es tatsächlich an den Längen, an seitenlangen epischen Passagen. Diese fielen mir außerordentlich schwer, zumal sich dabei weder die Handlung entwickelte noch inhaltliche Vertiefungen erfolgten, die für das Handlungsverständnis notwendig gewesen wären. Dann spielt das Buch vorwiegende in einer intellektuellen, hochgeistigen Sphäre, also in einem sehr speziellen Milieu. Sicher werden dort die Achtziger so abgelaufen sein; ich habe sie anders erlebt. Und ich bin überzeugt, dass viele derer, die diese Zeit bewusst und aktiv erlebt haben, diese Milieuschilderung im "Turm" nicht nachvollziehen können, da sie diese anders erlebt haben und ihnen auch deswegen, da ihnen der Umgang mit bzw. Zugang zu dieser elitären Umgebung fehlte. Insofern halte ich das Werk für nicht repräsentativ, was vielleicht auch gar nicht möglich und nötig ist. In jedem Fall ist aber die Einschätzung von Jens Bisky falsch, dass, "wenn einer wissen will, wie es denn wirklich gewesen ist in der späten DDR, man ihm rasch und entschlossen diesen Roman von Uwe Tellkamp in die Hand drücken sollte".

Was im Buch als eine Ursache für die Wende viel zu kurz kam, war der Einfluss des "Neuen Denkens" der Sowjetunion unter Gorbatschow in breiten Teilen der Bevölkerung der DDR in seiner Wechselwirkung mit der brüsken Zurückweisung dieser Politik durch die SED-Führung. Die Perestroika und vor allem die Glasnost entfalteten eine für die DDR-Führung verheerende Wirkung in breiten Teilen der Bevölkerung. Die von Honecker so ironisch bezeichneten "neuen Freundchen der Sowjetunion" brachten mit den Glasnost-Inhalten die Verantwortlichen im Staat (und "der" Partei) mächtig in Schwierigkeiten. Reaktion der SED-Führung: Unkommentierte Glasnost kritische Leserbriefe aus der Prawda übernommen im Neuen Deutschland abgedruckt, unkommentierte Meldungen über steigende Kriminalität, Armut und schwere Produktionsunfälle in der Sowjetunion und schließlich - das auch im Buch kurz erwähnt - das Verbot diverser Publikationen der Sowjetunion in der DDR, am bekanntesten des "Sputnik". Dieses wiederum führte zu einer stillen Protestwelle in Form von Massenaustritten aus der DSF oder Eingaben an diese oder andere Massenorganisationen. Das alles findet bei Tellkamp nicht statt; ich habe es so schon erlebt.

Eine sehr schön beschriebene Episode, die das generell Neue Ende der späten achtziger darstellt, ist (im Kapitel 69 "Wetterleuchten") zu finden, als Pfarrer Magenstock den Aufruf einer Umweltgruppe im Schaukasten der Kirche anbringt. Der ABV legt ihm nahe, dieses wieder abzunehmen während weitere Passanten stehen bleiben. Eine Gruppe Uniformierter nähert sich, woraus ein Offizier "Auseinander!" befiehlt. Und nicht nur, dass die Menschen stehen blieben, andere Passanten gesellen sich dazu. Und bieten der Staatsmacht durch Ihre gemeinsames Auftreten die Stirn. Der Offizier schwieg." Und noch nie wurde ein ähnlich einsamer Mann gesehen wie" der ABV, der in der Mitte des freien Raumes zwischen beiden Gruppen stand.
Das (!) war es eigentlich, was ganz wesentlich und ursächlich die Situation der DDR zu Ende der achtziger widerspiegelt und die Basis für die friedliche Revolution darstellt. Leider findet man solche Episoden im Buch zu wenig.

Die Einzelschicksale, insbesondere von Christian und Richard, wie eindrucksvoll, detailliert und nachvollziehbar auch dargestellt, münden nicht logisch in die Notwendigkeit einer Wende. Sie verlaufen im Roman merkwürdig parallel zu den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen Ende der achtziger Jahre.

Positiv, ohne Frage, die Detailkenntnisse vieler Bereiche, wie des Gesundheitswesens, EOS, NVA, die vieles auch bei mir in Erinnerung riefen, während einiges für mich auch neu war, so Strafkompanie Schwedt oder Einsatz der NVA-Soldaten in der Produktion.

Zusammenfassend ein Roman, den man gelesen haben sollte um das Verständnis für diesen historisch wichtigen Zeitabschnitt im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung zu vertiefen.
Ein Werk, das ich nicht als Schulliteratur empfehlen würde, da die Handlung die Breite und Tiefe dieser Zeit zu wenig repräsentiert und die Längen des Buches den Nachwuchs statt für Literatur zu öffnen und für Geschichte zu interessieren, diesen eher verstören werden.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
381 von 430 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tellkamps großes Selbstgespräch 2. März 2009
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ich war auf diesen Roman gespannt - nicht nur, weil ich in der Nähe von Dresden aufgewachsen bin und den sozialen Rahmen der Handlung zumindest oberflächlich kenne. Dazu war ich in der beschriebenen Zeit so alt wie Christian, eine der Hauptfiguren, und habe so viele seiner Stationen zeitlich parallel erlebt: EOS, Abitur, dreijährige Armeezeit, Ende der DDR. Nach einer anstrengenden bis quälenden Lektüre bin ich mit Uwe Tellkamps "Der Turm" eher unzufrieden. Dieses Buch ist nicht der erwartete Gesellschaftsroman sondern leider nur eine starre, schrullige und gelegentlich größenwahnsinnige Beschreibung eines bestimmten Dresdener Kleinbürgermilieus. Mir kommt es vor wie eine Art gigantisches Selbstgespräch, mit dem der Autor seine Jugendjahre reproduziert.

