Gass' Roman gehört sicherlich zu jener Kategorie, die vom Leser so manches abverlangt, vor allem hier Durchhaltevermögen, eine auszehrende Lektüre die schwer zu verstehen ist, oder eben dann gar nicht mehr verstanden wird, was dann letztendlich, wie bei so manchem Autor dazu führt, dass solche Bücher nur angelesen werden, oder der geneigte Leser irgendwann aufgibt, weil er nämlich damit nur beschränkt oder eben gar nichts anfangen kann, deren Bücher gibt es angesichts der Bücherflut heutiger Neuerscheinungen zuhauf, vorliegende Neuerscheinung macht hier keine Ausnahme, auch wenn sie schon 1995 im Original in den USA erschienen ist.
Eine anstrengende, z.T. nichts sagende, aussagelose und emotionslose Lektüre, pendelnd zwischen se*uell verbalen vulgären Ergüssen und der punktuellen Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung im 2. Weltkrieg, eine brillante Sprachfähigkeit, imponierendes und breites Spektrum am literarischem und philosophischem Wissen, in wie weit das alles zusammen passen kann / soll kann man sich wirklich hier fragen. Angesichts des Buchpreises zum Einen, andererseits der Zeitaufwandes, ein solches Werk mit immerhin 1092 Seiten (!), sollte man gründlichst prüfen, ob man sich damit beschäftigen will, die Wahrscheinlichkeit, hier in einer Sackgasse der Frustration zu gelangen oder nicht auf seine Kosten zu kommen, ist dann eben doch nicht ganz von der Hand zu weisen, dieser für mich dann doch über lange Strecken "ungeniessbaren-schwer verständlichen" Lektüre, die ich dann doch so manches Mal gerne an die Wand geknallt hätte...weil sie wie blutleer daherkommt..
Manchmal, habe ich mich wirklich gefragt: "Ist dem Autor der S*x zu Kopf gestiegen?" Oder auch: "Führt Gass, den Leser an der Nase herum?" Wir lesen von surrealem Se*. Einen wirklichen Roten Faden wird man vermutlich vergeblich hier suchen. An Ordinärem und Vulgärem scheint man hier nun wirklich nicht vorbei zu kommen. Unendlich lange Sätze und anhaltende Monologe des Ich-Protagonisten, Dialoge? Fehlanzeige. Manchmal hatte ich fast den Eindruck, "Schundliteratur" in den Händen zu halten. Ein wirres Gedankengut, dass so manches Fragezeichen aufsteigen lässt!
Gut geschriebene Passagen muss man doch als rar hier bezeichnen. Das Buch ist auch eine Vergangenheitsbewältigung der eigenen Eltern. Wahlloses Gedankengut, das sich einer Bezugnahme permanent entzieht. Zusammenhangsloses Drauflosgeschreibe...Gass ist ein Metapher-Junkie. Bezüge und Kontext dürfte man gelegentlich hier vermissen! Ein Erguss an neuen Wortkreationen, die man wohl so noch nie gehört hat. Obwohl Andeutungen zu Krieg und Antisemitismus gemacht werden, scheint das Buch dann doch nicht wirklich konkret werden zu wollen. Ein Uni-Professor, der Vorlesungen vor Studenten hält und zuhause im Keller beginnt Löcher zu graben. In seinen Phantasien und der Realität treibt er es mit den Studentinnen. Die Graberei im Keller verliert sich im Laufer der Geschichte und wird zum Schluss nochmal aufgegriffen. Während die erste Hälfte des Romans noch er*tisch angeheizt ist, mündet die zweite Hälfte vor allem in eine Art Aufarbeitung dessen, was der Hauptprotagonist namens William Frederick Kohler, mit seinen Eltern erlebt hat, die er bis zu ihrem Tod erlebt und begleitet. Eine Ehe die zu sterben scheint, und eine Mutter die dem Alkohol verfallen ist und dafür sich vom Brotlieferanten v*geln lässt.
Ein Schriftsteller, der hier nun wirklich alles auszuprobieren gewillt ist. Ungeniessbar und Unkonkret. Beizeiten auch langweilig. Eine kräfteauszehrende Lektüre, die einen eben dann doch nicht am Ende belohnt.
Endlose Sätze, die ganz oft gar nichts Wirkliches aussagen! Gefühlsarm, gefühlslos geschrieben.
Fazit: Eine geistige Lektüre mit verschiedensten Abgründen permanenten er*tisierenden Andeutungen, Literatur die weder bodenständig gehalten ist, noch mit etwas Handfestem verbunden wäre. Eine zeitraubende auszehrende Lektüre, bei der man leider nicht auf seine Kosten kommt. Da helfen auch die gestalterisch eingestreuten Spielereien mit verschiedenen Schriften, typographischen Darstellungen oder kleinen graphischen Überraschungen darüber nicht hinweg, eine bizarre und abstrakte Schreibweise auszuhalten, keinen wirklichen Gehalt zu transportieren vermag. Man kann sich wirklich fragen: "Um was geht es überhaupt in diesem Roman?" Ein zusammenhangslos geistiger Erguss, bei dem selbst die eingestreuten ero*ischen und se*uellen Gedanken und Phantasien der Ich-Erzählers, wie allein dastehende empfunden werden, und in keinem wirklichen Kontext stehen, als ob der Autors sich seiner geistigen Se*ualphantasien und Gedankenguts sich befreien wollte. Eine surreale und metapherartige Atmosphäre ist hier spürbar, die sich wie durch den ganzen Roman durchzuziehen scheint. Eine eingestreute Lyrik, die mehr als gewöhnungsbedürftig ist. Das Nebeneinanderstellen von Gewalt und S*x mutet dann doch irgendwie befremdet an. Zuweilen herrscht hier eine beunruhigende Leseatmosphäre. Vieles wirkt undurchschaubar und unverständlich. Ich habe nicht verstanden, warum der Autor immer wieder auf Details zu Hitler eingegangen ist. Gut geschriebene Passagen hat es nur wenige, angesichts des Leseumfangs ist das dann doch enttäuschend.
Solche Bücher machen unsere Literatur nicht reicher, sondern eher ärmer. Schade um den riesigen Umfang dieses Buches, das 1997 den National Book Award erhielt, an dem Gass immerhin 30 Jahre (!) geschrieben hat. Traurig, aber wahr. Schade, Schade.