Eine stimmungsvolle und wortgewandte Sprachführung: Diesen Bonus sollte eine Würdigung des ersten Romans des Landshuter Autors Richard Dübell nach meinem Empfinden an erster Stelle enthalten.
Peter Bernward erwacht aus einem Alptraum. Ein Wappner will den Tuchhändler mitten in der Nacht von dessen Gut nach Landshut, zum Dom St. Martin, führen ohne selbst eine aufschlußreiche Erklärung für diesen Auftrag geben zu können. Der angespannte Wappner führt Bernward von seinem Hof durch das nachtdunkle Umland der Stadt Landshut, vorbei an einem einsamen Kloster, aus dem der dumpfe Gesang der Nonnen dringt und durch die düster dräuenden Stadttore hin zu einem düsteren Schauplatz.
Schon in der ersten Sequenz des Buches versteht es der Autor mit dem ihm eigenen bildhaften wie prägnanten Sprachstil eine stimmungsvolle Umgebung zu erschaffen, die sich unweigerlich und sofort vor dem geistigen Auge des Lesers entfaltet. Auch die nachfolgend eingeführten Charaktere, die den Tuchhändler unversehens zur umfassenden Ermittlungen eines politisch unheilschwangeren Mordes drängen, sind mit geschickter Personendarstellung in den angenehm dichten Erzählfluß gestreut.
Mit fachverständigem historischem Einfühlungsvermögen hält Dübell den (Spannungs-) Bogen in einer inhaltlich angemessenen Spannung ohne ihn (wie leider so viele andere AutorInnen von historischen Romanen) durch gewagte Konstruktionen zu überspannen. Wer Landshut kennt, dem wird sich die Stadt rasch in einer glaubwürdigen spätmittelalterlichen Sphäre offenbaren.
Zum Schluß will noch ein weiterer Pluspunkt des Werkes genannt sein, der bei vielen Rezensionen ebenso unterschlagen wird. Die spannungsvolle, machtpolitische Situation im Herzogtum Bayern-Landshut zum Handlungsrahmen zu wählen ist angesichts des aktuellen inhaltlichen Trends historischer Romane eine wahrhaftige Erfrischung: Endlich einmal kein Hundertjähriger Krieg, keine Pest zur Mitte des 14. Jahrhunderts und kein Überfall der Normannen auf ein britannisches Kloster. Daß Dübell diesen wichtigen Abschnitt regional- wie reichsgeschichtlicher Entwicklung dieses bedeutenden Herrschaftsterritoriums respektvoll, aber mit vielen, seltenen Farben prosaliterarisch auszuschmücken versteht, zeigt seine wohlinformierte Beschäftigung mit der Geschichte seiner Heimatstadt und seiner Region. Dieser Vorzug muß in heutigen Tagen der unreflektierten Histo-Roman-Settings als besonderes Prädikat dem Autor zugute gehalten werden.
Eine in allen Belangen einmütige Buchempfehlung!!