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Der Religionsphilosoph, Schriftsteller und Jakobiner Eulogius Schneider (1756-1794) war eine der schillerndsten Gestalten der Französischen Revolution. Ursprünglich Franziskaner, wandelte er sich nach moraldogmatischen Kontroversen mit erotischen Gedichten und sozialen Schriften immer mehr zum Gegner der Kurie, bevor er sich 1791 in Straßburg den Jakobinern um Friedrich Cotta, Karl Clauer und Friedrich Butenschön anschloss. In seinen Predigten und Pamphleten spiegelt sich Schneiders Wandlung vom gemäßigten Aufklärer zum fanatischen Befürworter der "Terreur" Robespierres. Drei Tage vor Danton wurde er auf Befehl Saint-Justs in Paris auf der Guillotine hingerichtet. Ein wahrer Stoff für Literaten also: Hätte Georg Büchner etwas früher nach Straßburg fliehen müssen, so hätte er dem Philosophen sicher einen Platz in seinem Drama
Dantons Tod (1836) eingeräumt.
Dieses Versäumnis hat nun Michael Schneider nachgeholt. Wie sein Namensvetter, so ist auch der Autor ein wahrer Dialektiker der Aufklärung: Geprägt durch die Studentenbewegung und in Zeitschriften wie konkret oder Kursbuch zu Hause, ist er heute nicht nur als Publizist, Essayist, Wissenschaftler, Dramatiker und Erzähler, sondern auch als Mitglied des Magischen Zirkels tätig. Im Traum der Vernunft ist ihm das Zauberstück gelungen, einen der merkwürdigsten deutschen Akteure der Schreckensherrschaft wieder auferstehen zu lassen. Sieben Jahre lang hat Schneider die Sozial-, Geistes-, Kirchen- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts studiert -- und aus verschiedenen Erzählperspektiven ein lebhaft-spannendes Panorama des elsässischen Jakobinerclubs geschaffen, für das die Form des historischen Romans genau das richtige Mittel war.
In seiner Novelle Lenz (1973), einem Kultbuch der Linken, hatte sich Schneiders älterer Bruder Peter unter anderen auch mit Georg Büchner auseinander gesetzt. Nun beschäftigt sich der Jüngere mit den Auswüchsen der Französischen Revolution. Und so sind Büchner und Eulogius Schneider durch Familienbande doch noch auf magische Weise vereint. --Thomas Köster
Pressestimmen
"Ich glaube, Schneider hat nicht nur ein großes Thema gefunden, sondern auch aus wechselnder Erzählperspektive neue Einsichten gewonnen, die den Komplex der französischen Revolution und deren Nachwirkungen als Wiederholungstaten bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein im besten Wortsinn aufklären." Günter Grass