Dieser "Turm" ist trotz seiner Detailverliebtheit abweisend; er erzählt keine große Geschichte, an deren Handlung und Figuren man Anteil nimmt. Das liegt vor allem an den drei Hauptfiguren des Romans: neben Christian (offensichtlich Tellkamps alter ego) sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Jeder hat auf seine Weise bestimmte Konventionen extrem verinnerlicht, erscheint borniert und unbeweglich. Man kann als Leser zu ihnen kein Verhältnis aufbauen; sie bleiben während der gesamten Handlung stets distanzierte Fremde. Speziell die Figur des Christian wirkt so blass, verklemmt und unverständlich. Sie erzeugt keine Neugier und kann einen nicht durch den Roman führen. Ähnlich ergeht es mir mit Meno, diesem zwanghaften Nischen-Intellektuellen, der seine Unfähigkeit zu leidenschaftlichen Gefühlen im Buch immer wieder mit seitenlangem Gesülze kompensieren muss. (Durch die Kursivschrift kann man jeweils leicht weiterblättern).

Andere Mängel des Romans wiegen bei dieser unglücklichen Struktur der Hauptfiguren fast weniger schwer: die hölzernen Dialoge, die durchweg seltsam erscheinenden Frauenfiguren, der Mangel an Sexualität in und zwischen den Figuren, schließlich die langweilende und häufig funktionslose Detailversessenheit. Natürlich gibt es auch Szenen und Episoden, die ich gelungen fand: die Darstellung der Dichtermilieus etwa, des Hauses Arbogast oder des Beginns von Christians Armeezeit. Aber das bleibt für mich zu wenig, um den "Turm" als großen, nachhaltig wirkenden Roman zu bewerten.

Bleibt die Frage, ob das Buch zumindest als wahrhaftige Chronik der späten DDR taugt. Auf jeden Fall zeichnet Tellkamp die kleine Welt seines Romans sehr treffend und realistisch. Ein breites Gesellschaftspanorama sollte man allerdings nicht erwarten. Sicher konnte man in Dresden und anderswo auf den materiellen Mangel und die staatliche Repression so reagieren und sein Leben so gestalten wie die Figuren im Turm". Man musste es aber nicht, ohne dadurch gleich ein Anhänger des Systems gewesen zu sein. Vielleicht wäre aus diesem Buch ein großartiger Roman geworden, hätte Uwe Tellkamp vorher seinen "Turm" tatsächlich verlassen...
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1.0 von 5 Sternen keinen Zugang gefunden
Ich bedauere jeden Schüler, der diese Schwarte im Unterricht durchackern muss. Bräßige, abgehobene Dialoge, zäheste Entwicklung der Story, Metaphern, für... Lesen Sie weiter...
Vor 20 Tagen von anonymous veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Langweilig
Besser den Film anschauen, dass Buch ist nicht, oder nur bedingt lesbar.

Total langatmig und zu ausschweifend geschrieben. Dabei war der Film so vielversprechend.
Vor 1 Monat von M. Pistner veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen unterm Strich unwahr
Nach den vielen positiven Presse- und Radio-Rezensionen dachte ich, auch mal mitreden können zu müssen. Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von Wieland P veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Der große Wenderoman?
Erleichterung. Ich habe den Turm tatsächlich bis zur letzten, fast 1000sten, Seite gelesen. Gibt dafür einen Leninorden? Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von Matthias Klingenberg veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Ratschlag für Belletristik-Leser:
Wer sonst leichte Kost gewohnt ist, wird sich mindestens mit der sogen. "Overtüre" im Buch schwer tun, die sehr schwierig zu lesen u. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von S. Krings veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Schachtelsätze und Abschweifungen machen das Lesen zu einer Qual
In "Der Turm" erzählt Uwe Tellkamp über die Familie des Arztes Richard Hoffmann die letzten Jahre der DDR bis zum Mauerfall in Dresden. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von Tammy1982 veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Schwere Kost
Für die Kenner Dresdens und der DDR Verhältnisse ein sehr umfassendes Buch menschlicher Lebensgeschichten. Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Anka und K. Krause veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Alles prima - jederzeit wieder
Das Buch hatte eine sehr gute Qualität. Es war kaum zu erkennen, dass es sich um einen gebrauchten Artikel handelt.
Vor 3 Monaten von Meike Zeiss veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen ein stern muss wohl sein
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Vor 3 Monaten von rübi veröffentlicht
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Wunderbare Erzählung über ein Land, deren Vorstellungskraft sich auf die alten Mauern einer vergessenen Stadtlandschaft nebst Eliten und Worthülsen zu... Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Volker Schröder-witte veröffentlicht
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