Ich habe erst vor einiger Zeit in das "Bizarro"-Genre hineingeschnüffelt und muss jetzt nach dem Lesen einiger dieser Romane sagen: Jeremy Shipp ist der unangefochtene Meister! Aber nichts für Einsteiger. Wenn man nicht weiss, was "Bizarro" ist, sollte man sich einmal mit Carlton Mellick III vortasten, um zu verstehen, wie dieses Genre überhaupt funktioniert. "Weirdness" ist das große Stichwort und die jungen Wilden dieser Stilrichtung möchten nichts lieber, als es dem Leser so unkomfortabel wie möglich zu machen. Zum Vergleich können hier die Filme von David Lynch oder Cronenberg herhalten, hinter denen immer etwas "Seltsames" zu spüren ist.
"Der Trip" von Jeremy C. Shipp ist allerdings schon eine höhere Weihe; für Rookies ein Buch, in dem man sich ganz schnell verheddern kann und es frustriert in die Ecke feuert. Wer nach traditionellen Erzählstrukturen und einem leicht nachvollziehbaren Plot sucht, wird hier absolut nicht glücklich werden. Wer sich aber gehen lässt, der wird mit einem wahren Rausch an traumartigen Sequenzen belohnt, die schwindlig machen.
Im Endeffekt sprengt Shipp alle Grenzen dieses relativ jungen Genres, ihn könnte man sich auch im Umfeld der großen Postmoderne vorstellen, neben Thomas Pynchon oder David Foster Wallace würde dieser Jungspund wahrlich keine schlechte Figur abgeben. Doch, und auch dies empfinde ich als Bonus, ist seine Geschichte kein auf 1200 Seiten aufgeblasenes Werk, sondern mit schlanken 180 Seiten eher eine kurzweilige Reise, welche aber an Orte führt, wo man garantiert noch niemals zuvor gewesen ist.
Abschließend möchte ich noch das wunderbare Cover erwähnen, inzwischen Standard bei Voodoo Press. Nicht das einzige Bizarro-Highlight dieses Verlags, unbedingt lesen sollte man auch die dort erschienenen Bücher "Rotten Little Animals" von Kevin Shamel und "Shatnerquake" von Jeff Burk.