Ich selbst studiere Geowissenschaften und Biologie.
Das Buch ist sowohl für Einsteiger in das Thema, als auch für Fortgeschrittene anschaulicher und hochinteressanter Lesestoff. Dem Leser werden vielseitige Einblicke in die wichtigsten Aspekte des Tropischen Regenwaldes eröffnet, eines der komplexesten und außergewöhnlichsten Ökosysteme der Erde.
Neben der Vermittlung grundlegender Basisfakten beschreibt Reicholf zahlreiche verblüffende Details zu Tieren und Pflanzen. Jeder Tiergruppe widmet er ein eigenes Kapitel (Vögel, Insekten, Schlangen, etc.). Evolutionäre Prozesse werden aufgezeigt und globale Vergleiche angestellt.
In einer Art Spannungsbogen wird immer wieder das Thema Artenvielfalt und Nährstoffmangel aufgegriffen bis schließlich in einem Abschlusskapitel die zentralen Zusammenhänge aufgedeckt werden. Dabei wird sehr deutlich wie das Ökosystem Regenwald funktioniert und warum es so empfindlich gegen Eingriffe reagiert.
Kritikpunkte: Das Buch ist leicht tierlastig. Mir kommen die Pflanzen etwas zu kurz. Während einzelnen Tiergruppen ganze Kapitel gewidmet werden, gibt es keine Kapitel wie etwa: "Bäume", "Bodenpflanzen/Hygrophyten", "Flechten", "Moose", "Pilze". Diese Themen werden nicht erschöpft. Hier fehlen bis auf die tolle Beschreibung der Epiphyten detaillierte morphologische und systematische Einblicke. Auf die Probleme der Waldbodenpflanzen (Hygrophyten...Transpirationsmaximierung) wird nicht eingegangen. Auch die Bestandsklimate der verschiedenen Baumschichten werden nicht diskutiert. Lateinische Artnamen wendet Reichholf nur bei den Tieren an. Über einige der Baumriesen könnten ruhig ein paar Worte verloren werden, wie etwa den Kapokbaum (Ceiba pentandra).
Fazit: Gelungene Gesamtschau zum Thema Regenwald! Naturwissenschaftliche Fakten interessant vermittelt! Sehr empfehlenswert!